Gastronomie
Schulden und Steuern lasten schwer auf britischen Pub-Ketten

"Schafft die Biersteuer ab - rettet unsere Pubs!" Die Britische Bier- und Pub-Vereinigung schlägt Alarm und startet eine Kampagne für steuerfreies Bier. Denn die Rezession bedroht ein Stück britischer Kultur: Täglich machen fünf Kneipen dicht.

LONDON. Die Rezession bedroht ein Stück britischer Kultur: den Pub an der Ecke. Fünf dieser traditionellen Treffpunkte sterben jeden Tag, rechnet die Britische Bier- und Pub-Vereinigung vor. Schuld sei auch die Regierung, die im Zuge ihres Konjunkturpakets die Alkoholsteuern nochmals erhöht hat. Damit sind Brauer und Wirte die einzige Branche, die von der Mehrwertsteuersenkung nicht profitiert. Doch mit seiner Kampagne "Schafft die Biersteuer ab - rettet unsere Pubs" verdeckt der Verband hausgemachte Probleme. Ein großer Teil der britischen Gastronomie ist zu börsennotierten Ketten zusammengefasst, die ihre Immobilien hoch beliehen haben. Das rächt sich nun im Abschwung.

Die Pubs mussten in der jüngsten Vergangenheit einiges verdauen: Erst das Rauchverbot, dann eine Reihe von Steuererhöhungen und nun die schlimmste Rezession seit Jahrzehnten. Das Ganze habe sich nun zu einem Problemberg aufgetürmt, sagt ein Sprecher der Britischen Bier- und Pub-Vereinigung: "Das Rauchverbot ist im Vergleich zu Wirtschaftslage und Steuern das kleinere Problem." Dazu kam noch ein verregneter Sommer, der Bierkonsum in Pubs fiel um acht Prozent. Rund 2 000 der 57 000 britischen Pubs werden im laufenden Jahr verschwinden, fürchtet der Verband. Dabei sind die 20 000 unabhängigen Pubs oftmals besser dran als die Mehrheit, die zu großen Unternehmen gehört und oft mit langfristigen Verträgen an die Gastro-Konzerne gebunden ist.

Vor knapp 20 Jahren entstand eine Gruppe börsennotierter Pub-Ketten, nachdem die Regierung die Gastronomie 1989 per Gesetz aus der Umklammerung der Brauereien gelöst hatte. Investoren kauften den Brauereien deren Pubs ab und nahmen hohe Kredite auf ihren Immobilienbesitz auf. Nun ist die Branche bei einem Umsatz von 28 Mrd. Pfund (32 Mrd. Euro) mit rund 20 Mrd. Pfund verschuldet, und führende Unternehmen geraten in Schieflage.

Marktführer Punch Taverns hat eine Nettoverschuldung von 4,5 Mrd. Pfund auf seinen 8 400 Kneipen lasten. Im Geschäftsjahr zum 23. August fuhr er nach Wertberichtigungen von 295 Mio. Pfund einen Nettoverlust von 65 Mio. Pfund ein. Die Zinslast frisst die Hälfte des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf. Der Umsatz sank um acht Prozent auf 1,6 Mrd. Pfund.

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