Gefürchtete Konkurrenz
Sporthändler contra Konzerne

Die deutschen Sportfachhändler fühlen sich durch ihre wichtigsten Lieferanten bedroht: Sportartikelhersteller wie Adidas oder Puma. Der Grund: Immer mehr Markenartikler eröffnen eigene Einmarken-Geschäfte. Bei Kunden sind die meist in den Fußgängerzonen gelegenen firmeneigenen Läden beliebt. Längst sind es aber nicht mehr nur die ganz großen Sportkonzerne, die auf eigene Läden setzen.

MÜNCHEN. „Die Zahl der von den Herstellern selbst betriebenen Filialen nimmt gefährlich zu“, warnt Andreas Rudolf, Geschäftsführer der Händlervereinigung Sport 2000. Mit den so genannten Monomarken-Shops würden Produzenten wie Adidas und Nike zu wichtigen Konkurrenten der Fachgeschäfte.

Doch das ist nicht der einzige Grund, warum die Händler sauer sind. „Zum Teil treten wir gegeneinander an, wenn wir uns um interessante Mietobjekte bewerben“, sagt Intersport-Chef Klaus Jost. Das treibe die Preise nach oben. Intersport ist die größte Vereinigung von Sportfachhändlern in Europa.

Die Hersteller sehen das weit weniger dramatisch. „Die Marke Adidas erwirtschaftet gerade einmal 15 Prozent ihres Umsatzes in eigenen Läden“, betont eine Sprecherin des zweitgrößten Sportkonzerns der Welt. In Deutschland gebe es lediglich acht so genannte Concept-Stores der Marke mit den drei Streifen und fünf Geschäfte für den Fabrikverkauf. Die Intersport-Händler bieten die Turnschuhe und T-Shirts hingegen in mehr als 1 400 Läden in Deutschland an.

Allerdings sind die firmeneigenen Läden oft in den Fußgängerzonen der Innenstädte gelegen und deshalb für die Kunden ganz besonders attraktiv. Jochen Zeitz, Vorstandschef des Sportkonzerns Puma, verteidigt die eigenen Läden: „Das ist kein zusätzlicher Wettbewerb für die Einzelhändler, sondern unterstützt sie sogar. Oft könnten sich die Händler die Mieten in den Lagen, in denen wir sind, gar nicht mehr leisten.“ Die Marke mit dem Raubtier-Logo betreibt derzeit rund 90 eigene Läden und will bis 2010 jedes Jahr fünf bis zehn neue Geschäfte eröffnen.

Längst sind es aber nicht mehr nur die ganz großen Sportkonzerne, die auf eigene Läden setzen. Auch die Anbieter aus der zweiten Reihe versuchen sich immer öfter mit Monomarken-Stores. Als eines der ersten Unternehmen hat Jack Wolfskin diese Strategie eingeschlagen. Inzwischen gibt es 117 Läden in Deutschland. Dem Vorbild folgen zahlreiche andere Outdoor-Produzenten wie North Face oder Schöffel. Die Traditionsmarke Salewa hat einen Laden in Freiburg eröffnet und einige Ableger in der Schweiz. „Wir bekennen uns zum Fachhandel. Aber in ausgewählten Orten wollen wir auch eigene Geschäfte aufmachen“, sagt Salewa-Geschäftsführer Stefan Rosenkranz.

Am stärksten verbreitet sind Monomarken-Geschäfte allerdings in Schwellenländern wie China oder Russland. Dort betreiben die großen Sportkonzerne Adidas und Nike mehrere Tausend Läden, die nur ihre eigenen Marken führen. Das stört niemanden, denn in diesen Staaten gab es noch nie einen funktionierenden Fachhandel.

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