Gastbeitrag ARD-Markencheck
Lieber mehr halten als versprechen!

Geht es um das verantwortliche Handeln von Konzernen, zeigen Verbraucher wenig Toleranz. Warum dem Einzelhändler Rewe jetzt ein Imageschaden und der Verlust von Kunden droht, erklärt Markenexperte Torben Hansen.
  • 2

HamburgWarum steht Rewe für das Nachhaltigkeitsprojekt Pro Planet, das der Edeka/Rewe-Check der ARD unter die Lupe nimmt, so stark in der Kritik? Als Verbraucher sind wir doch eigentlich an Beschönigungen gewöhnt und im Umgang mit ihnen geschult – zumindest bei der Produktwerbung.

Das Marketing hat für diese Art der Übertreibung die Redewendung „20% bigger than life“ geprägt. Und wenn diese Grenze beachtet wird – das ist quasi der unausgesprochene Pakt zwischen Vermarktern und Umworbenen –, dann wird es noch als „angemessene Verführung“ akzeptiert, so ist eben das Spiel. Ein Freischein für übertreibende Werbung und Übertölpelung ist dies nicht. Auch hier gilt, dass langfristig gewinnt, wer glaubwürdig auftritt.

Wenn es um Corporate Social Responsibility (CSR) geht,  also um das verantwortliche gesellschaftliche Handeln von Unternehmen, legen die Menschen radikal andere Maßstäbe an: Hier herrscht Null-Toleranz!

Das könnte man als Doppelmoral empfinden, was aber keine Rolle spielt, denn die Konsequenzen bleiben. Wer bei diesem Thema mehr verspricht als er halten kann, dem glaubt man auch auf anderen Gebieten nicht und man entzieht ihm das Vertrauen. Die Gefahr eines Imageschadens und des Verlusts von Kunden droht der Marke Rewe.

Denn bei CSR-Projekten genügt es sogar, wenn nur der Anschein von Unredlichkeit entstehen kann: Die Rewe Group wird in der ARD-Sendung Markencheck bzw. in der Nachberichterstattung – für, sagen wir mal Transparenz, die zu wünschen übrig lässt – deutlich heftiger kritisiert als Edeka & Co. Und das obwohl nur sie überhaupt mit Pro Planet entsprechende CSR-Initiativen vorzuweisen haben.

Seite 1:

Lieber mehr halten als versprechen!

Seite 2:

„Der Mittelweg ist der Tod“

Kommentare zu " Gastbeitrag ARD-Markencheck: Lieber mehr halten als versprechen!"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das Problem in Deutschland ist einfach, dass viele nicht bereit sind, für Dienstleistungen oder Produkte das zu bezahlen, was sie selber als Leistungserbringer oder "Produzenten" für den angemessenen Preis halten und deshalb verlangen würden.

  • besonders der letzte Passus von Torben Hansen ist richtig und trifft bei den ewig nur noch von Armut und Ungerechtigkeit schwadronierenden mitten ins Schwarze. Um gerechte Löhne z.B. im Einzelhandel zahlen zu können und gute Qualität der Lebensmittel zu gewährleisten, sind höhere Preise bie etlichen Produkten unabdingbar. Das will die "Geiz ist geil" und Billigheimerfraktion nicht akzeptieren. Aber man ist ja mit einem großartigen Gerechtigkeitsanspruch zu Lasten der Unternehmen leichter unterwegs.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%