GDL-Chef Weselsky kündigt Bahnstreik an
Die Alles-oder-nichts-Strategie

Die Bahnstreik kommt. Dabei ist nach 16 Verhandlungsrunden zwischen Gewerkschaft und Bahn noch nicht ernsthaft gesprochen worden. Denn GDL-Chef Weselsky interessiert sich nicht für Taktik – er will alles. Ein Kommentar.
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BerlinAlles oder nichts – so laufen Tarifverhandlungen in der Regel nicht. Es gibt eine Gewerkschaftsforderung, Verhandlungen, ein Arbeitgeberangebot, weitere Verhandlungen und irgendwann einen Kompromiss. Claus Weselsky, der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, denkt anders. Er will alles. Nur so ist zu erklären, dass die Lokführer bei der Deutschen Bahn nun wieder für Streiks mobilisieren.

Dabei ist auch nach 16 Verhandlungsrunden über die GDL-Forderung nach fünf Prozent mehr Geld und einer um eine Stunde verkürzten Wochenarbeitszeit noch gar nicht ernsthaft gesprochen worden. Seit Mitte vergangenen Jahres, als die GDL und die konkurrierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ihre Kooperation aufkündigten, dreht sich der Konflikt immer um dieselbe Frage: Welche Gewerkschaft darf welche Berufsgruppe im Bahn-Konzern vertreten?

Die GDL – bisher nur für die Lokführer zuständig – will auch für ihre Mitglieder beim Zugpersonal Tarifverträge abschließen, die EVG umgekehrt auch für die bei ihr organisierten Lokführer. Weselsky hat schon fast alles bekommen, was er wollte: ein Verhandlungsmandat für Zugbegleiter, Bordgastronomen, Instruktoren, Trainer und Disponenten. Nur bei den Lokrangierführern, die die Züge in den Bahnhöfen bereitstellen, stellt sich die Bahn nach GDL-Lesart quer. Sie sollen im komplizierten Tarifwerk als „billiger Jakob“ abgespeist werden, schimpft Weselsky, der Konzern versuche, die Spaltung der Lokführer mit aller Gewalt aufrechtzuerhalten.

Alle Räder auf deutschen Gleisen stehen still, weil es Gerangel um 3.100 Lokrangierführer gibt? Man darf gespannt sein, wie der GDL-Chef dies verärgerten Bahnkunden erklären will. Weselsky wirft der Deutschen Bahn offen vor, den Tarifkonflikt aussitzen zu wollen, bis der Bundestag voraussichtlich im Sommer das umstrittene Gesetz zur Tarifeinheit beschlossen hat.

Eins ist klar: Solange Deutschlands oberster Lokführer an seiner Alles-oder-nichts-Strategie festhält, trägt er mit dazu bei, dass aus seinem Vorwurf irgendwann eine selbsterfüllende Prophezeiung wird.

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