GdF-Urabstimmung
Fluglotsen streiken - mitten in den Ferien

Ein Streik soll Deutschlands Luftverkehr lahmlegen. Das haben die Lotsen der Deutschen Flugsicherung beschlossen. Der Arbeitskampf hätte enorme Auswirkungen für Reisende - das Chaos kann aber noch verhindert werden.
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FrankfurtZum Beginn der Sommerferien droht Reisenden in ganz Deutschland ein unbefristeter Streik der Fluglotsen. Bei einer Urabstimmung votierten 95,8 Prozent der Mitglieder der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) für einen Arbeitskampf, teilte die GdF in Frankfurt am Main mit. Nur 75 Prozent Zustimmung wären nach Satzung der Gewerkschaft notwendig gewesen. Einen Zeitpunkt, ab wann gestreikt werden soll, nannte die Gewerkschaft noch nicht. Es liegt allerdings auf der Hand, dass ein Arbeitskampf während der gerade begonnenen Ferienzeit die größte Wirkung entfalten würde.

Zwar hat die Arbeitgeberseite zuletzt mit einem neuen Angebot nachgebessert und damit Bewegung in den seit Wochen andauernden Tarifstreit gebracht, doch darüber will die GdF nach eigenen Angaben erst am Dienstag beraten. Die GdF erklärte, das Angebot sei erst am Wochenende vorgelegt worden und werde daher erst nach Auszählung der Urabstimmung geprüft. „Das Ergebnis der Urabstimmung bleibt gültig, auch wenn wir auf Basis des Angebots noch mal an den Verhandlungstisch zurückkehren würden“, betonte GdF-Sprecher Matthias Maas. Am Dienstag werde die Gewerkschaft dann endgültig entscheiden, ob es zum Arbeitskampf kommt.

Flugsicherung besserte nach

Die neue Offerte der Deutschen Flugsicherung (DFS) sehe eine Erhöhung der Tarifgehälter ab 1. August um jeweils 3,2 Prozent plus eine sofortige Einmalzahlung in Höhe von 0,8 Prozent des Bruttojahresgehalts vor, sagte DFS-Pressesprecher Axel Raab am Montag. Ab 1. November 2012 würden die Gehälter dann um weitere zwei Prozent, mindestens aber in Höhe der Inflationsrate steigen. Das bundeseigene Unternehmen verknüpfte sein am Freitag vorgelegtes Angebot mit der Forderung nach mehr bezahlten Überstunden, mit denen bestehende Personallücken geschlossen werden könnten.

Die Fluglotsen haben eine Gehaltserhöhung um 6,5 Prozent über zwölf Monate verlangt und stellen einige Zusatzforderungen. Gestritten wird beispielsweise auch um Punkte wie Zuständigkeiten für weitere Berufsgruppen und Eingruppierungen.

Schlichtung könnte Streik abwenden

Zur vorübergehenden Abwendung eines Arbeitskampfes besteht für beide Tarifpartner auch noch die Möglichkeit, die Schlichtung anzurufen. In diesem Fall würde sofort eine neue Friedenspflicht einsetzen und der Streik müsste für die Dauer der Vermittlungsversuche verschoben werden. Nach Einschätzung der GdF dauert eine Schlichtung vier bis fünf Wochen. Der Schlichterspruch ist nicht bindend für die Tarifparteien. Das Recht zur Benennung des Schlichters wechselt zwischen den Kontrahenten. Für die aktuelle Runde hat die DFS den umstrittenen Arbeitsrechtler Volker Rieble aus München benannt.

Ein Lotsenstreik wäre für Deutschland ein absolutes Novum. Zwar wurde immer wieder ein Ausstand angedroht. Auch eine Urabstimmung hat es bereits gegeben. Doch stets wurde in letzter Minute ein Kompromiss gefunden. Das überrascht nicht. Ein Lotsenstreik hätte verheerende Folgen. Rund 10000 Flugbewegungen überwachen  die Lotsen täglich. Für die Fluggesellschaft wäre ein Ausstand katastrophal. Ihr Gewinn ist in der ersten Jahreshälfte bereits durch den  hohen Ölpreis und die Flugausfälle wegen der Unruhen in der arabischen Welt und der Erdbeben-Katastrophe in Japan kräftig unter die Räder gekommen. Ein Streik der Lotsen würde die Prognosen der Fluggesellschaften wohl endgültig über Bord werfen.

In Deutschland arbeiten nach GdF-Angaben etwa 5500 Beschäftigte bei der Flugsicherung, davon 2400 Fluglotsen. Die Gewerkschaft vertritt rund 3200 Mitarbeiter.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
Carina Kontio ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte.
Carina Kontio
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen

Kommentare zu " GdF-Urabstimmung: Fluglotsen streiken - mitten in den Ferien"

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  • @VIP: spot on

  • I clearly remember when then President Raegan fired them all under similar circumstances. It turned out that they were quite replaceable and not nearly as needed as they would like us to believe.

  • hoffentlich streiken die Ärzte wenn ein Fluglotse eine Behandlung braucht.
    10.000 (in Worten: zehntausend) Euro im Monat - ohne Studium - ... und das ist diesen Wegelagerern wohl immer noch nicht genug.

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