Geldtransporteure
Branche sucht Kontrolle

Mehr Aufsicht fordert die Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste nach den jüngsten Skandalen in der Geldtransporter-Branche. Das Gewerbe, das täglich Millionen von Euro quer durch die Republik fährt, will schließlich vernünftig kontrolliert werden. Aber niemand fühlt sich zuständig.

BERLIN / FRANKFURT. „Wir brauchen stärkere Kontrollen“, sagt ihr Geschäftsführer Harald Olschok. Doch keiner will die Branche überprüfen, die täglich rund eine Milliarde Euro Bargeld quer durch Deutschland kutschiert. „Im übrigen Europa kontrollieren die Zentralbanken die Unternehmen“, sagt Francis Ravez, Generalsekretär des Europäischen Verbandes der Sicherheitstransporteure.

Auch die Regierung will nicht eingreifen. „Es gibt keine Regeln, die das, was wir im Augenblick erleben, verhindern würden“, sagt Torsten Albig, Sprecher von Finanzminister Peer Steinbrück. Nach Meinung seines Hauses ist das Wirtschaftsministerium zuständig, weil die Branche unter die Gewerbeordnung fällt. Aber auch dort ist wenig Reaktion zu spüren. „In erster Linie muss es Sache der Unternehmen sein, sicherzustellen, dass ihre Werttransporte von zuverlässigen Unternehmen durchgeführt werden“, sagt eine Sprecherin des Ministeriums. „Wir prüfen ständig auch bei der Gewerbeordnung, ob neue Regeln nötig sind.“

Konkretere Pläne, die Kontrollen zu verbessern, gibt es nicht. Bislang prüfen die jeweiligen Ordnungsämter bei der Gewerbeanmeldung lediglich die formalen Vorgaben: Ob die Mitarbeiter ordnungsgemäß registriert sind, Vorstrafen haben, für Pistolen und Revolver einen Waffenschein besitzen. Die Geschäftsführer müssen unbescholten sein, dürfen keine Steuerschulden haben oder überschuldet sein und müssen eine spezielle Haftpflichtversicherung haben. Einmal registriert und eingetragen, wird kaum noch kontrolliert. „Wenn wir keinen Anlass sehen, dann machen wir auch nix“, beschreibt ein Sprecher des Frankfurter Ordnungsamtes die übliche Prüfpraxis.

Das ruft die Politik auf den Plan. „Die Bundesregierung trägt eine Mitschuld an den Untreue-Skandalen“, sagt Finanzausschussmitglied und Bundestagsabgeordneter Frank Schäffler (FDP). „Es kann nicht angehen, dass die Regierung die strengeren Geldwäscheregeln aus dem Jahr 1998 immer noch nicht umgesetzt hat“, schimpft er.

Damit geraten auch Finanzaufsicht (BaFin) und Bundesbank unter Druck. Schon 1999 forderte die BaFin die Transportunternehmen auf, sich als Finanzdienstleister registrieren zu lassen. „Doch bearbeitet hat sie die Anträge bis heute nicht“, sagt Olschok.

Seite 1:

Branche sucht Kontrolle

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%