Gericht gewährt Schutz vor Gläubigern
Gnadenfrist für Eurotunnel

Der hochverschuldete Betreiber des Tunnels unter dem Ärmelkanal hat ein halbes Jahr Zeit gewonnen, um mit seinen Aktionären über eine Umstrukturierung der gewaltigen Schuldenlast zu verhandeln. Das Handelsgericht in Paris hat der britisch-französischen Firma Eurotunnel Gläubigerschutz gewährt.

HB PARIS. Das französische Gericht entschied am Mittwoch erwartungsgemäß, das entsprechende Verfahren auf den Weg zu bringen. Damit kann der Verkehr im Kanaltunnel weiter fließen. Eurotunnel will sein Konsolidierungsprogramm fortsetzen, ohne die Forderungen der Gläubiger fürchten zu müssen. Eine Insolvenz des mit mehr als neun Mrd. Euro verschuldeten Unternehmens ist damit zunächst vom Tisch.

Eurotunnel konnte sich bislang mit seinen Kreditgebern nicht über eine Neuordnung seiner Schulden von rund neun Mrd. Euro einigen, die es beim Bau und dem Betrieb des Tunnels angehäuft hat. Das Unternehmen kann nun einen Sanierungsplan nach Auflagen des Gerichtes ausarbeiten.

Das Gericht setzte eine sechsmonatige „Beobachtungszeit“ fest, wobei Forderungen an Eurotunnel innerhalb von zwei Monaten bekannt gegeben werden müssen. „Zufrieden und hoffnungsvoll“ kündigte Eurotunnel-Chef Jacques Gounon daraufhin an, das Unternehmen werde, unterstützt von zwei von der Justiz gestellten Administratoren, die Verhandlungen über die Schulden sofort wieder aufnehmen. „Sie dürften ziemlich rasch in einen zufrieden stellenden Vorschlag einmünden“, erläuterte Gounon.

Buchstäblich bis zur letzten Minute vor der Gerichtsentscheidung hatten Unternehmensführung und ein Teil der Gläubiger noch nach einem Kompromiss gesucht. Gounon hatte nochmals klargemacht, dass eine Sanierung der Gesellschaft unabdingbar sei. Der Gläubigerschutz sei die „letzte Etappe“ auf dem Weg zu Abkommen zwischen beiden Parteien.

Im Zusammenhang mit dem Antrag auf Gläubigerschutz hatte Gounon zuvor gesagt, er verstehe nicht, warum Gläubiger wie die Deutsche Bank ihre „unvernünftigen“ Forderungen aufrechterhalten konnten angesichts der Verantwortung gegenüber den 2300 Beschäftigten und den 800 000 Aktionären.

Im Mai hatten sich Gläubiger zum Verzicht von 54 Prozent ihrer Außenstände in Höhe von mehr als neun Mrd. Euro aus der Bauzeit des Tunnels bereit erklärt. Im ersten Halbjahr 2006 hatte Eurotunnel seinen Umsatz leicht verbessert. Der Umsatzerlös stieg um zwei Prozent auf 399 Mill. Euro. Dies sei aber allein auf die höhere Fahrpreise zurückzuführen. Der Transport von Lastwagen sei um acht Prozent zurückgegangen. Zudem seien sieben Prozent weniger Personenwagen und 17 Prozent weniger Autobusse durch den Kanaltunnel transportiert worden.

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