Gegen das Aus für die beliebte Kartoffelsorte regt sich heftiger Widerstand
Linda wartet auf Rettung

Auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten, der diesmal auf dem Kartoffelacker seine Zelte aufgeschlagen hat, zählt vor allem eines: festes Fleisch und knackige Jugend. Und so soll die Kartoffelsorte Linda – mit dreißig Lenzen ganz gewiss eine der Ältesten im Bunde – jetzt gehen.

HB LÜNEBURG. Gleich ob Laura, Leyla, Linda oder Lolita – jede dieser vier hat ihre eigenen Reize und wirkt so auf ihre jeweiligen Verehrer ausgesprochen attraktiv. Während die eher robuste Laura praktisch nichts krumm nimmt, benötigt Leyla wesentlich mehr Aufmerksamkeit und ein sensibles Einfühlungsvermögen. Linda hingegen besticht durch ihre üppige Reife, während Lolita – wie der Name schon andeutet – aufgrund ihres jugendlichen Alters noch etwas unreif daherkommt.

Die Vorzüge von Laura jedoch scheinen heutigen Ansprüchen nicht mehr zu genügen. Sie soll der jungen, vor Gesundheit strotzenden Belana, die aber von Linda-Liebhabern auch schon für manche Geschmacklosigkeit verantwortlich gemacht wird, Platz machen.

So will es das Lüneburger Pflanzenzuchtunternehmen Europlant und hat nach dem Ende des 30 Jahre währenden Sortenschutzes (der etwa dem Patentschutz bei Erfindungen entspricht) die Zulassung von Linda zurückgezogen, um sie zugunsten von Belana endgültig vom Markt zu nehmen.

Denn schließlich kostet die Entwicklung einer neuen Kartoffelsorte rund zwei Millionen Euro, die über Lizenzgebühren vor Ablauf des Sortenschutzes wieder hereingeholt werden müssen. Und daher kann sich ein mittelständisches Unternehmen wie Europlant mit einem Jahresumsatz von rund 40 Mill. Euro kaum einen Fehlgriff bei einer Neueinführung leisten.

Doch Europlant, mit einem Marktanteil von 40 Prozent in Deutschland Marktführer bei den Produzenten von Pflanzkartoffeln, hat offenbar nicht mit der öffentlichen Entrüstung gerechnet, die das Aus für Linda hervorgerufen hat. Denn bis heute hat ein spontan gebildeter „Freundeskreis“, bestehend aus der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, dem Agrarverband Bioland und der Verbraucherzentrale Hamburg, rund 9 000 Unterschriften für den Erhalt von Linda gesammelt. Auch durch Fernsehkoch Alfred Biolek („Ich kann nicht glauben, dass diese qualitativ so hochwertige, wohlschmeckende, gelbfleischige Kartoffelsorte nicht mehr in meiner Küche – und Sendung – Verwendung finden darf“) erhielt Linda prominente Unterstützung.

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