Geldtransport-Firma
Finanzinvestor stutzt Heros zurecht

Um die angeschlagene Geldtransport-Firma Heros zu sanieren, streicht der neue Eigentümer 1 600 der zuletzt 4 100 Mitarbeiter. Für die arbeitslos werdenden Beschäftigten sehen die Aussichten aber gar nicht so schlecht aus.



HB HANNOVER. Die US-Beteiligungsfirma Matlin-Patterson, die Heros im April gekauft hatte, will nach Angaben des Insolvenzverwalters Manuel Sack nur noch 28 von zuletzt 65 Niederlassungen weiterführen. Das Netz werde um Doppelstrukturen bereinigt, die sich aus der Übernahme von rund 20 Standorten des Werttransportgeschäfts der schwedischen Securitas im November ergeben hätten, erläuterte Sack am Donnerstag. Die Schließungen beim künftig unter „Secur-Log“ firmierenden Unternehmen beträfen vor allem den süddeutschen Raum.

Die nicht übernommenen Heros-Mitarbeiter sollen in eine Beschäftigungsgesellschaft wechseln. „Viele werden wohl bei der Konkurrenz unterkommen“, sagte Sack. Zudem sei zu hoffen, dass Kunden gehalten oder neu geworben werden könnten, woraus sich Bedarf für weiteres Personal ergebe.

Der Markt ist nach Einschätzung der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW) durch die Heros-Pleite bereits stark in Bewegung geraten. Die Kasseler G4S Geld- und Wertdienste GmbH habe Heros als Branchenprimus abgelöst, sagte BDGW-Geschäftsführer Harald Olschok. „Es ist davon auszugehen, dass die Wettbewerber Marktanteile gewinnen werden“, fügte er hinzu. Die Branche hatte in der Vergangenheit über Dumpingpreise von Heros geklagt, die um die Hälfte unter denen der Konkurrenz lagen. Die neuen Eigentümer Matlin-Patterson wollen sich hier wieder dem Marktniveau anpassen. Der auf angeschlagene Firmen spezialisierte Finanzinvestor sieht sein Engagement erklärtermaßen auf mehrere Jahre angelegt.

Heros war zahlungsunfähig geworden, nachdem mutmaßliche Betrügerein der Führungskräfte aufgeflogen waren. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft Hannover schätzt den Gesamtschaden auf bis zu 350 Mill. Euro. Heros soll das bei Banken abgeholte Geld erst mit Verzögerung bei Kunden abgeliefert und Beträge für die Aufrechterhaltung des eigenen Betriebs abgezweigt haben.

„Wir müssen 400 bis 450 Untreuehandlungen im Einzelnen aufklären“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Manfred Knothe. Mittlerweile ermittele die Behörde gegen 11 Beschuldigte wegen des Verdachts der Untreue. Einer davon gehört zur Kölner Handelsgruppe Rewe. Er soll von Heros Schweigegeld erhalten haben nachdem ihm Unregelmäßigkeiten aufgefallen waren.

Der einstige Heros-Inhaber sowie drei führende Mitarbeiter sitzen seit längerem in Untersuchungshaft. Auch gegen die Ehefrau des früheren Heros-Chefs wird ermittelt. Sie war nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft an einer Briefkastenfirma beteiligt, über die zum Schaden von Heros mehrere Mill. Euro abgezweigt worden sein sollen.

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