Gagfah und Patrizia
Wohnungsfirmen im Minus

Wertverluste von Wohnungen und Zinsderivaten bescheren den Wohnungsgesellschaften Gagfah und Patrizia hohe Einbußen. Die Konsequenz: Beide Unternehmen weisen für das Jahr 2008 vor Steuern Verluste aus.

DÜSSELDORF. Die börsennotierten deutschen Wohnungsgesellschaften Gagfah und Patrizia gehen unterschiedlich mit den Wertansätzen ihrer Mietwohnungen um. Während die Gagfah ihr aus rund 175 000 Wohnungen bestehendes Portfolio um 233 Mio. Euro abwertet, hält die Patrizia die Bewertung aufrecht. Patrizia musste dagegen knapp 33 Mio. Euro auf Zinssicherungsgeschäfte abschreiben. Der Grund: Wenn die Zinsen sinken wie in den vergangenen Monaten, verliert die Absicherung an Wert.

Die Konsequenz aus den Abschreibungen: Beide Gesellschaften weisen für das Jahr 2008 vor Steuern Verluste aus, nachdem sie im Vorjahr noch Gewinne erwirtschaftet hatten. Gagfah meldet ein Minus von 119,5 Mio. Euro nach 1,1 Mrd. Euro Gewinn ein Jahr zuvor. Die mit 12 000 Wohnungen sehr viel kleinere Patrizia verbucht 32,4 Mio. Euro Vorsteuerverlust. 2007 hatten Aufwertungen noch zu 63 Mio. Euro Vorsteuergewinn geführt.

Auffällig: Die als Bestandshalter bekannte Gagfah will verstärkt Wohnungen verkaufen. Sie sollen in diesem Jahr eine halbe Mrd. Euro einspielen. "Bei dem Verkauf ist teilweise mit Preiszugeständnissen zu rechnen, um die Volumina deutlich zu erhöhen", erwartet Commerzbank-Analyst Burkhard Sawatzki. Im vergangenen Jahr spülte der Verkauf von 4 700 Wohnungen für mehr als 200 Mio. Euro einen Nettogewinn von 50 Mio. Euro in die Kasse der Tochter des Finanzinvestors Fortress. Geplant waren 3 500 bis 4 000 Veräußerungen.

Anders als die Gagfah versteht sich Patrizia von jeher als Wohnungshändler. Nachdem der Verkauf an Privatpersonen stockte, ging die SDax-Unternehmen zu sogenannten Blockverkäufen über. Dies war nötig, um die Schulden zu verringern. 2008 wurden rund 1 200 Wohnungen mit Gewinn veräußert. "Mit jedem Verkauf tilgen wir", sagte Finanzvorstand Arwed Fischer. Die Bankverbindlichkeiten verringerten sich 2008 um 100 Mio. Euro auf 1,16 Mrd. Euro.

Wie andere Immobiliengesellschaften, etwa die auf dem Bürosektor aktive IVG, verunsicherte Patrizia Aktionäre und Analysten mit hohen kurzfristig fälligen Darlehen. Nun seien Ende März fällige Kredite in Höhe von 530 Mio. Euro um zwei Jahre verlängert worden, wobei die Finanzierungskosten auf Vorjahresniveau geblieben seien, sagte Fischer. Die Börse reagierte positiv auf die Ergebniszahlen der Wohnungsgesellschaften.

Der Wohnungsmarkt ist stabiler als der Büromarkt. Die Rezession schlägt nicht so schnell auf die Vermietung durch. Weil Baugenehmigungen und Fertigstellungen im Geschosswohnungsbau seit Jahren sinken, erwarten Immobilienanalysten Wohnungsmangel in Wachstumsregionen. Ein großer Teil der Mietblocks von beiden Unternehmen steht in solchen Regionen. So weist eine Bedarfsstudie des auf Wirtschaftsanalysen spezialisierten Pestel Instituts für die Städte Berlin, Hamburg, München und die Region Köln/Düsseldorf bis 2025 einen weit überdurchschnittlichen und auch in Leipzig einen sehr hohen Neubaubedarf aus. In diesen fünf Gebieten befinden sich 83 Prozent der Patrizia-Wohnungen. Das Portfolio der Gagfah ist zur Hälfte auf Dresden, Berlin, Hamburg und Hannover sowie Heidenheim verteilt - mit Ausnahme von Heidenheim Orte, in denen sehr viel mehr Wohnraum gebaut werden müsste.

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