Gastronomie
Brötchen statt Braten

Macht satt, geht schnell, ist günstig – immer mehr Berufstätige essen mittags beim Bäcker, Metzger oder im Supermarkt. Gastwirten bricht das Geschäft weg. Manche fahren ihren Kunden nun sogar hinterher.

BerlinDie Käsespätzle für vier Euro serviert der Supermarkt, beim Metzger gibt's die Gyrospfanne für 4,60 und beim Bäcker die Folienkartoffel für 3,10: Wer als Berufstätiger mittags schnell was Warmes will, hat an vielen Orten immer mehr Auswahl. Denn die Alternative zur Kantine heißt längst nicht mehr nur Restaurant. Seit Jahren machen Bäcker, Metzger und selbst Supermärkte den örtlichen Gastwirten Konkurrenz, ihre Mittagskarten werden immer länger. Den Restaurants geht das inzwischen an die Substanz.

Ernst Fischer ist seit Jahrzehnten im Geschäft. „Früher fuhr der Vertreter übers Land und mittags ging er natürlich ins Restaurant“, erinnert er sich und fügt hinzu: „Das ist wohl nicht mehr in.“ Der Hotelier aus Tübingen führt als Präsident den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Er sagt: „Der Mittagstisch ist zum großen Teil weggebrochen.“ Für die Branche sei das schlimm.

Knapp jeder dritte Gastronom berichtet in der aktuellen Dehoga-Umfrage von sinkenden Umsätzen, bei fast jedem zweiten gingen auch die Erträge zurück – das hat nur zum Teil mit dem Mindestlohn zu tun. Stammtische sind nicht mehr sonderlich in Mode und wer am Wochenende auswärts isst, mache das immer öfter bei Volks- und Vereinsfesten, klagen die Gastwirte. Besonders schmerzhaft ist bei vielen aber die Einbuße beim wochentäglichen Mittagstisch.

„Wir haben McDonald's einiges weggenommen“, bilanzierten die Bäcker schon im letzten Sommer und priesen ihre Wraps und Brötchen an. Die mittelständischen Restaurantbetreiber blieben unerwähnt. Das Bäckerhandwerk steht selbst unter Druck. Discounter wie Aldi und Lidl bedrängen sie bei Brot und Brötchen mit ihren Backstationen. „Das Bäckerhandwerk holt sich den Umsatz über andere Kanäle im Außer-Haus-Markt zurück“, bilanzierte der Zentralverband jüngst und meldete einen Umsatzrekord.

Besonders der eilige Esser ist umkämpft – Zeit spielt neben dem Preis eine wichtige Rolle. Tisch auswählen, Karte kommen lassen, erst die Getränke, dann das Essen, Warten auf die Rechnung. Eine halbe Stunde Mittagspause reicht da nicht. Und weil viele Angestellte nicht mal mehr die 30 Minuten nehmen, muss oft auch ein belegtes Brötchen reichen.

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