Germanwings-Absturz
„Das Restrisiko kann man nicht eliminieren“

Seit vier Monaten beraten Experten über Konsequenzen aus dem Absturz von Germanwings-Flug 4U9525. Doch die Taskforce hat bisher wenig Greifbares geliefert. Lufthansa-Chef Spohr zieht jetzt eine ernüchternde Bilanz.
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FrankfurtVier Monate nach Gründung der mit Experten besetzten Taskforce, die Konsequenzen aus dem Absturz des Germanwings-Flugs 4U9525 ziehen soll, kommt Lufthansa-Chef Carsten Spohr zu ernüchternden Schlussfolgerungen. „Hier handelte es sich um ein Restrisiko, das man nicht eliminieren kann“, sagte er am Dienstagabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten.

Konkrete Handlungsanweisungen, wie künftig depressive Piloten vom Steuerknüppel ferngehalten werden können, gibt es bis heute nicht. „Wer seine Krankheit mit so hoher Energie verheimlichen will“, sagte Spohr, „hat kaum Chancen, erkannt zu werden.“

Am 24. März war ein Airbus A320 der Lufthansa-Tochter Germanwings, der sich auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf befand, in den französischen Alpen zerschellt. Die Untersuchungsbehörden in Marseille fanden schon nach wenigen Tagen heraus, dass der 27 Jahre alte Co-Pilot gezielt den tödlichen Sinkflug eingeleitet hatte, nachdem er den Piloten aus dem Cockpit ausgesperrt hatte. Alle 150 Insassen an Bord kamen ums Leben, darunter 72 Deutsche und 50 Spanier. Der Co-Pilot litt den Ermittlungen zufolge unter psychischen Problemen.

Zwei Wochen nach dem Absturz einigte sich Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) mit der Luftfahrtwirtschaft auf eine Taskforce, die helfen sollte, ähnliche Vorfälle künftig als Absturzursache auszuschließen. Im Mittelpunkt stand dabei zum einen die Frage, die gepanzerte Cockpit-Tür mit einem veränderten Sicherheitsmechanismus zu versehen. Zum anderen sollte die Flugtauglichkeit von Piloten genauer überprüft werden.

Doch die Expertenrunde unter dem Dach des Bundesverbands der Luftverkehrswirtschaft (BDL), an der Vertreter mehrerer Airlines, der Flugindustrie, Gewerkschaften und psychiatrische wie psychologische Sachverständige teilnahmen, fand bislang wenig Greifbares. „Für diese Art von Krankheiten gibt es kein Check-System“, gab Spohr nun eines der vorläufigen Ergebnisse wieder. Ein Krankheitsbild, wie es den 27-jährigen Co-Piloten prägte, ließe sich weder mit Tests noch mit gezielten Arztgesprächen entdecken. „Nur durch immerwährende Begegnungen findet man so etwas heraus“, sagte der Lufthansa-Chef. Da in Deutschland aber die freie Arztwahl garantiert sei, erlaube dies den Patienten, sich einer solchen Beobachtung zu entziehen.

Verstärkte Drogen- oder Alkoholtest könnten seiner Ansicht nach die Sicherheit zusätzlich verstärken. „Proben aber dürfen wir nicht selbst nehmen“, erklärte Spohr, „sondern nur die Polizei.“ Auf die Ermittlungen der französischen Staatsanwaltschaft zur Mitschuld der Fluggesellschaft angesprochen, erwiderte der Lufthansa-Vorstandschef deshalb: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie etwas findet, das zur Anklage führt.“

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Rufe nach Entschädigung werden immer schriller

Kommentare zu " Germanwings-Absturz: „Das Restrisiko kann man nicht eliminieren“"

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  • Das Restrisiko ist in der Tat nicht elimenierbar. Aber es ist die Frage, was maximiert wird? Die Sicherheit oder das Restrisiko.

    Wenn hier Journalisten die Worte nicht in den Mund geschoben haben, dann hat hier jemand ein größeres Problem.

  • Der Umgang von Winkelmann und hauptsächlich Spohr mit den Absturzereignissen sind ein Bilderbuch Beispiel für ein desaströses Krisenmanagement. Und zwar vom ersten Auftritt bis heutzutage. Was Spohr machen kann? Restrisiko ist nicht auszuschliessen, aber eine ausserordentlich kulante Entschädigung ist längst überfällig (7stellig!)

  • >> Konkrete Handlungsanweisungen, wie künftig depressive Piloten vom Steuerknüppel ferngehalten werden können, gibt es bis heute nicht. >>

    Wie einfach es doch ist, an der fabrizierten Lüge mit dem suizidgefährdeten Co-Piloten, für die es KEINERLEI Beweise gibt ( genau so hätte es auch der Pilot sein können ) , herumzureiten und sich dabei noch zu profilieren.

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