Gastronomie
Hotelkonzern Accor zerlegt sich freiwillig

Europas größter Hotelkonzern Accor plant eine umfassende Strategiewende. Das französische Unternehmen prüft, ob und wie das hochrentable Geschäft mit Geschenk- und Restaurantgutscheinen in eine eigene Gesellschaft ausgliedert und damit vom Hotelgeschäft abgetrennt werden kann.

PARIS. „Zwischen beiden Bereichen gibt es kaum Synergien“, begründete Accor-Chef Gilles Pélisson. Umfassend erläuterte er am Donnerstag die Vorteile dieses Schrittes. Das lässt darauf schließen, dass der Beschluss zur Aufteilung des Konzerns schon gefallen ist. Details will Pélisson bei der Vorstellung der Jahresergebnisse Anfang 2010 präsentieren.

Die Börse zeigte sich begeistert, die Aktie schoss zeitweise um mehr als sieben Prozent nach oben: „Eine eigene Börsennotiz würde dem Gutschein-Geschäft eine eigenständige Bewertung erlauben“, erklärten die Analysten von Natixis. Accor könntealso an der Börse mittels einer Abspaltung eine höhere Bewertung für das Geschäft erzielen, als wenn die Sparte im Hotelriesen verbleibe.

Die Gutschein-Sparte umfasst Geschäfte mit Restaurant-Gutscheinen, die Arbeitgeber kaufen und an ihre Mitarbeiter als Teil der Bezahlung ausgeben. Diese können damit in Restaurants ihr Mittagessen bezahlen. Mittlerweile hat Accor das Geschäft deutlich ausgebaut, auch dank eines Joint Ventures mit dem Kreditkartenriesen Mastercard. So bietet die Tankstellenkette Aral vorbezahlte Geschenkkarten an, mit denen Kunden bei Aral einkaufen können. Den Gesamtmarkt für solche Kartengutscheine taxieren Analysten auf weltweit 130 Mrd. Euro.

Die Gutschein-Sparte ist im Vergleich zum Hotelgeschäft klein, aber hochrentabel: Im ersten Halbjahr steuerte das Geschäft nur zwölf Prozent zum Konzernumsatz von 3,4 Mrd. Euro bei, aber war für 22 Prozent des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 924 Mio. Euro verantwortlich. Trotz Krise konnte die Sparte ihre Brutto-Marge leicht auf 43,2 Prozent vom Umsatz ausbauen. Auf Basis dessen schätzen Analysten, dass die Sparte einen Wert von vier bis sechs Milliarden Euro habe.

Accors Großaktionäre Colony Capital und die Beteiligungsgesellschaft Eurazeo tragen die Aufspaltungspläne mit: „Es wäre wohl nicht sehr professionell, solch ein Projekt vorzustellen, wenn die Großaktionäre das nicht begleiten würden“, sagte Pélisson. Eine Abspaltung sei im Accor-Board „immer mal wieder“ diskutiert worden; von einem Komplettverkauf sei indes keine Rede.

Der US-Immobilienspezialist Colony Capital war im Mai 2005 ins Accor-Kapital eingestiegen und hatte dem Konzern damals eine erste Strategie-Wende aufgedrängt; seitdem trennt sich Accor von dem Großteil seines Immobilienbesitzes, um sich auf den Betrieb von Hotels zu konzentrieren.

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