Gehälter
Bahn droht mit Stellenabbau

Offiziell zeigen sich die Bahngewerkschaft Transnet und der Konzern zuversichtlich, schon bald eine Lösung im Tarifstreit zu finden. Gleichzeitig kündigt die Bahn jedoch massive Stellenstreichungen an, falls sich die Angestellten mit ihren Forderungen durchsetzen. Die Lokführergewerkschaft GDL will daher weiter streiken – und kann dabei zumindest auf die Unterstützung der Bevölkerung hoffen.

HB FRANKFURT. Die Deutsche Bahn und die Gewerkschaft Transnet halten einen Durchbruch im Tarifstreit noch an diesem Wochenende für möglich. „Das Angebot der Bahn ist so, dass wir Chancen sehen, zu einem Ergebnis zu kommen“, sagte Transnet-Chef Norbert Hansen dem „Tagesspiegel am Sonntag“. Auch Bahn-Personalvorstand Margarete Suckale zeigte sich mit Blick auf die nächste Verhandlungsrunde am Sonntag in Berlin optimistisch: „Ich glaube an die Vernunft der Gewerkschaften.“

Zugleich drohte sie in der „Welt am Sonntag“ für den Fall eines hohen Tarifabschlusses mit einer Kündigung des Beschäftigungspaktes: „Sieben Prozent mehr würden uns 8 000 Arbeitsplätze kosten.“ Sie warne vor überzogenen Forderungen: „Auf den Beschäftigungspakt, den wir 2005 geschlossen haben, müssen wir dann verzichten.“ Der Pakt sieht vor, dass bei moderaten Tariferhöhungen bis 2010 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sind. Mit dem Angebot von 3,4 Prozent sei die Schmerzgrenze überschritten, sagte Suckale. Spielraum sehe sie nur bei den Mindestleistungen und der Laufzeit.

Hansen kündigte an, ebenso wie Konzernchef Hartmut Mehdorn an den Gesprächen in Berlin teilzunehmen. Auch die Tarifkommission werde am Sonntag zusammentreten. Deshalb verzichteten Transnet und die Gewerkschaft GDBA auch auf weitere Warnstreiks - im Gegensatz zur Lokführergewerkschaft GDL, die einen eigenen Tarifvertrag anstrebt. Es sei normal, durch Streiks Druck aufzubauen, wenn die Gesprächsbereitschaft beim Arbeitgeber fehle, sagte Hansen. Sobald die Verhandlungen aber wieder liefen, würden diese Maßnahmen ausgesetzt.

„Deshalb ist es für mich nicht nachvollziehbar, dass die GDL einen neuen Gesprächstermin annimmt, aber trotzdem Warnstreiks ankündigt“, kritisierte Hansen. Er sei dafür, dass die GDL zusammen mit Transnet und GDBA verhandle. Eine Spaltung der Belegschaft in unterschiedliche Tarifverträge sei schlecht und fatal für alle Beschäftigtengruppen.

Auch Suckale wies die Forderung der Lokführer nach einem gesonderten Tarifvertrag und 31 Prozent mehr Lohn als völlig indiskutabel zurück: „Es kann nicht sein, dass eine Berufsgruppe auf Kosten der anderen privilegiert wird.“ Einen gesonderten Tarifvertrag schloss sie aus.

Die Mehrheit der Bundesbürger findet die Forderung der Lokomotivführer nach einer deutlichen Lohnerhöhung dagegen gerechtfertigt. Bei einer Forsa-Umfrage im Auftrag der „Bild am Sonntag“ erklärten 59 Prozent der 501 Befragten, Lokomotivführer sollten künftig „deutlich mehr Geld“ verdienen. Lediglich 25 Prozent waren nicht dieser Ansicht.

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