Gefragte Billigmarken: Aldi & Co.: Billig läuft

Gefragte Billigmarken
Aldi & Co.: Billig läuft

Weltweit geht den Verbrauchern das Geld aus, und die Nachfrage nach günstigen Lebensmitteln steigt. Davon profitieren vor allem die deutschen Discounter. Auch in Märkten, in denen die Einkauftüte bisher als Statussymbol herhalten musste, expandieren sie derzeit in ungeahntem Maße – und fordern dabei auch Platzhirsche wie Tesco und Wal-Mart heraus.

LONDON/MADRID/DÜSSELDORF. Die weltweite Rezession verhilft deutschen Discountern jetzt zum Durchbruch auf vielen ihrer vergleichsweise schwachen Auslandsmärkte. "In Ländern, wo Konsumenten wegen der Immobilienkrise sparen, haben die Billiganbieter in den letzten Monaten einen echten Hype erlebt", beobachtet Discountexperte Matthias Queck von der Marktforschungsfirma Planet Retail.

Dabei sind es vor allem Länder wie die USA, Spanien und Italien, in denen die schmucklosen Supermärkte mit ihrem überschaubaren Grundsortiment einen wahren Nachfrageboom erleben.

Den deutlichsten Sinneswandel durchlebt das traditionell klassenbewusste Großbritannien, wo bis vor kurzem noch die Einkaufstüte als Statussymbol herhalten musste. Lidl und Aldi, obwohl schon seit den frühen 90er-Jahren auf der Insel, fassten dort nie so recht Fuß. Der Rewe - Discounter Penny zog sich aus einer kostspieligen Kooperation mit Budgens vor neun Jahren sogar wieder zurück.

Jetzt aber steigen die Discountumsätze rapide, und das Discount-Modell genießt öffentliche Aufmerksamkeit. Seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise legte Aldi Süd die mit Abstand höchste Wachstumsrate aller Supermarktketten hin - binnen Jahresfrist wuchs das Mülheimer Unternehmen um ein Viertel auf 2,15 Mrd. Pfund (2,4 Mrd. Euro), und auch Lidl legte laut TNS Worldpanel mit seinen 500 Läden zwölf Prozent zu. Aldi kommt damit nach Daten des Marktforschers TNS auf 3,2 Prozent Marktanteil, Lidl auf 2,4.

Aldi-Landeschef Paul Foley kündigt bereits vollmundig an, das Filialnetz in Großbritannien und Irland von derzeit 457 auf 1 500 Läden auszubauen. Das wären mehr, als Marktführer Tesco heute hat. Dieser reagierte als Abwehr mit einem eigenen Discount-Sortiment, schaffte aber seit November nur ein Umsatzplus von 2,5 Prozent auf vergleichbarer Fläche. "Tesco hat mit dieser Panikreaktion den eigenen Umsatz kannibalisiert", kritisiert Bryan Roberts von Planet Retail.

Für die deutschen Billiganbieter hat längst der Vormarsch in wohlhabendere Stadtviertel begonnen: Schon die Hälfte der Kunden gehört laut Foley zur oberen Einkommensgruppe. "Nur wer meint, dass er einen Supermarkt mit Hintergrundmusik und 42 Sorten Joghurt braucht und seine Tüten nicht selber packen kann, für den ist Aldi wirklich nichts", spottet er. Pleiten unter britischen Händlern und wachsende Leerstände dürften Aldis Expansion in den kommenden Jahren zudem erleichtern.

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