Gerichtsurteil
Nachtflug-Urteil könnte Luftfahrtindustrie erschüttern

Heute urteilt das Bundesverwaltungsgericht über die Betriebszeiten am Frankfurter Flughafen. Vermutlich verhängt es ein Nachtflugverbot. Die Luftfahrtbranche rechnet mit schweren Folgen.
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FrankfurtRüdiger Rubel liebt Klarheit. Schon vor zwei Wochen bei der Verhandlung hatte der Vorsitzende Richter am Bundesverwaltungsgerichtshof keinen Zweifel daran gelassen, dass er das temporär verhängte Nachtflugverbot am größten deutschen Flughafen in Frankfurt für richtig hält. Die Betroffenen - allen voran Lufthansa und der Flughafenbetreiber Fraport - wissen also eigentlich, was sie erwartet, wenn Rubel heute sein abschließendes Urteil fällt: ein dauerhaftes Nachtflugverbot.

Und doch schauen die Luftfahrtmanager mit bangen Blicken nach Leipzig. Denn es könnte alles noch viel schlimmer kommen. Etwa, wenn Richter Rubel, der viele Jahre in Frankfurt lebte, das gesamte Planfeststellungsverfahren für die vierte Landebahn in Frankfurt kippt. Rubel moniert, dass die Landesregierung 17 Nachtflüge ohne Anhörung erlaubt hatte. Eigentlich hatte die Politik den Bürgern in einem Mediationsverfahren Nachtruhe zugesagt, dann aber bei der Genehmigung der neuen Bahn plötzlich doch Nachtflüge erlaubt, ohne Rücksprache mit Bürgern.

Muss deshalb nun für ein Projekt, das schon in Betrieb ist, eine neue Planfeststellung gemacht werden, über Monate und Jahre? "Das wäre ein echter Hammer", sagt ein Luftfahrtmanager. Es ist nicht der einzige, den er fürchtet. Auch die Stunde vor und nach dem Flugverbot (23 Uhr bis 5 Uhr), bereitet Kummer. Rubel will auch dort die Zahl der Flüge begrenzen. Ein "Katastrophenszenario" findet Lufthansa-Chef Christoph Franz, dann wäre neben der Fracht auch der Passagierverkehr betroffen.

Damit nicht genug: Das heutige Urteil könnte der Auftakt zu einer bundesweiten Welle von Nachtflugverboten sein. "Ich habe die Sorge, dass auch an den Flughäfen in Köln-Bonn oder in Leipzig schon bald in der Nacht der Stecker gezogen werden könnte", sagt Dirk Steiger, Chef der auf Luftfracht spezialisierten Beratungsgesellschaft Aviainform: "Es sind Wahlen in Nordrhein-Westfalen, und jeder weiß, wie sehr das Thema Nachtflug in Frankfurt die Wahl des Oberbürgermeisters beeinflusst hat."

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  • Sehr geehrter Herr Pilot, warum ist fliegen eigentlich so günstig, nicht doch etwa, weil der Treibstoff nicht versteuert wird? Wenn das geschähe, wäre der Kostenblock Treibstoff beim Fliegen nicht 30% sondern größer 50%. Kein Verkehrsmittel wird so subventioniert wie der Flieger! Und übrigens, vom Flughafen muß ich i.d.R. immer noch in die Stadt, und da ist die Bahn bereits.

  • Es gibt genug Flughäfen die ein totales Nachtflugverbot haben und trotzdem ein Frachtdrehkreuz sind.
    Alles nur Panikmache !

  • @ Pilot

    B) Würde ich es gut finden, wenn morgen ein Gerät XY mehr kostet, weil die Bauteile über teure Umwege und mit mehr Zeitaufwand (und mehr Umweltbelastung) angeliefert werden?
    Noch ein Nachsatz hierzu: Die Bauteile werden in Schwellenländern viel umweltbelastender hergestellt, weil das dort noch möglich ist - bei uns nicht mehr. Gerade deshalb werden sie dorthin geflogen!! Die Umweltbelastung sinkt also auch dadurch!!!

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