Gamescom

Aldi will die Gaming-Branche aufmischen

Bei Aldi gibt es jetzt Spiele für PC und Konsole. Pünktlich zur Gamescom vertreibt der Discounter im Internet Tausende Spiele. Gegenüber der Konkurrenz hat Aldi viele Vorteile – und das Potenzial, die Branche zu verändern.
3 Kommentare
Aldi Nord und Aldi Süd steigen in das Gaming-Geschäft ein. Quelle: obs
Zum Start der Gamescom

Aldi Nord und Aldi Süd steigen in das Gaming-Geschäft ein.

(Foto: obs)

DüsseldorfDas ist ungewöhnlich: Zum Start der Spielemesse Gamescom stehen nicht die Spielehersteller in den Schlagzeilen. Stattdessen sorgt Aldi für Aufmerksamkeit: Die Unternehmensgruppen Aldi Nord und Aldi Süd steigen in das Gaming-Geschäft ein. Ab Dienstag bietet der Discounter auf seiner Plattform „Aldi Life“ mehrere Tausend Videospiele von mehr als 100 großen und kleinen Entwicklerstudios zum Download an – und zwar für fast alle Plattformen.

„Dieses schlagkräftige Angebot wird den Absatz in der Spielebranche beflügeln und neue Impulse setzen“, sagt Werner Ballhaus, Leiter Technologie, Medien und Telekommunikation bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. Aldi ist kein Pionier in der Gaming-Branche – im Gegenteil: Andere sind schon jahrelang im Markt. Dennoch dürfte das Angebot des Discounters, der mit rund 4.200 Filialen in der gesamten Republik vertreten ist, erfolgreich sein, schätzen Marktkenner.

Denn der Name und die Bekanntheit von Aldi machen den Unterschied. Aldi könnte der Gaming-Branche so einen zusätzlichen Schub verleihen. „Das wird auf jeden Fall große Aufmerksamkeit generieren“, schätzt Linda Breitlauch, stellvertretende Vorsitzende des Game-Bundesverbandes.

Wie sich das Aldi-Logo verändert hat
Die Keimzelle
1 von 8

Seit 1913 betrieben Karl und Anna Albrecht in Essen-Schonnebeck ein Lebensmittelgeschäft. Die Aufnahme zeigt den Laden im Jahr 1930. Ein offizielles Logo gab es da noch nicht.

1948
2 von 8

Wenige Jahre, nachdem die Brüder Karl und Theo das Unternehmen von ihrem Vater Karl Albrecht übernommen haben, entwerfen sie ein Logo. Damals war es noch rot mit weißer Schrift. Die Brüder expandieren stark, eröffnen 1953 in Essen das erste Regionallager.

1957
3 von 8

Nachdem die Mutter Anna Albrecht aus der Geschäftsführung ausgeschieden ist, verschwindet auch der Name Karl des Vaters aus dem Firmenlogo. Das Unternehmen hat zu dieser Zeit schon mehr als 100 Filialen.

1963
4 von 8

Nach der Trennung von Aldi Nord 1961 expandiert Aldi Süd als Discounter. Zugleich wechselt die Farbe des Logos. Bei Aldi Süd ist es jetzt blau mit weißer Schrift, beim Nord-Bruder genau umgekehrt: Weiß mit blauer Schrift. Der Name Albrecht wird nun in Versalien geschrieben.

1975
5 von 8

Nach und nach setzt sich die Kurzform Aldi durch, zusammengesetzt aus den Worten Albrecht und Discount. Diese findet sich ab 1975 dann auch auf dem offiziellen blau-weißen Logo wieder. Leicht abgewandelt kam das Signet so auch in Österreich und den USA zum Einsatz.

1982
6 von 8

Der radikale Bruch kam 1982. Die Urform des heutigen Logos wurde eingeführt: Das angeschnittene hellblaue A auf dunkelblauem Grund, gefasst von einem gelben und orangen Rahmen. Der Zusatz „Süd“ kam erst später dazu. Doch mit dem neuen Logo wurde die Trennung in Nord und Süd auch optisch klarer vollzogen. Aldi Nord hat die Urform seines heutigen Logos in Rechteckform erst in den 90er-Jahren eingeführt.

2006
7 von 8

Im Jahr 2006 wird das Logo erneut leicht überarbeitet. Die Farben werden kräftiger, die Lettern des Schriftzugs Aldi schmaler. Aldi Süd baut sein Netz in immer mehr Ländern aus und wird zu einem internationalen Konzern.

Aldi ist dafür bekannt, nicht der erste zu sein, sondern erst dann einzusteigen, wenn der Markt eine große Masse anspricht. Das zeigte sich in der Vergangenheit etwa mit dem Angebot der Medion-Computer oder dem Telefonierangebot „Aldi Talk“. „Und mittlerweile ist auch die Gaming-Branche massentauglich“, sagt Odile Limpach, Spieleexpertin am Cologne Game Lab der Technischen Hochschule Köln.

Über 30 Millionen Menschen spielen hierzulande zumindest gelegentlich Videospiele, zeigt eine Befragung des Digitalverbandes Bitkom. Und schon lange ist Gaming kein Jugendphänomen mehr: Rund ein Viertel der Spieler ist 50 Jahre und älter. „Der Schritt von Aldi ist deshalb sehr logisch“, sagt Limpach.

Was Aldi in allen Branchen vereint: Der Discounter ist dafür berüchtigt, die Konkurrenz mit Kampfpreisen unter Druck zu setzen. Was für Milch und Eier, aber auch für PC-Hardware und Telefon-Flatrates gilt, soll nun auf die Gaming-Branche übertragen werden. „Aldi steht für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, auch im Internet“, sagt Nastaran Amirhaji, Sprecherin bei Aldi Süd.

So sieht das Aldi-Bistro aus
Das Aldi-Bistro
1 von 10

Aldi Süd eröffnet in Köln sein erstes Bistro. Das Holz an der blauen Wand neben der Theke erinnert an das Aldi-Logo. 50 Gäste sollen hier Platz finden, weitere 20 bei schönem Wetter auf der Dachterrasse.

Drei-Gänge-Menü zum kleinen Preis
2 von 10

Für 4,50 Euro gibt es ein einzelnes Hauptgericht – hier die Gnocchi mit Hähnchen –, das komplette Drei-Gänge-Menü kostet 7,99 Euro.

Container-Look
3 von 10

Von außen sieht das Bistro unscheinbar aus: Aldi hat dafür insgesamt acht Schiffscontainer zusammenbauen lassen, oben gibt es außerdem eine Dachterrasse.

Kochen mit Aldi-Zutaten
4 von 10

Der Wuppertaler TV-Koch Robert Marx hat eigens 120 Gerichte für das Bistro entworfen – natürlich alle mit Zutaten aus dem Aldi-Sortiment.

Frisches Grün
5 von 10

Auf den Tischen stehen Kräutertöpfe: Aldi will mit dem Bistro zeigen, dass es frische Produkte und Bio auch beim Discounter gibt.

Frisch zubereitet
6 von 10

Acht bis zehn Mitarbeiter kümmern sich um die Gäste und bereiten die Gerichte frisch zu. Das Drei-Gänge-Menü soll in eine Mittagspause passen.

Auf Deutschland-Tour
7 von 10

Mit dem Bistro möchte der Discounter vor allem seine Kunden an sich binden. Drei Monate soll es in Köln stehen, danach in eine andere Stadt umziehen.

Direkt zur Markteinführung setzt Aldi ein Ausrufezeichen: Das PC-Spiel „Anno 2205 (Königsedition)“ etwa wird für 15 statt 50 Euro offeriert. Bei Amazon ist es derzeit immerhin für knapp 40 Euro zu kaufen. Solche Angebote gibt es auch für zwei weitere Spiele – alle drei allerdings keine brandneuen Titel.

In der Branche ist es üblich, dass neue Spiele nicht direkt nach deren Erscheinen zu billigen Preisen verscherbelt werden. Daran will sich auch Aldi halten, schließlich will es sich der Discounter nicht mit den Spieleproduzenten verscherzen. „Wir sind natürlich an einer guten Zusammenarbeit mit den Publishern interessiert“, sagt Sandro Fabris, Manager beim Elektronikhersteller Medion, der den neuen Dienst für den Discounter entwickelt hat. Rabattschlachten sind erst zu erwarten, wenn die Spiele einige Monate im Markt sind.

Branchenkenner sind sich einig: Aldi ist nun ein wichtiger Player in der Gaming-Branche. Der Discounter hat tausende Videospiele im Angebot – egal Sport, Strategie oder Spiele für Kinder. Darunter sind alle neuen Games, die auf der Spielemesse in Köln vorgestellt werden, aber auch Klassiker. Aldi vertreibt Spiele sowohl von den bekannten Entwicklerstudios als auch von kleineren Game-Publishern.

Bei Aldi gibt es mehr als bei der Konkurrenz
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Gamescom - Aldi will die Gaming-Branche aufmischen

3 Kommentare zu "Gamescom: Aldi will die Gaming-Branche aufmischen"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Korrektur (sorry, Zeitdruck):

    "Und die Spielebranche ist, wie es Frau Bialek heute so schön ausgedrückt hat, „erwachsen geworden“ und ist darauf gekommen, dass sie, da langsam systemrelevant, sozusagen aus Gründen der Gleichberechtigung, ja auch Anspruch auf Subventionen bei der Politik anmelden kann."

  • Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

    Ist wirklich reiner Zufall, dass gerade das Thema „Spiele“ Gegenstand meines Beitrags im Presseclub-Gästebuch war:

    „Mir fällt vor allem auf, dass es fast nur um die Befindlichkeiten diverser Machtpolitiker geht. Die Bevölkerung dient dabei, wenn sie denn überhaupt am Rande mal erwähnt wird, offenbar nur als Kulisse bei diesem Trauerspiel. Aber solange die - oder besser: ein viel zu großter Teil davon - die Möglichkeiten, die das Internet heute bietet, privat immer noch ganz überwiegend für idiotische (Baller-)Spiele, Einkaufen, "Promi-News" - und nicht zuletzt zum Über-alles-und-jeden-und-übereinander-Lästern und sonstigen Blödsinn, also fast nur zum Totschlagen von Zeit nutzt, statt sich auf zivilisierte Art und Weise zusammenzuschließen (bzw. zusammenzuraufen), und sich so noch weit deutlicher als heute bemerkbar zu machen, werden wir uns wohl alle noch weiter mehr oder weniger im Kreis drehen. Statt der globalen Gesellschaft endlich den dringend nötigen "Schub" in Richtung einer wirklich lebenswerten Zukunft für alle geben zu können. Immerhin scheinen das langsam immer mehr Menschen zu merken.“

    Und die Spielebranche ist, wie es Frau Bialek heute so schön ausgedrückt hat, „erwachsen geworden“ und ist darauf gekommen, dass sie, da langsam systemrelevant, ja auch, sozusagen aus Gründen der Gleichberechtigung, bei der Politik auch Anspruch auf Subventionen anmelden kann.

    Langsam steigt’s auf Bäume. Natürlich habe ich nichts gegen Spiele, aber für meine Begriffe ist das gesunde Gleichgewicht zwischen Ernst und Spiel längst gekippt. Und müsste dringend wiederhergestellt werden, damit unsere Gesellschaft nicht vollends „abdriftet“.

    Noch eine Anmerkung dazu: Spiel und Spaß sind n i c h t dasselbe.

    Denn Spaß darf (im Gegensatz zum Spiel) immer sein.

  • Was für ein Glück, daß es den Avatar für den Steuerzahler nun auch bei Aldi gibt, verbreitet es doch die Basis der Wahrheit.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%