Gericht in New Jersey sieht sich im Entschädigungsstreit der Kaufmannsfamilie Wertheim nicht zuständig
US-Richter weist Klage gegen Karstadt ab

Karstadt-Quelle hat gegen die Erben des Warenhaus-Gründers Georg Wertheim einen Etappensieg errungen. Den zwei Familienmitgliedern, die vor dem Bezirksgericht Newark/New Jersey auf Entschädigung wegen einer betrügerischen Enteignung geklagt hatten, beschied Richter William G. Bassler, in diesem Fall seien US-Gerichte nicht zuständig. Es handele sich, so sein Urteil, um einen vorwiegend deutschen Rechtsstreit.

cs DÜSSELDORF. Damit sind zunächst die deutschen Befürchtungen vom Tisch, der Wertheim-Prozess könnte das 2001 mit den USA geschlossene Zwangsarbeiter-Abkommen aushebeln. Damals hatten Bund und deutsche Wirtschaft fünf Milliarden Euro in einen Stiftungsfonds eingebracht, aus dem Nazi-Opfer entschädigt werden sollen.

Die jüdischen Wertheim-Erben hatten vorgebracht, beim Verkauf ihrer Anteile betrogen worden zu sein. Schon 1938 hatten sie unter dem Druck der Nazis ihr Vermögen weit unter Wert an ein „arisches Konsortium“ abtreten müssen. Den Familienmitgliedern, die größtenteils in die USA ausgewandert waren, entstanden dann aber nach dem Krieg Wiedergutmachungsansprüche. 1951 reiste Wertheim-Justiziar Arthur Lindgens nach New York, um den Erben diese Ansprüche abzukaufen. Sie seien nahezu wertlos, machte er ihnen weis. In Wirklichkeit stand Lindgens in Verhandlungen mit dem Frankfurter Warenhauskonzern Hertie, der die Anteile dann übernahm – darunter auch ein Grundstück am Berliner Lenné- Dreieck, das Metro-Gründer Otto Beisheim dem Konzern vor wenigen Jahren für 130 Mill. Euro abkaufte.

„Das Gericht in New Jersey hat den von Hertie in New York eingefädelten Betrug schlüssig nachgezeichnet“, sagt Wertheim-Anwalt Matthias Druba von der Berliner Kanzlei Schwarz Kelwing Wicke. Allerdings habe Richter Bassler darauf bestanden, dass Hertie nicht Karstadt-Quelle sei. Das Frankfurter Unternehmen war 1994 von Karstadt übernommen worden, 1999 hatte Karstadt mit Quelle fusioniert.

Druba will nun vor ein Berufungsgericht ziehen. Von dort ist ein Urteil dann in einem Jahr zu erwarten. Zur Not wollten die Erben auch in Deutschland klagen, kündigte er an.

Dort soll bereits im Juli über weitere Wertheim-Grundstücke entschieden werden. Vor dem Berliner Verwaltungsgericht hat Karstadt gegen die Absicht des Landesamtes zur Regelung offener Vermögensfragen geklagt, die von der DDR beschlagnahmten und in Staatsbesitz befindlichen Kaufhaus-Grundstücke an die Jewish Claim Conference (JCC) zu übertragen. Die JCC streitet für die Wertheim-Erben. Der Konzern wehrt sich dagegen, weil er nicht Wertheim, sondern sich selbst als Opfer der Enteignung sieht.

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