Fusionswelle
Personaldienste im Umbruch

Auf die Zeitarbeitsfirmen rollt eine Fusionswelle zu. Drei von vier Großunternehmen planen Wettbewerber aufzukaufen. Das anhaltend starke Wachstum in der Branche hat aber auch Finanzinvestoren auf den Plan gerufen.

DÜSSELDORF. Getragen vom konjunkturellen Aufschwung rechnen die Unternehmen für das Jahr 2007 mit einem Umsatzplus von mindestens zehn Prozent. Gleichzeitig konsolidiert sich der Markt. So lautet das Fazit einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Ernst & Young unter den 500 größten Zeitarbeitsfirmen in Deutschland, die dem Handelsblatt vorliegt.

Während 2004 die zehn größten Personaldienstleister noch 30 Prozent des Marktes unter sich aufteilten, beherrschten sie im Jahr 2006 bereits über 40 Prozent. „Insbesondere die Fusionen von Randstad und Bindan sowie Adecco und DIS haben den Konsolidierungsprozess entscheidend vorangetrieben“, meinte Ernst-&-Young-Manager Dieter Flügel. Vor allem die international tätigen, großen Zeitarbeitsfirmen wollten ihren Marktanteil signifikant steigern. Zudem habe die Branche Finanzinvestoren auf den Plan gerufen.

Der Umsatz der 4 000 bis 5 000 Zeitarbeitsfirmen legte nach der Studie 2006 um 13 Prozent auf 12,4 Mrd. Euro zu. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer hat sich seit 1994 auf 600 000 vervierfacht. Damit leistet die Branche einen großen Beitrag zum Beschäftigungsaufbau. Zwei Drittel der Zeitarbeitnehmer kamen aus der Arbeitslosigkeit. Laut Bundesagentur für Arbeit sorgt das Geschäft mit der Arbeitnehmerüberlassung für jeden dritten neuen Arbeitsplatz. Die Unternehmen, die Zeitarbeiter beschäftigen, profitieren von einer höheren Flexibilität beim Personaleinsatz und niedrigeren Personalkosten.

Nach einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Lünendonk bei über 70 Zeitarbeitfirmen haben die größten 25 ihren Umsatz 2006 sogar um 43 Prozent gesteigert, bereinigt um Übernahmen um 33 Prozent. Danach legten die führenden Unternehmen stärker zu als der Gesamtmarkt.

Die Marktführer betrieben eine aggressive Preispolitik, um ihre Wettbewerbsposition weiter auszubauen, schreibt Ernst & Young. Als Folge des Preiskampfs gerieten die Margen unter Druck. Mit der Überlassung von Hilfspersonal lasse sich nur noch geringes Wachstum erzielen. Dies liege auch an der Verlagerung von Helferjobs in Billiglohnländer. Hohe Margen seien nur in Marktnischen zu erwarten, wie bei der Vermittlung von Akademikern oder der Spezialisierung auf bestimmte Branchen. Derzeit sind noch über ein Drittel aller Zeitarbeiter Hilfskräfte.

Einer, der von dem Trend profitiert, ist die Mannheimer Hays. Sie vermittelt selbstständige Spezialisten für Informationstechnologie und Ingenieure. In einigen Bereichen übersteige die Nachfrage inzwischen das Angebot, sagte Hays-Vorstand Tom Schoenrock. Der Umsatz ist 2006 um etwa ein Viertel auf 200 Mill. Euro bei einer Vorsteuerrendite von zehn Prozent gestiegen. In der Branche seien dagegen einstellige Renditen üblich, sagte Schoenrock.

Die Konsolidierungswelle wird aber auch von Finanzinvestoren getrieben, so Ernst & Young. Denn es locken hohe Wertsteigerungen durch eine „Buy-and-Build-Strategie“. So hat die Münchner Private-Equity-Firma Auctus den Umsatz der übernommenen Time Partner in nur 18 Monaten von 19 auf 180 Mill. Euro gesteigert. Eine ähnliche Strategie verfolgt Barclays mit der Tuja Zeitarbeit, die er 2006 vom Finanzinvestor Odewald & Compagnie übernommen hatte. Künftig werden weitere Finanzinvestoren in den boomenden Markt einsteigen und mit den Personaldienstleistern „Vernunftehen auf Zeit“ eingehen, ist Flügel überzeugt.

Doch auch durch Kooperationen reagieren vor allem Mittelständler auf den Konsolidierungsdruck und verschaffen sich den nötigen flächendeckenden Marktzugang. So hat sich laut Lünendonk parallel zu den stark durch Übernahmen wachsenden großen Einzel-Anbietern mit dem AÜG Netzwerk ein neuer Wettbewerber im Kreis der Großen positioniert. Gemeinsam erzielten die 104 Partner einen Umsatz von rund 340 Mill. Euro.

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