Germanwings-Absturz: „Sicherheit muss Vorfahrt haben“

Germanwings-Absturz
„Sicherheit muss Vorfahrt haben“

Die EU bemängelt die gesundheitliche Überwachung deutschen Flugpersonals. Die Linke fordert nun Konsequenzen von Verkehrsminister Dobrindt. Auch die Lufthansa gerät unter Druck – wegen Aussagen des Luftfahrtbundesamts.
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Berlin/Seyne-les-AlpesNachdem bekannt wurde, dass die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) schon vor dem Germanwings-Absturz Deutschland auf Mängel bei flugmedizinischen Tauglichkeitsprüfungen hingewiesen hat, fordert der Vorsitzende der Linkspartei, Bernd Riexinger, Konsequenzen von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). „Es stellen sich jetzt viele gravierende Fragen. Die Antworten muss Herr Dobrindt liefern, und zwar sehr schnell. Der Verdacht, dass die Flugsicherheit der Sparpolitik geopfert wurde, wiegt schwer“, sagte Riexinger dem Handelsblatt (Online-Ausgabe).

Riexinger betonte, dass nun alles dafür getan werden müsse, dass sich ein Unglück wie das der in den französischen Alpen abgestürzten Germanwings-Maschine mit 150 Toten nicht wiederhole. „Ich erwarte vom Verkehrsminister jetzt einen klaren Maßnahmenplan“, sagte der Linksparteichef. „Sicherheit muss Vorfahrt haben.“

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) hatte laut eines Berichts der „Deutschen Welle“ schon vor dem Flugzeugabsturz Besorgnis geäußert, dass die Gesundheitsüberwachung des Flugpersonals in Deutschland Fehler aufweise. Einem Sprecher zufolge wurden mehrere Fälle angemahnt. Die Europäische Kommission habe demnach Rechenschaft von der Bundesrepublik für diese Fälle gefordert. Die Antworten darauf würden noch geprüft, heißt es weiter. Das sei allerdings ein Prozess, der in vielen EU-Ländern stattfände.

Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in Südfrankreich gerät einem Zeitungsbericht zufolge der medizinische Dienst der Lufthansa unter Druck. Dieser habe das Luftfahrtbundesamt (LBA) nicht über die medizinischen Hintergründe des Co-Piloten Andreas L. informiert, berichtete die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf eine Stellungnahme der Braunschweiger Behörde. Das Amt habe bis zum Zeitpunkt der Akteneinsicht am 27. März 2015 im Aeromedical Center der Lufthansa in Frankfurt „keinerlei Informationen über die medizinischen Hintergründe“ gehabt, schreibt die „Welt“ weiter. Das Statement liegt auch der Deutschen Presse-Agentur vor. Man sei vom Flugmedizinischen Zentrum der Lufthansa nicht „über die abgeklungene schwere Depressionsphase“ informiert worden. Ein Sprecher der Germanwings-Mutter Lufthansa betonte, das Unternehmen komme seinen Informationspflichten gegenüber dem LBA nach.

Flugmediziner müssen in Fällen schwerer Krankheiten wie Depressionen das LBA einschalten, wie die Zeitung berichtet - allerdings gelte dies erst seit April 2013. Nach den bisherigen Ermittlungen litt L. unter Depressionen und hat den Jet absichtlich abstürzen lassen. Das „Wall Street Journal“ berichtete unter Berufung auf zwei mit der Situation vertraute Personen, EU-Vertreter hätten vor dem Crash auf einen Personalmangel beim LBA hingewiesen.

L. hatte 2009 als Flugschüler seine Lufthansa-Verkehrsfliegerschule über eine „abgeklungene schwere depressive Episode“ informiert, wie die Germanwings-Mutter am Dienstag (31. März) einräumte. Seit Inkrafttreten der neuen Verordnung unterzog sich der Copilot nach Informationen der „Welt am Sonntag“ noch zwei Tauglichkeitsprüfungen - im Sommer 2013 und im Jahr 2014.

Die Lufthansa wollte sich auch auf Anfrage der dpa nicht näher zu diesen Prüfungen und dem Zeitungsbericht äußern. „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir derzeit keine weiteren Erklärungen zu dem konkreten Fall abgeben können, weil wir den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Düsseldorf nicht vorgreifen wollen“, teilte ein Sprecher am Sonntag mit.

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