Gebeuteltes Schifffahrtsunternehmen
Tui stützt Hapag-Lloyd nach Verkauf mit Kredit

Europas größter Reisekonzern Tui will beim Verkauf seiner Containerschiffsreederei Hapag-Lloyd an das Hamburger Konsortium Albert Ballin nicht nur zu einem Drittel Eigentümer bleiben, sondern auch stärker in die Finanzverantwortung gehen, als bisher vorgesehen.

HAMBURG. Der Hannoveraner Konzern erwägt, dem von der Wirtschaftskrise gebeutelten Schifffahrtsunternehmen, das im Containertransport weltweit die Nummer 5 ist, über die Eigenkapitalausstattung hinaus eine zusätzliche Liquiditätsspritze in Form eines Darlehens zu gewähren. Am Freitag dieser Woche wird Freigabe des Deals durch die EU-Kartellbehörde in Brüssel erwartet. Danach rechnen die Beteiligten mit einem raschen Abschluss des sogenannten "Closing", mit dem der Verkauf besiegelt wird.

In den vergangenen Wochen hatte es wiederholt Spekulationen gegeben, das Konsortium, in dem maßgebliche Beteiligte der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne (Kühne & Nagel) und die Freie und Hansestadt Hamburg sowie das Bankhaus M.M. Warburg sind, dränge auf Senkung des Kaufpreises von 4,45 Mrd. Euro. Dies geschehe vor dem Hintergrund der Krise und der extrem schlechten Marktentwicklung in der Container-Schifffahrt. Beide Seiten hatten unter Hinweis auf entsprechende Vereinbarungen im Kaufvertrag die Vermutungen zurückgewiesen. Heute berichtet nun die "Financial Times Deutschland", Tui habe dem Konsortium einen Großkredit von einer Milliarde Euro angeboten, "um den Deal zu retten".

Diese Darstellung wies ein Tui-Sprecher zurück. Der Konzern habe auch nach Gesprächen mit dem Konsortium nach wie vor keine Zweifel, dass das Geschäft wie vereinbart abgeschlossen und der Kaufpreis nach dem Ende des Closing von Hamburg nach Hannover überwiesen werde. Ein Sprecher des Konsortiums verwies auf eine Mitte Januar abgegebene Erklärung, in der ebenfalls Kaufpreis-Nachverhandlungen dementiert worden waren.

Gleichwohl gibt es bei der Tui Überlegungen, in der Startphase der "Hapag-Lloyd-neu" mit zusätzlichen Mitteln die Unternehmensfinanzierung zu stützen. Es werde derzeit erwogen, für einen befristeten Zeitraum ein Darlehen zu marktüblichen Konditionen zu gewähren, um die Liquidität des Unternehmens zu stärken. Hierbei gehe es nicht um einen Ausgleich für eine möglicherweise negative Geschäftsentwicklung, sondern um eine Absicherung der Unternehmensfinanzierung, erläuterte der Tui-Sprecher. Es sei denkbar, dass die derzeit finanzierenden Banken vor dem Hintergrund der Kreditklemme beim bevorstehenden "Change of Control", den Eigentümerwechsel bei Hapag-Lloyd von ihrem Ausstiegsrecht Gebrauch machten. In diesem Fall würde Tui vorübergehend Liquidität nachschießen. Der Konzern befinde sich dafür in einer komfortablen Lage, da er nach der Überweisung des Kaufpreises selbst über reichlich Geld verfüge und dies dann gut anlegen könne.

Nach Abschluss des Closing haben die Banken nach Tui-Angaben 45 Tage Zeit, ihre Kreditverträge mit Hapag-Lloyd zu kündigen. Erst dann könne man absehen, ob und in welchem Umfang ein Darlehen gewährt würde. Bisher ist lediglich bekannt, dass die Royal Bank of Scotland aus der Schiffsfinanzierung für Hapag-Lloyd aussteigen möchte. Sie ist an einem Konsortium von sechs Banken beteiligt, die das 750 Millionen Euro schwere Finanzierungspaket geschnürt haben, mit dem die Containerschiffsflotte aus dem Eigentum der Tui in das von Hapag-Lloyd wechselt. Die Beteiligung der RBS wird auf 100 bis 150 Millionen Euro geschätzt. Tui will mit den Erlösen aus dem Kaufpreis die eigenen hohen Schulden verringern und erwägt einen Rückkauf der in London börsennotierten Tui Travel plc, in dem neben den Touristik-Aktivitäten der Hannoveraner zu 49 Prozent der britische Reiseveranstalter First Choice Holidays aufging.

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