Gericht erlaubt Streiks im Güterverkehr
Lokführer wollen Urteil auskosten

Die Lokführergewerkschaft GDL darf auch im Güter- und Fernverkehr der Bahn streiken. Das hat das Sächsische Landesarbeitsgericht in Chemnitz am Freitag in einer Berufungsverhandlung entschieden. Wie die Lokführer das nutzen wollen, steht noch nicht fest. Klar ist nur eines: Der deutschen Industrie drohen nun massive Schäden.

HB CHEMNITZ. Der Jubel war zunächst eher verhalten, als das Sächsische Landesarbeitsgericht in Chemnitz am Freitag der Lokführergewerkschaft GDL auf ganzer Linie Recht gab. Es schien fast so, als konnten die Gewerkschafter im Saal ihr Glück nicht fassen. Dann fielen sich GDL-Chef Manfred Schell und sein Vize Claus Weselsky in die Arme. „Wir werden das Urteil mit Freude auskosten“, sagte Schell anschließend. In der kommenden Woche wolle die Gewerkschaft über weitere Streik-Schritte entscheiden. Sie hatte bereits vor dem Urteil angekündigt, dass bis einschließlich Sonntag nicht gestreikt werden soll.

Lange Gesichter dagegen bei den Bahn-Vertretern. „Das ist ein schlechter Tag für unsere Kunden“, sagte ihr Verhandlungsführer in den Tarifgesprächen, Werner Bayreuther. Die Bahn wolle das Urteil, das der GDL voll umfänglich Recht gab, nun genau prüfen, um eventuelle weitere Schritte einzuleiten.

Der Bahn-Vorstand prüfe nun den Gang vor das Bundesverfassungsgericht, sagte Personalvorstand Margret Suckale in Berlin. Ein neues Angebot werde es eher nicht geben. Auch ein eigenständiger Tarifvertrag für die Lokführer komme nicht in Frage. Zugleich warnte sie vor den Folgen eines Streiks im Güterverkehr: „Dass die Wirtschaft so einen Streik sehr schwer verkraftet, haben inzwischen viele gemerkt.“

Bislang waren ihr im Tarifkonflikt mit der Bahn nur Streiks im Regionalverkehr erlaubt. Nach dem Urteil drohen bereits in den nächsten Tagen Arbeitsniederlegungen im Güterverkehr. Die Gewerkschaft will damit ihre Forderung nach einem eigenständigen Tarifvertrag und Einkommenserhöhungen bis zu 31 Prozent durchsetzen.

In der gut vierstündigen Verhandlung lieferten sich Bahn und GDL zum Teil heftige Wortgefechte. „Eine kleine Gewerkschaft will den Verkehr im ganzen Land lahmlegen“, sagte Bahn-Anwalt Thomas Ubber. Minutiös legte Tarifverhandlungsführer Bayreuther dar, welche Auswirkungen ein flächendeckender Streik haben würde: „6000 Güterzüge und 30 000 Personenzüge sind jeden Tag auf der Strecke.“ Die Folgen könne sich jeder selbst ausrechnen. Er warf den Lokführern vor, die Energieversorgung zu gefährden, wenn Kohle nicht mehr zu den Kraftwerken geliefert werde oder der Güterverkehr im Hamburger Hafen zum Erliegen komme.

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