Gasimporteur kritisiert langfristige Lieferverträge mit Stadtwerken
Wingas kämpft Seit' an Seit' mit Kartellamt

Eon Ruhrgas hat den Streit mit Kartellamtschef Ulf Böge um langfristige Lieferverträge für Gas auf die Spitze getrieben. Die Kontrahenten werden sich wohl vor Gericht wiedersehen. Doch bei weitem nicht alle Gasimporteure stellen sich stur.

KASSEL. „Dass Eon Ruhrgas eine Selbstverpflichtungserklärung abgegeben hat, zeigt doch, dass dieses Unternehmen den Handlungsbedarf selbst erkannt hat“, sagte der Geschäftsführer der BASF-Tochter, Rainer Seele, im Gespräch mit dem Handelsblatt, „ich teile aber die Einschätzung von Herrn Böge, dass die Erklärung nicht ausreicht.“

Das Bundeskartellamt geht gegen die Lieferverträge vor, mit denen Eon Ruhrgas zahlreiche Stadtwerke bislang über viele Jahre hinweg und weitgehend exklusiv an sich gebunden hat. Nach Ansicht von Böge hemmt dies den Wettbewerb. Böge verhandelte zunächst monatelang mit 15 Ferngasgesellschaften über einen Kompromiss. Die Gespräche scheiterten aber am Widerstand von Eon Ruhrgas, während alle anderen Unternehmen kompromissbereit waren. Eon Ruhrgas hat zwar mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung Zugeständnisse gemacht, diese reichen dem Kartellamtschef aber nicht aus. Er will nun gegen den Marktführer Untersagungsverfügungen erlassen. Eon Ruhrgas wird dagegen wohl Beschwerde vor Gericht einlegen. Es gebe keine Notwendigkeit, auf langfristigen Verträgen zu bestehen, sagte Seele. Viele Stadtwerke wollten den Anbieter wechseln, kämen aber nicht aus den Verträgen.

Wingas ist hinter Eon Ruhrgas und RWE die Nummer drei unter den Ferngasgesellschaften. Weil auch der russische Gasproduzent Gazprom an Wingas beteiligt ist, gilt das Unternehmen als der Konkurrent, der Eon Ruhrgas am ehesten attackieren könnte. „Bei Wingas stehen offenbar konkrete Unternehmensinteressen im Vordergrund“, sagte gestern ein Sprecher von Eon Ruhrgas. Er verteidigte die Selbstverpflichtung seines Unternehmens. Viele Stadtwerke hätten sie bereits begrüßt.

Wingas rechnet sich durch die Initiative des Bundeskartellamts tatsächlich zusätzliche Marktchancen aus. „Wir haben keine Angst vor Wettbewerb“, sagt Geschäftsführer Seele. Wingas erhoffe sich vielmehr, Stadtwerke als Kunden zu gewinnen, die bislang durch langfristige Verträge an Konkurrenten gebunden sind.

Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmanns Hauptargument für Langfristverträge lautet: Sie seien nötig, weil die Importeure ihrerseits mit den Produzenten lang laufende Verträge abschließen und so ein hohes Risiko tragen müssten.

„Es gibt einfach keine Notwendigkeit, die Importkonditionen eins zu eins in den Verträgen mit den Stadtwerken umzusetzen“, sagt dagegen Wingas-Chef Seele. Sein Unternehmen hatte schon frühzeitig die Initiative Böges begrüßt. „Natürlich tragen wir beim Einkauf ein Risiko, aber das Risiko können wir doch nicht einfach an die Kunden weiterreichen.“ Vielmehr müsse ein Importeur den Kunden mit guter Leistung überzeugen, auch den nächsten Vertrag bei ihm abzuschließen.

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