Gerrit Frohn
„Viel Potenzial bei Firmen in Familienbesitz“

Gerrit Frohn ist Executive Director bei Morgan Stanley in Deutschland. Im Interview spricht er über Wachstumstreiber und die Strategien der Fondsinvestoren.

Handelsblatt: Private Equity hat seinen festen Platz im Investmentbanking gefunden. Wie hoch ist der Anteil am Markt für Fusionen und Übernahmen (M&A) derzeit schätzungsweise?

Gerrit Frohn: Der Anteil von Private Equity – gemessen am gesamten Transaktionsvolumen im M&A-Markt – ist seit 2002 relativ stabil zwischen 19 Prozent und 22 Prozent in Europa. Das sagen die Daten von Thomson Financial. In Deutschland hat es in den vergangenen Jahren kontinuierlich circa fünf Transaktionen im Jahr mit einem Wert von über einer Milliarde Euro gegeben.

Was sind die Wachstumstreiber? Wie lange profitieren die Finanzinvestoren noch von dem Umbau der Deutschland AG?

Wachstumstreiber sind insbesondere das positive konjunkturelle Umfeld, der Verkauf von Randaktivitäten durch große deutsche Konzerne sowie niedrige Zinsen und hohe Kapitalzuflüsse bei Private Equity. Bei großen Familiengesellschaften besteht noch viel Potenzial, hat es doch in diesem Segment in der Vergangenheit in Deutschland relativ wenige Transaktionen für Private Equity gegeben. Die Öffnung dieses Segments und eine Zunahme von Public-to-Private Transaktionen, bei denen börsennotierte Gesellschaften von Finanzinvestoren vom Kurszettel genommen werden, könnten zusätzliche Wachstumstreiber sein. Ich bin Optimist und sehe kontinuierliches Wachstum von Private Equity in den kommenden Jahren.

Wie viele Milliarden-Transaktionen sehen wir noch in Deutschland in diesem Jahr?

Milliardentransaktionen? Mindestens noch fünf.

Welche Branchen stehen derzeit besonders im Fokus?

Es gibt keinen speziellen Fokus auf wenige Branchen. Es kommt auf das richtige Geschäftsmodell und die richtige Gelegenheit an. Es ist allerdings umgekehrt so, dass besonders zyklische oder dem Preiswettbewerb ausgesetzte Branchen gemieden werden. Industrieunternehmen aus Staatsbesitz werden kaum angeboten werden, hier hat die Regierung ihre Privatisierungsliste erfolgreich abgearbeitet.

Treiben die Finanzinvestoren wegen des Anlagedrucks der milliardenschweren Beteiligungsfonds nicht die Preise nach oben?

Private Equity ist eine höchst professionelle und rationale Branche. Primäres Ziel ist es, für die Fondsinvestoren mindestens die vereinbarte Zielrendite zu generieren. Wettbewerb in Unternehmensverkaufprozessen führt allerdings zu aggressiveren Kaufpreisen als manchem Käufer recht ist.

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