Geringe Auslastung
Bahn plant Einschnitte im Güterverkehr

Trotz wieder anziehender Wirtschaft und sich langsam bessernder Auftragslage will die Bahn ihre Kapazitäten im Güterverkehr reduzieren. Zudem warnte Konzernchef Grube in einem Interview, dass die Trennung des Unternehmens vom Schienennetz für den Staat teuer werden kann.

HB BERLIN/MÜNCHEN. Die Deutsche Bahn plant trotz einer allmählichen Erholung Einschnitte im kriselnden Güterverkehr. „Die gute Nachricht ist, dass der freie Fall jetzt beendet ist, sagte Konzernchef Rüdiger Grube der „Süddeutschen Zeitung“ vom Samstag. „Wir beobachten, dass es ganz langsam wieder anzieht, aber von der der üblichen Herbstspitze sind wir weit entfernt.“ Von 120 000 Güterwaggons stünden momentan noch 30 000 still. Das könne sich die Bahn dauerhaft nicht leisten.

„Da werden wir rationalisieren müssen.“ Entlassungen werde es aber keine geben, sagte Grube mit Verweis auf den Beschäftigungspakt. Strukturelle Veränderungen im Schienengüterverkehr seien aber unausweichlich. Kein Unternehmen könne fünf Jahre mit Kurzarbeit überbrücken.

Vor den entscheidenden Koalitionsverhandlungen von Union und FDP über die Zukunft der Bahn warnte Grube erneut vor einer Herauslösung des Schienenetzes aus dem Konzern. „Wenn wir den integrierten Konzern aufgeben, zerschlagen wir einen Konzern, der weltweit als Musterunternehmen in diesem Bereich gesehen wird“, sagte er. Gleichzeitig drohte er mit Konsequenzen, sollte die Koalition die Einheit von Netz und Betrieb antasten. Die Bahn stecke jährlich 500 Mio. Euro in das Netz, „da müsste man sich natürlich auch fragen, wer diese Rechnung übernehmen soll.“

Die Verkehrspolitiker von Union und FDP hatten vorgeschlagen, die bestehenden Beherrschungs- und Ergebnisabführungsverträge zwischen dem Mutterkonzern und der Netztochter aufzuheben; faktisch würde Grube damit dem Bericht zufolge der Einfluss auf das Schienennetz erschwert. Noch an diesem Wochenende könnte in der großen Koalitionsrunde darüber entscheiden werden, ob es bei dieser Regelung bleibt.

Zugleich warb Grube für eine neue Unternehmenskultur bei der Bahn. „Ich möchte, dass die Leute reden“, sagte er. „Ich will zumindest wissen, wo etwas nicht in Ordnung ist.“ Zuletzt war die Bahn in die Schlagzeilen geraten, weil Züge der Berliner S-Bahn offenbar über Jahre hinweg schlecht gewartet worden waren. Bei der Sicherheit der Züge gebe es „keinerlei Kompromisse“, sagte Grube zu.

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