GDL-Chef Weselsky unter Druck
„Unglaubliche Verletzung meiner Privatsphäre“

Die Kritik an GDL-Chef Claus Weselsky als Schlüsselfigur beim Bahnstreik wird immer persönlicher. Nachdem Medien Fotos seines Hauses sowie seine Büronummer veröffentlicht haben, hat er nun die Polizei eingeschaltet.
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FrankfurtDer Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, sieht seine Privatsphäre bedroht. „Ich bin auch bisher immer auf Bahnhöfen gewesen und werde das auch weiter tun. Ich habe allerdings gestern Abend die Polizei verständigt, weil es hier in einer unglaublichen, nennen wir es einfach Verletzung meiner Privatsphäre, nicht mehr um die Sache geht“, sagte Weselsky am Donnerstag im ARD-„Morgenmagazin“. Für Personenschutz habe er bislang aber „keine Notwendigkeit gesehen“.

Medien hatten zuvor Fotos von Weselskys Wohnhaus gezeigt. Auch seine Büronummer wurde veröffentlicht. „Da muss ich einfach nur lachen, ich wohne zur Miete in einem Häuschen, das 61 Quadratmeter hat - und wenn das dann ein exklusiver Wohnsitz ist, na bitteschön, dann ist das einfach so“, meinte Weselsky.

„Interessierte Kreise“ legten großen Wert drauf, dass die Zugbegleiter und Lokführer nicht erfolgreich seien. „Und das ist eine Dimension, die hätte ich mir am Beginn der Auseinandersetzung so nicht vorstellen können.“

Die mit der GDL konkurrierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat vor einer zunehmenden Radikalisierung durch die Streiks gewarnt. „Ich bin entsetzt, dass es in den sozialen Medien zwischenzeitlich Gruppen gibt, die sich beispielsweise „Hooligans gegen Lokführer“ nennen und die zu Gewalt gegen unsere Kollegen aufrufen“, sagte EVG-Chef Alexander Kirchner am Donnerstag laut Mitteilung in Frankfurt. Schon der Gedanke an tätliche Angriffe gegen Eisenbahner - gleich welcher Gewerkschaft - sei völlig inakzeptabel.

Zugleich kritisierte Kirchner die aus seiner Sicht „inakzeptable Politik der Spaltung“: „Auch ich habe kein Verständnis dafür, dass die Führung der GDL nur deshalb so massiv zum Arbeitskampf aufruft, weil sie ihren Machtbereich ausdehnen will.“ Die EVG sei zu einer fairen Kooperation bereit, um zur Lösung des Konflikts beizutragen.

Der längste Lokführerstreik in der Geschichte der Deutschen Bahn ist seit Donnerstagmorgen in vollem Gang. Nach dem Güterverkehr bleiben seit 2.00 Uhr auch im Fern- und Regionalverkehr und zum Teil bei der S-Bahn die Züge stehen. Die Bahn sprach am Morgen von massiven Beeinträchtigungen im Personenverkehr. Mit Ersatzfahrplänen will das Unternehmen bis zum Streikende am Montagmorgen einen Teil der Züge verlässlich auf der Strecke halten. Sie warnte Reisende und Pendler aber vor Ausfällen und längeren Reisezeiten.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " GDL-Chef Weselsky unter Druck: „Unglaubliche Verletzung meiner Privatsphäre“"

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  • Herr Weselsky miemt den armen Verfolgten und Mißverstandenen, die böse Bahn scheint sich gegen ihn, den allein Standfesten, zu verschwören. Eine Portion Mitleid, nur mir versagt der Vorschub der Krokodilstränen!

    Daß dieser Mann rücksichts- und verantwortungslos hunderte Millionen Euro an volkswirtschaftlichen Schäden verursacht und Millionen Mitbürger in seinem Gewerkschafts-Machtkampf terrorisiert und drangsaliert, das spielt für gewisse Vorschreiber keine Rolle. Daß die Gewerkschaften aufgrund solch unverantwortlichen Handelns in der Vergangenheit von den Regierenden auch mal eine auf die Mütze bekommen haben, das kann man verstehen. Es ist reine Maßlosigkeit!
    Deutschland fehlt eine Maggie Thatcher!

  • Die sollen streiken, streiken, streiken! Die haben das Recht dazu, welches sich unsere Vorväter hart erkämpft haben. Das da jemand aus dem typisch deutschen Tiefschlaf erwacht und Flagge zeigt, gefällt natürlich den Konzernen und unseren Volks...äh Konzernvertretern gar nicht.
    Herr Weselsky, machen Sie weiter, ich finde das unglaublich mutig! Stellen Sie sich gegen den Wind!
    Duckmäuser und Speichellecker gibt es in unserer Gesellschaft genug!
    Und sorry, daß bei einem Lokführerstreik die Bürger unmittelbar betroffen sind, liegt in der Natur der Sache!

  • @Oliver Klima
    Sie sprachen von Deflation in Japan und diese hat eine lange Vorgeschichte. Dort wurden viele Fehler gemacht die bis heute nachwirken. U.a. nannte ich Ihnen einige Punkte die gegenwärtig unmittelbar Einfluss auf das von der Notenbank unterstützte Projekt „Abenomics“ haben. Dem Ölimport z.B. wird man durch die Inbetriebnahme der AKWs wieder reduzieren müssen, die Mehrwertsteuererhöhungen schwächen auch die Kaufkraft. Sie müssen auch berücksichtigen, dass sich die Bevölkerung wie auch die gesamte Ökonomie an diesen Zustand der Deflation und Stagnation gewöhnt hat. Der Versuch den man dort gestartet hat, ist ein enormes Vorhaben mit historischen Ausmaß. Über 200% Staatsverschuldung/BIP zu geringen Zinsen, überwiegend bei der eigenen Bevölkerung, und das in einem der größten Ökonomien der Welt. Das sind gewaltige Strukturen die dort nach Jahrzehnten des Stillstandes in Bewegung gesetzt werden müssen, das geht nicht von heute auf Morgen. Die Sache ist weitaus komplexer als ich sie hier Aufbereiten kann, daher müssen Sie schon selbst recherchieren.

    „Und steigende Löhne wird der "kleine Mann" auch nicht zur Bank bringen, weil in Deutschland zwar viel gespart wird, aber nur die wenigsten Menschen sparen können. Der "kleine Mann" würde die Lohnerhöhung meines Erachtens sofort ausgeben und nicht sparen.“
    Lohnerhöhungen und Arbeitskampf betreffen aber nicht nur die untersten Lohngruppen, und vor der Lohnerhöhung mussten die Arbeitnehmer auch mit ihrem Einkommen auskommen. Was sie mit dem Mehr veranstalten, hängt allein von ihrer Erwartungshaltung ab. Außerdem werden sie in diesem Umfeld wohl kaum ein gutes Verhandlungsergebnis mit dem Arbeitgeber erzielen können, da wie gesagt die Belastung für das Unternehmen steigen würde.

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