„Gelbe Tonne plus“
Neues System soll Müllgebühren senken

Setzt sich ein derzeit in Berlin und Leipzig unter dem Namen „Gelbe Tonne plus“ getestetes Abfall-Modell durch, dürften sich Deutschlands Haushalte bald über sinkende Abfallgebühren freuen.

BERLIN. „Unsere Kosten haben sich im Durchschnitt um neun Prozent reduziert“, berichtet Nicole Wilke, Prokuristin der Wohnungsbaugesellschaft Allod. Das Berliner Immobilienunternehmen vermietet in der Bundeshauptstadt 15 000 Wohnungen und testet seit gut einem Jahr das vom lokalen Entsorger Alba entwickelte Abfallkonzept. „Pro Haushalt sparen unsere Mieter acht bis zehn Euro im Jahr“, sagt sie. Macht die Innovation bundesweit Schule, kämen in Deutschland damit Einsparungen von knapp einer halben Milliarde Euro pro Jahr zusammen.

Das Pilotprojekt, an dem sich in Berlin aktuell 500 000 Einwohner beteiligen, bricht mit einem Tabu: Die teilnehmenden Verbraucher dürfen die Gelbe Tonne, in die sonst allein mit dem Grünen Punkt versehene Verkaufsverpackungen gehören, zusätzlich mit ausrangierten Toastern, Rasierapparaten und anderen Elektrokleingeräten befüllen. Auch alte Töpfe, Pfannen oder nicht mehr benötigtes Kinderspielzeug landet bei den Pilothaushalten in der Gelben Tonne – sofern sie aus dem selben Material bestehen wie üblicherweise Verpackungen.

„Viele Verbraucher verstehen ohnehin nicht, weshalb ein Jogurtbecher in die Gelbe Tonne gehört, ein Plastikmessbecher mit abgebrochenem Griff aber nicht“, sagt Alba-Vorstand Axel Schweitzer. Auch in Leipzig erklärt die Sprecherin der kommunalen Stadtreinigung: „Unsere Abfallberater müssen nun deutlich weniger Diskussionen mit Verbrauchern führen, die die Sortierweise für die Gelben Tonne nicht einsehen.“ Die „Gelbe Tonne plus“ sei eine „praktische Sache“.

Die scheinbare Großzügigkeit des Berliner Entsorgungsbetriebs, der im Auftrag des Dualen Systems Deutschland (DSD) den Verpackungsmüll der Bundeshauptstadt einsammelt, hat durchaus einen wirtschaftlichen Hintergrund: Sie reduziert die Gesamtkosten der Abfallentsorgung. „Was wir zusätzlich einsammeln“, sagt Schweitzer, „können wir 30 Prozent günstiger entsorgen, als wenn es in der grauen Tonne gelandet wäre.“

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