GDL bestreikt Güterverkehr
Industrie verlagert Transporte auf die Straße

Der Mega-Streik der Lokführer rückt stündlich näher, vor allem im Güterverkehr. Die Industrie reagiert bisher gelassen – und verlagert ihren Warenstrom auf die Straße. Allerdings stößt diese Lösung an Grenzen.
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Hamburg, IngolstadtAngesichts des bevorstehenden Rekordstreiks der Lokführer-Gewerkschaft GDL leiten viele Unternehmen ihre Transporte auf die Straße um. Vor allem Autokonzerne hätten schon vor Wochen versucht, sich vorsorglich Transportkapazitäten bei Speditionen zu sichern, sagte ein Sprecher des Bundesverbandes Güterverkehr, Logistik und Entsorgung am Mittwoch in Frankfurt. Die Zahl der Lkw in Deutschland sei jedoch begrenzt sei. Daher wichen einige Firmen auf osteuropäische Spediteure aus. Dort seien wegen der Sanktionen gegen Russland noch Kapazitäten frei.

Täglich rollen alleine für die Automobilindustrie rund 200 Züge durch Deutschland. Die Branche ist daher besonders davon betroffen, wenn sich Transporte an die Produktionsbänder verzögern. Ein vollständiger Ersatz aller Bahntransporte durch andere Verkehrsträger ist nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie jedoch nicht möglich. „Deswegen rechnen wir damit, dass unsere Transportabläufe erheblich behindert werden“, sagte VDA-Chef Matthias Wissmann. Er kritisiert die GDL scharf: Bei so langen Streiks stelle sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit, denn sie schadeten der Wirtschaft und den Verbrauchern gleichermaßen. „Man kann nur hoffen, dass das geplante Gesetz zur Tarifeinheit solchen Auswüchsen Einhalt gebietet“, fügte der VDA-Chef hinzu.

Auch Autobauer Audi verlegt Transporte von der Schiene auf die Straße. „Einzelne, wichtige Lieferungen versuchen wir schon jetzt von der Bahn umzuleiten, zum Beispiel auf Lastwagen“, sagte ein Audi-Sprecher am Mittwoch in Ingolstadt. Der Konzern wolle je nach Streikverlauf und Bedarf entscheiden, ob noch mehr Verlagerungen nötig sind. Pro Arbeitstag fahren laut Audi etwa 15 Güterzüge der Deutschen Bahn vom und zum Werk Ingolstadt.

Bei BMW sah man die Streiks zunächst gelassener. „Die Bahn hat uns einen reibungslosen Transport zugesichert“, sagte eine Sprecherin. „Wir gehen auch davon aus, dass das bis Ende der Woche stabil läuft.“ Derzeit seien täglich elf bis zwölf Güterzüge mit je 200 bis 220 neuen BMW-Fahrzeugen unterwegs. Das sind nach Konzernangaben etwa 60 Prozent aller hergestellten BMW-Wagen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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