Geldtransporteure
Eine Branche kämpft um ihren Ruf

Die Branche der Geldtransporteure steht unter Druck: Skandale, Pleiten, Übernahmen machen ihr zu schaffen. Nach Einschätzung von Experten werden in Deutschland langfristig nur zwei bis drei große Anbieter überleben – und das in einem Markt, der seit Jahren durch Dumpingpreise geprägt ist.

FRANKFURT. Gute Chancen im Wettbewerb rechnet sich Newcomer Hans-Jürgen Michel aus. Der geschäftsführende Gesellschafter des Kasseler Geldtransport-Unternehmens Unicorn will nach eigenen Worten „in etwa zwei Jahren eines der größten am Markt“ werden. Michel hat das Unternehmen erst im August gegründet, gilt aber als alter Hase im Geschäft. Derzeit macht Unicorn nach eigenen Angaben einen Umsatz von rund 40 Mill. Euro, in rund 18 Monaten sollen es mit etwa 78 Mill. doppelt so viel sein. „Außerdem wollen wir weiter dazukaufen“, sagte er. Das nötige Geld stammt auch vom Kapitalmarkt. In der vergangenen Woche übernahm die börsennotierte Beteiligungsgesellschaft Heliad Equity Partners für fünf Mill. Euro 49 Prozent. Fast gleichzeitig kaufte Michel die Geldtransportersparte der niedersächsischen Wach- und Schließgesellschaft. Geschätzter Preis: etwa 20 Mill. Euro. Michel selber wollte die Summe nicht kommentieren.

Auch zu weiteren Kaufkandidaten wollte er sich nicht äußern. Doch das Angebot für strategische Expansionen gilt als begrenzt unter den rund 80 Geldtransport-Unternehmen in Deutschland. Als heiße Übernahmekandidaten gelten die MST/TSO aus Mecklenburg, die Prodiac in Bielefeld, die Wach- und Schließgesellschaft Neu-Brandenburg (WSN) oder Chorus in Trier. Das liegt nicht zuletzt auch an zahlreichen Betrugsfällen, die die Branche erschüttert haben: Im Februar war es Heros: Der Staatsanwalt in Hannover wirft Firmengründer Karl-Heinz Weiß und drei weiteren Managern vor, bis zu 1 000 Banken und Handelsunternehmen um etwa 250 Mill. Euro geprellt zu haben. Doch Heros war kein Einzelfall, es folgten Unterschlagungsfälle bei Arnolds, GWS in Nordhorn und Laserich in Bonn.

Seitdem ist die Branche komplett im Umbruch, sagen Experten. „Derzeit ist ein Wettlauf um die Opfer auf dem sich konsolidierenden Markt zu beobachten“, sagt Branchenexperte Henryk Konhäuser von der Unternehmensberatung Ascopert. Kaum ein Unternehmen in der Branche arbeite kostendeckend. „Wenn überhaupt, werden nur ein paar Große überleben“, so Konhäuser.

Da will nicht nur Michel mitmischen. Auch Heros-Nachfolger Securlog ist auf Einkaufstour. Im September hatte der derzeitige Marktführer die Kölner WIS erworben. Für die hatte auch Michel geboten – ohne Erfolg. Wenig später scheiterten dann auch seine Verhandlungen mit Arnolds in Essen. „Im Nachhinein war das für uns ein Glück“, sagte Michel. Denn nur wenige Tage später saßen die Arnolds-Geschäftsführer Hans und Mark Musebrink in U-Haft. Der Vorwurf: Untreue und Unterschlagung in Millionenhöhe – der zweite Fall in knapp sechs Monaten. Davon habe er aber nichts gewusst, beteuert Michel.

„Natürlich ist uns bewusst, dass wir ein Vertrauensproblem in der Branche haben“, räumt er ein. Dennoch sei er zuversichtlich, dass die Kunden jetzt bereit seien, für mehr Sicherheit auch mehr zu bezahlen. Doch Experten sind skeptisch: „Streckenweise fangen Handel und Banken schon wieder an, die Preise zu drücken“, so ein Insider. „Dumpingpreise sind mit uns nicht zu machen“, kontert Michel. Rund 19 Euro müssten die Kunden je Stopp hinlegen, ein Preis am oberen Ende des Branchenüblichen. „Weniger rechnet sich nicht.“ Außerdem will er Unicorn stärker von externen Kontrolleuren wie Wirtschaftsprüfern überwachen lassen und mehr Transparenz durch IT-Investitionen schaffen. Ehrenwerte Vorsätze in einer Branche, in der von effektiver Kontrolle bislang kaum etwas zu spüren war.

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