Geld zurück holen
Teldafax-Gläubiger werden enttäuscht

Es ist die Mutter aller Gläubigerversammlungen: Eine Dreiviertelmillion Menschen waren eingeladen, um sich ihr Geld von Teldafax zurückzuholen. Und was sie auf der Veranstaltung heute zu hören bekamen, war nichts Gutes.
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KölnEs sollte die größte Gläubigerversammlung der deutschen Wirtschaftsgeschichte werden. 750.000 Einladungen hatte Biner Bähr, der Insolvenzverwalter des Billigstromanbieters Teldafax verschickt – zehnmal so viel wie etwa im Insolvenzfall von Arcandor.

In Erwartung eines Massenandrangs mietete Bähr eigens das Staatenhaus auf dem Kölner Messegelände, das 12.000 Besucher fassen kann. Am Dienstagmorgen warteten Dutzende von Sicherheitsleuten, Garderobendamen und Helfer aller Art auf die vermeintlichen Besucherströme. Doch als der Insolvenzverwalter um 10 Uhr seine Rede begann, sprach er vor einem fast leeren Saal. Die wenigen versprengten Zuhörer vor ihm hörten nichts Gutes.

„Als ich in das Unternehmen kam, war sofort klar, dass Teldafax hoch defizitär arbeitete und seinen Geschäftsbetrieb unmöglich aufrecht erhalten konnte“, sagte Bähr. „Zudem stand ich als Insolvenzverwalter vor dem Problem, dass sehr viele Kunden ihren Strom schon im Voraus gezahlt hatten und ich kein Geld mehr von ihnen erwarten konnte. Gleichzeitig war aber auf den Konten einfach kein Geld da.“ Und dann berichtete Bähr von dem Chaos.

"Der Grund für die Insolvenz ist einfach. Es ging nicht darum Gewinn zu machen, sondern möglichst schnell viele Kunden zu gewinnen." Den alten Gesellschaftern war Ende 2008, Anfang 2009 klar, dass Teldafax die Verbindlichkeiten nicht würden bezahlen können. "Sie brauchten einen neuen Gesellschafter - und machten alles, um die Braut aufzuhübschen. Da mit jedem Kunden der Kaufpreis höher sein würde, war alles darauf ausgerichtet, möglichst viele Kunden zu gewinnen", so Bähr.

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Immer mehr verärgerte Kunden

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  • Zu zweifelhaftem Ruhm gelangt Herr Dr. Bähr derzeit als Insolvenzverwalter von TelDaFax. Ehemaligen Kunden der TelDaFax, die Vorauszahlungen für Ihren Strom (oder Gas) leisteten, verweigert Herr Dr. Bähr die Verrechnung dieser Vorauszahlungen mit dem tatsächlichen Verbrauch laut Endabrechnung, so wie es ja eigentlich vorgesehen ist. Herr Dr. Bähr fordert stattdessen die volle Summe der Endabrechnung und hat das Inkassounternehmen accredis Inkasso und Kreditabwicklungs GmbH aus Köln mit der Einbringung der Forderungen beauftragt. Hier soll der arme Verbraucher also draufzahlen. Ein Beispiel: Vorauszahlung: 900 €, tatsächlicher Verbrauch: 700 €. Der Kunde müsste also eigentlich 200 € von TelDaFax zurückbekommen. Herr Dr. Bähr möchte aber den Kunden um weitere 700 € erleichtern, so dass diesem am Ende wohl 900 € verloren gehen (denn es ist kaum damit zu rechnen, dass das insolvente Unternehmen diesen Betrag jemals an den Kunden zurückzahlen wird). Dr. Bähr begründet dies mit dem undurchsichtigen Firmengeflecht von TelDaFax, das von dem Konzern ja vermutlich gerade deswegen aufgebaut wurde, um eine derartige zweifelhafte Vorgehensweise zu ermöglichen. Die 700 € aus dem Beispiel sind nämlich an die Teldafax Services zu zahlen, während das Guthaben von 900 € aber bei der TelDaFax Energy besteht. Es ist traurig, dass ein offenbar profitgieriger Insolvenzverwalter sich ein solches Rechtskonstrukt zunutze macht und sich nicht seinem Gewissen gegenüber verpflichtet sieht. Dies müsste ihm eigentlich sagen, dass die Verrechnung der Vorauszahlung eine Selbstverständlichkeit ist, auch wenn das Insolvenzrecht seine Vorgehensweise rechtfertigt. Hier wäre auch eine Rechtsreform dringend notwendig, denn die Auslegung geltenden Rechts durch Herrn Dr. Bähr kann vom Gesetzgeber so nicht gewollt gewesen sein.

  • Der schon beinah lyrische Anflug "Mutter aller Gläubigerversammlung" amüsiert. Zum casus "Teldafax" (oder casui ? rettet dem Dativ!) schreib ich jetzt nicht. Kompliment an die "bonner Kollegen" für die Wahl der location. Wenn ein Insolvenzverfahren betr. größerer Unternehmen zur Eröffnung ansteht, müssen sich Gericht und Verwalter stets Gedanken darüber machen, wieviel Verfahrensbeteiligte zur 1. Gläubigerversammlung (dem Berichtstermin) erscheinen könnten. Packt man eine Gläubigerversammlung auf den üblichen Sitzungssaal (so 15 bis 20 Sitzplätze) und kommen dann 50 Beteiligte, ist der Termin schon atmosphärisch im Eimer, sofern nicht noch schnell ein Ausweichsaal zur Verfügung steht. Ausweichen ist aber ziemlich stressig, für die Beteiligten und auch für das Gericht, welches dann erstmal als unprofessionell darsteht. Bei der Auswahl der "location" gibt es zum Zeitpunkt der Eröffnung des Verfahrens keine Planungssicherheit. Eigentlich kann man es nur "falsch" machen. Falsch ist deshalb in " " gesetzt, weil es nur ein der Situation angemessen geben kann, ob sich dies ex post dann als zu gering oder zu groß dimensioniert herausstellt, ist letztlich uninteressant, jedenfalls aus meiner (insolvenzgerichtlichen) Sicht.
    In Ansehung von 750 k Gläubiger ist die Wahl des Gerichts durchaus nachvollziehbar. Dass nun doch nicht mal so 10 k gekommen sind, sondern nur einige wenige, mag an der Kommunikation zwischen Verwalter und Gläubiger liegen, dies mag ich nicht in concreto zu beurteilen, aber erfahrungsgemäß dürfte dies durchaus ein entscheidender Faktor sein.
    So, genug von der Sicht eines "Insolvenzgerichtsmenschen" aus Düsseldorf.
    L. Erdmann

  • Die sollen das nicht mehr in der Bilanz ausweisen oder bestraft werden? Bestraft für Dummheit? Das heißt wohl: Die Halunken mögen bitte auch das noch verschleiern, damit keiner mehr was erkennt. :-)

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