Gefälschte Bewertungen
Amazon verklagt tausende Rezensenten

Der Online-Riese Amazon versucht bereits zum zweiten Mal, gegen Verfasser gefälschter Rezensionen vorzugehen. Das ist kein leichtes Unterfangen: Das Internet bietet etliche Möglichkeiten, Bewertungen zu kaufen.

San FranciscoDer Handelsriese Amazon verklagt mehr als eintausend Verfasser von Produktbesprechungen auf seiner Webseite. Sie sollen gefälschte, irreführende oder unzutreffende Bewertungen geschrieben haben. Durch solche Praktiken, heißt es in der Klage, die in der Heimatstadt Seattle anhängig ist, werden Ruf und Geschäft geschädigt. Die Kunden würden hinters Licht geführt.

Die Anzeigen „gegen Unbekannt“ betreffen vor allem die Nutzer der Webseite fiverr.com, auf der kleine Gefälligkeiten gegen Entgelt gehandelt werden.

Fünf Dollar reichen, um eine persönliche Grußkarte für Halloween oder Weihnachten zu bekommen - oder eben auch eine „positive Amazon-, Kindle- oder Google-Besprechung“, wie Nutzer „hoover121“ anpreist. Anbieter „antajulmith“ verspricht sogar Lieferung binnen einer Stunde.

Das Geschäft lohnt sich. Für fünf Dollar gibt es dann einen nichtssagenden Satz wie „Einfach super. Tolles Produkt.“ Und eine Top-Bewertung für das besprochene Objekt.

Die Betreiber von fiverr.com erklären, sie gingen gegen Dienste vor, die gegen ihre Richtlinien verstoßen. Ob sie speziell Amazon unterstützen und Namen liefern ist noch unklar.

Amazon sagt, es habe bereits intensive Untersuchungen durchgeführt. Manche Rezensenten nutzten ausgefeilte Techniken, um ihre Identität zu verschleiern. In einem Fall soll ein Anbieter sogar einen leeren Umschlag verschickt haben, um eine Produktlieferung vorzutäuschen.

Der Schritt an die Öffentlichkeit kann nicht einfach gewesen sein für Amazon. Denn mit der Klage wird offen eingeräumt, was viele schon lange ahnen: Viele der Millionen Rezensionen sind irreführend bis wertlos.

Und das gilt nicht nur für den Online-Händler. Wiederholt sind Reise-Portale, Hotel-Vermittler oder Restaurant-Plattformen in die Kritik geraten. Auf der Zimmervermittlungs-Plattform Airbnb fetzen sich Mieter und Vermieter über angebliche oder tatsächliche Mängel. Wer für seine Behausung nur zwei oder drei Sterne bekommt, der kann sein Angebot von der Seite nehmen. Es kommt keiner mehr oder nur zum halben Preis.

In Kalifornien sind Uber-Fahrer und Fahrgäste im Streit um das Rating aneinandergeraten. Wer nicht mindestens vier oder fünf Sterne hat, bekommt praktisch kaum noch Fahrgäste. Das Unternehmen selbst kennt die Macht der Bewertungen und hat sie sich zunutze gemacht: Als in Los Angeles Fahrer gegen - ihrer Ansicht nach - zu niedrige Fahrpreise protestierten, sahen sie am darauffolgenden Tag ihre Bewertungen durch den Arbeitgeber halbiert. Das wirkt wie eine Lohnkürzung.

Bewertungen auf Social-Media-Seiten sind mächtige Werkzeuge. Sie können über Erfolg und Misserfolg von Unternehmen entscheiden und sogar Karrieren ruinieren.

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Die Masse glaubt lieber dem anonymen Rezensenten

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