Gabriel zu Kaiser's Tengelmann „Die Schlichtung ist heute erfolgreich abgeschlossen“

Im Ringen um die Zukunft von Kaiser's Tengelmann musste Wirtschaftsminister Gabriel zahlreiche Niederlagen einstecken. Doch nun hat Parteifreund und Altkanzler Gerhard Schröder offenbar eine tragfähige Lösung gefunden.
Update: 31.10.2016 - 15:57 Uhr 7 Kommentare

Sigmar Gabriel: „Beschäftigte können gutes Weihnachtsfest feiern“

Sigmar Gabriel: „Beschäftigte können gutes Weihnachtsfest feiern“

BerlinBei den Verhandlungen über die Zukunft der angeschlagenen Supermarktkette Kaiser's Tengelmann ist unter der Vermittlung von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) ein Durchbruch erzielt worden. „Die Schlichtung ist heute erfolgreich abgeschlossen worden“, sagte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel am Montag. „Ich gehe nicht davon aus, dass es noch irgendeinen Stolperstein für den Vollzug der Schlichtungsvereinbarung geben kann.“

Bis zum 11. November solle die Klage von Rewe gegen die Ministererlaubnis zurückgezogen werden. Norma und Markant hatten ihre Beschwerden bereits zurückgezogen. Finanzielle Aspekte müssten noch geklärt werden. „Nun ist klar, dass die Einigung komplett auf der Basis der Ministererlaubnis vollzogen wird“, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske. Es solle für sieben Jahre Sicherheit für die Arbeitsplätze geben, fügte Gabriel hinzu.

Für mehr als 15.000 Beschäftigte gebe es nun gesicherte Arbeitsplätze, sagte Gabriel. Grundlage bilde ein durch die Schlichter verhandelter Interessenausgleich, über den allerdings Stillschweigen vereinbart worden sei. Der Einsatz und die Arbeit hätten sich gelohnt, sagte Gabriel. „Verkäuferinnen, Fleischer, Lagerarbeiter, Fahrer, Verwaltungsmitarbeiter und alle anderen Mitarbeiter von Kaiser's Tengelmann können Weihnachten ohne Angst um ihren Arbeitsplatz feiern.“

Das Ende eines deutschen Wirtschaftswunders
Wo alles begann
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1880 tritt Josef Kaiser in das elterliche Kolonialwarengeschäft in Viersen ein. Gekauft und verkauft wird, was für den Lebensunterhalt notwendig ist: Salz, Zucker, Mehl und Grieß. Kaffee wird nur von gut betuchten Kunden gekauft, die ihn zu Hause selbst rösten.

Frisch gerösteter Kaffee
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1882 bietet Josef Kaiser seinen Kunden den ersten selbst gerösteten Kaffee an. Die Vorteile: Das Aroma ist besser und er ist in unterschiedlichen Mischungen und Qualitäten erhältlich. Geröstet wird der erste Kaffee in einer Röstpfanne auf einem gusseisernen Herd im eigenen Geschäft. Schon bald reicht das nicht mehr aus. Die Industrialisierung bringt Wohlstand. Der Kaffeekonsum in Deutschland steigt.

Geschwindigkeitspionier
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Josef Kaiser baut ein Filialnetz auf. 1889 besitzt Kaiser´s bereits 253 Niederlassungen. Schwerpunkt: das aufstrebende Ruhrgebiet, das Rheinland sowie Südwestdeutschland. Um die Belieferung aller Filialen zu gewährleisten, setzt Kaiser´s als eines der ersten deutschen Unternehmen „schnelle“ Lastautos ein. Deren Spitzengeschwindigkeit beträgt zwölf Stundenkilometer. Eine Kutsche braucht doppelt so lange.

Der Patron
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1899 wird Josef Kaiser Hauptgesellschafter und Geschäftsführer der Kaiser´s Kaffee-Geschäft GmbH. Ab sofort bestimmt er die zukünftige Entwicklung seines eigenen Unternehmens. Die Marschrichtung ist klar: weiteres Wachstum. 1910 ist Kaiser´s das größte Kaffeegeschäft Deutschlands und besitzt 1.250 Filialen – mehr als seine beiden größten Konkurrenten Buchthals Kaffeemagazin, Dortmund (500 Filialen) und Emil Tengelmann, Mühlheim/R. (400 Filialen) zusammen.

Die lachende Kaffeekanne
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Josef Kaiser hat die Idee eine Kaffeekanne als Firmenlogo einzusetzen. Paul Böhm modifiziert sie 1904 zur lachenden Kaffeekanne. Sie wird zum Markenzeichen aller Kaiser´s Filialen. 1914 entwickelt Prof. Peter Behrens (Mitglied des deutschen Werkbundes) die heutige Form der lachenden Kaffeekanne.

Belegschaft der Schokoladenfabrik und Bäckerei in Viersen
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1912 stehen 3.810 Mitarbeiter bei Kaiser´s in Lohn und Brot. Für die macht Josef Kaiser viel: Es existieren eine Betriebs- und Unterstützungskrankenkasse, sowie eine Altersvorsorge- und Geschäftssparkasse. 1910 gründet Kaiser´s die Julie-Kaiser-Stiftung für Wöchnerinnen.

Erster Weltkrieg
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Im Krieg verliert das Unternehmen rund 200 Filialen. Andere werden stark zerstört.

Die Schlichtungsgespräche unter Leitung des Alt-Kanzlers galten als letzte Chance, eine Zerschlagung der traditionsreichen Supermarktkette zu verhindern. Ohne eine Einigung wären nach Einschätzung von Bundeswirtschaftsminister Gabriel bis zu 8.000 Arbeitsplätze gefährdet gewesen.

Eine Teileinigung sei nun jedoch zunächst nur über ein Umsatzvolumen erzielt worden, das Edeka am Standort Berlin nach einer Übernahme der Supermarktkette in Form von Filialen an Rewe abgeben könnte, hieß es. Dabei sei es bislang weder um konkrete, einzelne Filialen noch um einen Kaufpreis gegangen. Noch völlig offen sei auch das Schicksal der Filialen in Nordrhein-Westfalen. Darüber werde nach einem Abschluss der Gespräche über die Berliner Filialen geredet, hieß es.

Bei einem Scheitern der Gespräche hatte Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub mit einer Zerschlagung der Kette gedroht. Erste Vorbereitungen dafür hatte er bereits vor dem Schlichtungsversuch getroffen. Mitte Oktober verschickte der Unternehmer bereits erste Listen mit zum Verkauf stehenden Filialen in Nordrhein-Westfalen an mögliche Interessenten. Doch hatte er angekündigt, die Verkaufspläne für die Dauer des Schlichtungsverfahrens ruhen zu lassen.

Heftiger Widerstand
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7 Kommentare zu "Gabriel zu Kaiser's Tengelmann : „Die Schlichtung ist heute erfolgreich abgeschlossen“"

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  • Bin nur 2x im Jahr in der Domstadt. Im Frühjahr zur FIBO, da der Kolibri als Sportwissenschaftlerin nach dem Uniabschluss als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten wird, und wir uns dort weitergehende Expertise holen. Und im Sommer zu den Kölner Lichter wegen des geilen Feuerwerks am Rhein. Außerdem hatte ich mal dort eine City-Immobilie im Townhaus-Stil, die ich aber dieses Jahr verkauft habe.

  • Wenn ich Steuern bezahlen würde, wäre ich jetzt mehr als erregt. Der Steuezahler
    blutet am Ende für die Rendite von uns Ivestoren. Zum Glück gibt es die Retter.
    Ich denke heute noch an meinen Reibach vom Holzmann. 

  • Vinci Queri
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    Diese TRAGFAEHIGE Lösung wird genau so dort enden, wo alle seine vorherige Lösungen, die er fand, geendet haben : in der Pleite !
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    In der Pleite wird die Lösung nicht enden, dafür sind EDEKA und REWE zu solvent, Bei einer grundsätzlichen Betrachtung dürfte es sicherlich für das Tengelmann-Personal zu Veränderungen kommen. Wie und in welchem Umfang, wird die Zukunft zeigen. Alles andere wäre zum gegewärtigen Zeitpunkt das Lesen von Kaffeesatz.


  • >> Doch nun hat Parteifreund und Altkanzler Gerhard Schröder offenbar eine tragfähige Lösung gefunden. >>

    Diese TRAGFAEHIGE Lösung wird genau so dort enden, wo alle seine vorherige Lösungen, die er fand, geendet haben : in der Pleite !

  • Ich lese finanzielle Aspekte müssten noch geklärt werden. Das kann teuer werden für Tengelmann. Vermutlich wird sich Rewe seine Zustimmung zur Übernahme der Verlustbringer in NRW teuer bezahlen lassen.

  • Kaiser Tengelmann macht verluste
    16.000 Arbeitsplätze in Gefahr
    Wieso werden die jetzt Rentabel wenn da ein anderer Name drann steht?

    Da werden doch dann Filialen von den anderen geschlossen.
    Job garantie.

    Da werden doch jetzt bei allen anderen Jobs abgebaut.
    Leute die in Rente gehen, die Stellen werden nicht neu besetzt.
    Zeitarbeiter raus
    Werksverträge raus
    Teilzeitkräfte, Stunden runter.

    Von den 16.000 stellen waren bei den Verlustfilialen 6-7000 Jobs in gefahr.
    Die Stellen werden eben über alle im Firmen im Handel abgebaut.
    Da wurde kein Job gerettet, nur es sind jetzt andere betroffen.



  • Na also, es geht doch!

    Ich frage mich, warum man darauf nicht früher gekommen ist; es hätte den Mitarbeitern viel Zittern und Bangen erspart

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