Fusionsverfahren
Plus-Verkauf: Streit um Kartellamts-Veto eskaliert

Kartellamtspräsident Bernhard Heitzer wehrt sich erstmals persönlich gegen die massiven Anschuldigung im Fusionsverfahren der Discounter Netto und Plus. Kritiker hatten Deutschlands oberstem Wettbewerbshüter vorgeworfen, durch das beabsichtigte Veto auf Dauer die Vormachtstellung von Aldi und Lidl zu zementieren.

DÜSSELDORF. Gegenüber dem Handelsblatt sagte Heitzer, die von Netto und Plus geplante Discountkette stünde „weniger fühlbar“ in Konkurrenz zu Aldi und Lidl als zu den Supermärkten von Rewe oder Kaufland.

Schließlich lockten die beiden großen Discounter ihre Kunden überwiegend mit No-Name-Artikeln, während sich Plus/Netto ähnlich wie die traditionellen Supermärkte stärker auf das Markengeschäft konzentrieren wolle. Entsprechend sehe man keine Veranlassung, dem Netto-Inhaber Edeka die mehrheitliche Übernahme der Tengelmann-Tochter Plus zu genehmigen.

Den Discountprimus Aldi, der im vergangen Sommer durch Preiserhöhungen bei Milch und Butter im deutschen Lebensmittelhandel eine Kettenreaktion hervorgerufen hatte, wertet Heitzer keineswegs als dominierenden Wettbewerber. „Bei Markenartikeln ist Edeka in der Lage, eine von Aldi weitgehend abgekoppelte Preisstrategie zu fahren“, glaubt der Bonner Behördenchef. Der Zukauf von Plus verstärke diese Position sogar noch.

Kartellrechtsexperten wie der Hamburger Professor Rainer Lademann halten die Argumentation für problematisch. „In Deutschland fehlt es an fundierten Untersuchungen, die den Wettbewerb zwischen Discountern und markenorientierten Supermärkten bewerten“, warnte er vor voreiligen Urteilen. Noch deutlichere Kritik äußerten Vertreter auf Seiten von Edeka und Tengelmann. Ein Verhandlungspartner bezeichnete die Einschätzung des Kartellamtspräsidenten auf Anfrage als „lächerlich“.

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