Gerichtsurteil beendet Briefmonopol
Niederländische Post muss sich wachsender Konkurrenz stellen

Für die niederländische Post TNT geht es in diesen Tagen ständig rauf und runter. Am vergangenen Freitag kam zunächst die gute Nachricht: Die Aktionäre haben in einer außerordentlichen Hauptversammlung den Verkauf der Logistiksparte abgenickt. Die Freude über den satten Gewinn wurde jedoch durch ein Gerichtsurteil getrübt.

BRÜSSEL. Das Unternehmen kann sich damit über stolze 1,48 Milliarden Euro freuen, die der amerikanische Finanzinvestor Appolo Management für die Logistik-Abteilung von TNT bezahlt. Das tut der Kasse gut, und nach dem Verkauf kann sich das niederländische Unternehmen nun voll und ganz auf sein Kerngeschäft – Brief-, Paket- und Expressversand – konzentrieren.

Aber in die Freude mischen sich auch ein paar Tränen. Denn gleichzeitig muss TNT im eigenen Land mit noch mehr Konkurrenz kämpfen – und zwar gerade im Versandgeschäft. Denn in der vergangenen Woche bereitete ein niederländisches Gericht dem Brief-Monopol von TNT praktisch ein Ende. Bisher hatte der ehemalige Staatsbetrieb, der schon 1989 privatisiert wurde, nämlich noch das vollständige Monopol auf Briefe bis 50 Gramm.

Grundsätzlich hat sich daran nichts geändert. Nur: Die Amsterdamer Richter entschieden, dass solche Briefe auch von TNT-Konkurrenten verschickt werden dürfen, wenn diese bei größeren Sendungen dabei liegen. Wenn zum Beispiel ein Versandhaus seinem Kunden ein Paket Kleidungsstücke schickt, dann darf die Rechnung in einem gesonderten Briefumschlag dabei liegen und muss nicht extra über TNT verschickt werden. Genau das hatte der Otto-Versand gemeinsam mit dem privaten Postunternehmen Sandd gemacht und war von TNT verklagt worden.

Die Richter entschieden, dass diese Art von Versand nicht unter das noch geschützte TNT-Monopol fällt. „Das ist ein schwerer Schlag für TNT“, sagt Fortis-Analyst Maarten Bakker. Zum Jahresbeginn hatte TNT bereits das Monopol für Briefe verloren, die schwerer als 50 Gramm sind. Nur der Verkauf von Briefmarken bleibt nach wie vor TNT vorbehalten.

Die Vereinigung der Postgroßkunden erwartet, dass zahlreiche TNT-Kunden nun zur Konkurrenz wechseln. TNT konnte das bisher nicht bestätigen. Ohne das Monopol der ehemals königlichen Post würden die Großunternehmen nach Angaben der Kunden-Vereinigung bis zu 200 Millionen Euro im Jahr sparen.

Bisher beherrscht TNT noch 92 Prozent des niederländischen Postmarkts. Die beiden Konkurrenten Sandd und Selekt Mail kommen gemeinsam auf acht Prozent – Tendenz steigend. Sie locken die Kunden vor allem mit niedrigeren Preisen. „Allerdings können sie bisher nicht mithalten, wenn es um die Schnelligkeit bei den Lieferungen geht“, sagt Analyst Bakker. Er geht nicht davon aus, dass TNT sehr unter der weiteren Ausdünnung des Monopols leiden wird.

„Das einzige Problem entsteht, falls die Liberalisierung in den Niederlanden viel schneller voran geht als in den anderen europäischen Ländern“, sagt auch Andrew Beh, Analyst bei ING in London. Ansonsten könne das Unternehmen aber die Verluste aus den Niederlanden in anderen Ländern – allen voran Deutschland und Großbritannien – wieder wettmachen. Behält TNT nach wie vor für den „effektivsten Postanbieter in Europa“.

Ruth Reichstein
Ruth Reichstein
Handelsblatt / Korrespondentin
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