Germanwings-Unglück
Airbus-Chef Enders wütet gegen Talkshows

„Hanebüchener Unsinn“, eine „Verhöhnung der Opfer“: Airbus-Chef Enders rechnet in einem Interview mit den TV-Talkshows zum Germanwings-Crash ab – und bricht eine Lanze für Piloten. Am Absturzort geht die Bergung weiter.
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DüsseldorfDer Vorstandsvorsitzende des Luftfahrtunternehmens Airbus, Tom Enders, übt scharfe Kritik an den Fernseh-Gesprächsrunden über den Absturz des Germanwings-Flugzeugs. „Was wir kritisch hinterfragen sollten, ist das Unwesen, das manche 'Experten' vor allem in TV-Talkshows treiben“, sagte Enders der „Bild am Sonntag“. „Teilweise wurde dort ohne Fakten spekuliert, fantasiert und gelogen“, sagte Enders. „Oft hanebüchener Unsinn. Das ist eine Verhöhnung der Opfer.“

Der Germanwings-Airbus mit 150 Menschen an Bord war am Dienstag in den französischen Alpen an einer Felswand zerschellt. Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler wurde der Absturz vom Co-Piloten bewusst herbeigeführt. „Piloten verdienen auch weiter unser Vertrauen“, sagte Enders. „Ein schwarzes Schaf macht noch keine Herde.“ Piloten seien in der Regel „sehr zuverlässig“ und „erstklassig ausgebildet“.

Unterdessen soll am 17. April soll im Kölner Dom mit einem Gottesdienst und einem staatlichen Trauerakt der Opfer des Flugzeugabsturzes mit 150 Toten vom Dienstag gedacht werden. Erwartet werden dazu neben Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel auch Vertreter aus Frankreich, Spanien und anderen Ländern, aus denen die Opfer der Flugkatastrophe stammten.

Im westfälischen Haltern, wo um insgesamt 18 Opfer getrauert wird, soll es am Mittwoch (1. April) einen öffentlichen Gottesdienst geben. 16 Schüler und zwei Lehrerinnen des örtlichen Gymnasiums waren bei dem Absturz der Germanwings-Maschine ums Leben gekommen. Auch am Samstag versammelten sich Menschen in Kirchen in Deutschland und Frankreich, um der Toten zu gedenken.

Nach bisherigen Ermittlungen soll der 27-jährige Co-Pilot Andreas L. die Airbus-Maschine am Dienstag mutwillig in ein Bergmassiv nordöstlich von Marseille gesteuert haben. Über die Motive des Mannes wird weiterhin gerätselt.

Genauere Erkenntnisse über das Geschehen im Cockpit vor dem Absturz erhoffen sich die Experten vor allem vom zweiten Flugschreiber, der immer noch am Absturzort gesucht wird. Dort sichern Bergungskräfte auch die sterblichen Überreste der Opfer des Absturzes. Rechtsmediziner arbeiten an der Identifizierung derer, die schon ins Tal gebracht wurden.

Der Co-Pilot hatte nach Erkenntnissen der Ermittler vor seinem Arbeitgeber Germanwings eine Erkrankung verheimlicht. Die Fahnder entdeckten in der Wohnung des 27-Jährigen „zerrissene, aktuelle und auch den Tattag umfassende Krankschreibungen“, wie die Staatsanwaltschaft Düsseldorf am Freitag mitteilte. Über die Art der Erkrankung wurde nichts mitgeteilt, die Ermittler hatten aber nach Hinweisen auf ein psychisches Leiden gesucht. Ein Abschiedsbrief oder ein Bekennerschreiben wurden nicht gefunden.

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Kommentare zu " Germanwings-Unglück: Airbus-Chef Enders wütet gegen Talkshows"

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  • Herr Enders hat völlig Rech.
    Es betrifft aber nicht nur die Talk-Shows, sondern auch die Press.
    Es isgt haarsträubend, wie die Journalisten hinter den Menschen hr sind.
    Sie lassen die Leute z. B. in Haltern, nicht mal in Ruhe trauern
    Das it Schweinejournalismus

  • ...und das wird auch noch mit unseren GEZ-Zahlungen für das ARD und ZDF finanziert. Die uns bekannten Moderatoren und sonstige Akteure verdienen sich eine goldene Nase. Wie heißt es doch, einer für alle......

    Das GEZ-System gehört reformiert und ist schon lange überfällig.

  • Ich stimme Herrn Enders zu, es betrifft aber nicht nur die Fernseh-Gesülzveranstaltungen (von denen es sowieso zuviele gibt), sondern die Berichterstattung in allen Medien. Die Verantwortlichen sollten sich schämen.

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