Geplanter Verschleiß
Heute gekauft, morgen aussortiert

Der neuste Fernseher, die neueste Kaffeemaschine und das neuste Smartphone soll es sein. Viele Konsumenten werfen deswegen ihre alten Elektrogeräte voreilig weg – sehr zur Freude der Industrie und des Handels.
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Noch nie waren die Bundesbürger elektronisch besser versorgt: Flachbildfernseher, Laptop, Digitalkamera und CD-Player sind in der Mehrzahl der Haushalte genauso Standard wie Waschmaschine und Kühlschrank. Oft sind zwei oder mehr Geräte eines Typs vorhanden. Auf 100 Haushalte kamen 2011 mehr als 160 Mobiltelefone.

Genug? Noch lange nicht.

Vergangenes Jahr verkauften Hersteller und Händler den hiesigen Konsumenten allein mehr als 10 Millionen Fernsehgeräte, 13 Millionen PCs und 22 Millionen Mobiltelefone.

Da liegt die Frage nahe: Verführt die Industrie die Verbraucher systematisch dazu, das Neue zu wollen, obwohl das Alte noch funktioniert? Konstruiert sie womöglich die Geräte so, dass sie schnell kaputtgehen, um den Absatz zu steigern?

Vor einem halben Jahrhundert brandmarkte der amerikanische Zukunftsforscher Alvin Toffler die um sich greifende Ex-und-hopp-Mentalität als Zeichen einer "Wegwerfgesellschaft". Das Wegwerfen ist mittlerweile zum Volkssport geworden. Schneller denn je lässt das neueste Gerät den Besitzer des Vorgängermodells alt aussehen – und manchmal erweist sich, was gestern noch der Hit war, heute schlicht als Murks.

Der Verdacht, die Industrie verkaufe den Verbraucher für dumm, indem sie arglistig Schwachstellen in ihre Produkte einbaue, ist weit verbreitet. Er treibt auch das politische Berlin um. Die Bundestagsfraktion der Grünen veranstaltete dazu eine Konferenz. Bild schrieb danach vom großen "Beschiss".

Tatsächlich hat es jeder schon erlebt: Ob Kamera, Toaster, Föhn, Laptop oder Handy – kaum ist die Garantie abgelaufen, gibt das Gerät seinen Geist auf. Ein gebrochener Schalter, ein schlapper Akku, ein gesplittertes Display – Reparatur lohnt nicht. Weg damit.

Für Stefan Schridde, der bei der Konferenz der Grünen referierte, ist klar, woran das liegt: Pfusch ab Werk. Ein defektes Gerät schaffe Umsatz. Vor allem auf gesättigten Märkten sei es aus Produzentensicht naheliegend, Verschleiß in die Produkte einzubauen – und einer "Strategie der allmählichen Qualitätsverschlechterung" zu folgen.

Kommentare zu " Geplanter Verschleiß: Heute gekauft, morgen aussortiert"

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  • Als letztes wird die Menscheit aussortiert und auf den Muell geworfen!

  • Letzlich ist das ein Problem der Industriegesellschaft, in der Immer größer Mengen an Wirstchaftsgüter Produziert werden. Demgegenüber steht die immer weniger wedenen Nachfrage. Allein schon durch Schlechtbezahlte Jobs, die einem Kaum neues Erwerben läßt, nur Altes oder verbrauchtes Ersetzen läßt. Wie will man die Überproduktion abbauen, das geht nur durch Mindere Qualität. Denn nur wenn etwas kaputt geht, entsteht nachfrage. Und das wird überwiegend auf Kredit finanziert. Welches Selten zurückgeführt werden. Und der Zyklus wird immer schneller

  • Also meine Erfahrung ist das die allermeisten Elektrogeräte viel länger halten als die 3 Jahre. Egal ob Handy, Waschmaschine, Computer etc. Ausnahmen gibt es auch. Z.B. ging mir vor kurzem eine Induktionskochplatte nach 2,5 Jahren kaputt.

    Ich sehe nicht die "Wegwerfgesellschafft" als Problem sondern vielmehr das noch zu wenig recycelt wird. Wir müssten mehr und mehr zu einem Produtionskreislauf kommen. Also Altgeräte als Rohstofflieferant für neue Geräte.

    Der Gedanke das ein Produkt in einem sich technisch weiter entwickelndem Umfeld ewig halten sollte ist in sich unsinnig. Wenn jeder sein Smartphone 20 Jahre behält und es auch so lange hält, wie soll es da eine Weiterentwicklung geben? Nach 20 Jahren hat dann der Hersteller selber vergessen wie er das Gerät gebaut hat :).

    Vergleichn wir mal einen Computer von vor 20 Jahren mit einem heutigen. Welcher hat wohl das bessere Aufwand-Nutzen Verhältniss. (klar bei einem Mixer sieht das anders aus)

    Wir würden heute alle noch mit unserem 56k Modem Surfen, wenn es noch funktioniert.

    Das Problem liegt nicht zuerst in der "Wegwerfgesellschafft" sondern darin die Altprodukte möglichst effizient wieder zu verwerten. Geschimpft wird schnell, aber die Annehmlichkeiten die aus der Weiterentwicklung hervorgehen will man selber nicht missen.

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