Gerry Weber Ralf Weber räumt beim Modekonzern auf

Der Modekonzern Gerry Weber muss nach einem Gewinneinbruch hart sparen: Firmenchef Ralf Weber schließt jede zehnte Filiale, streicht auch in der Zentrale Jobs und startet eine neue Marke.
Der Sohn von Firmengründer Gerhard Weber will jede zehnte Filiale schließen. Quelle: dpa
Ralf Weber

Der Sohn von Firmengründer Gerhard Weber will jede zehnte Filiale schließen.

(Foto: dpa)

Halle/WestfalenDie ruhigen Zeiten bei Gerry Weber sind vorbei. Nach einem deutlichen Gewinneinbruch im vergangenen Jahr greift Vorstandschef Ralf Weber durch. „Gerry Weber steht vor der herausforderndsten Situation seiner Unternehmensgeschichte“, machte Weber am Freitagmorgen klar, als er seine Einschnitte in einer Pressemitteilung ankündigte.

Am härtesten trifft es das Filialnetz des Unternehmens aus Halle/Westfalen. Weber will 103 Filialen von insgesamt 1000 vom Unternehmen geführten Läden und Handelsflächen in diesem und nächstem Jahr schließen. „Die starke Ausweitung der eigenen Salesfläche hat sich als zu ambitioniert erwiesen“, sagte Norbert Steinke, der für den Einzelhandel zuständige Manager.

Unternehmensgründer Gerhard Weber hatte den Ausbau der eigenen Läden massiv vorangetrieben. Das ging lange Zeit gut. Doch inzwischen sind Jacken, Röcke und Blusen von Gerry Weber an jeder Ecke zu haben. Die Folge: Die Umsätze des eigenen Einzelhandels gingen auf vergleichbarer Fläche zurück.

Für das bis Ende Oktober laufende Geschäftsjahr rechnen die Westfalen bei einem Umsatzrückgang auf 890 bis 920 Millionen Euro mit einem drastischen Einbruch des Gewinns vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf 10 bis 20 Millionen Euro. Im abgelaufenen Geschäftsjahr war diese Kennzahl bereits um mehr als ein Viertel auf gut 79 Millionen Euro eingebrochen. Zu einem profitablen Wachstum will Weber erst „in 18 bis 24 Monaten“ zurückkehren.

Außerdem muss Ralf Weber, der das Unternehmen vor gut einem Jahr von seinem Vater übernahm, die Marke verjüngen. Denn auch die lange Zeit treuen Kundinnen über 40 Jahren kaufen inzwischen modischer bei Konkurrenten wie den großen Filialisten Mango, H&M oder Zara ein.

Weber will die Marken der Gerry-Weber-Gruppe – „Gerry Weber“, „Taifun“ und „Samoon“ – deshalb künftig als selbstständige Einheiten führen. Außerdem sollen sie schneller auf aktuelle Modetrends reagieren. Der Konzern testet zurzeit auch eine neue Marke. Einzelheiten wollte das Unternehmen bisher nicht nennen. Die neue Marke soll nach bisherigen Informationen aus Fachmedien für junge Mode im neuen Mainstream-Stil stehen.

Das schnelle Wachstum der vergangenen Jahre auf einen Umsatz von jetzt 920,8 Millionen Euro hat zu einem Wildwuchs in der Konzernzentrale geführt. Weber will nun die Organisation verkleinern und 200 Stellen in der Zentrale sowie 50 im Ausland streichen. Damit will er ab dem Geschäftsjahr 2017/18 Sach- und Personalkosten von 20 bis 25 Millionen Euro pro Jahr sparen. Außerdem bedeuten die Filialschließungen dort einen Personalabbau. Rund 460 Beschäftigte in den Läden in Deutschland und im Ausland müssen gehen.

Diese Geschäfte werden Sie bald häufiger sehen
CCC
1 von 10

Insgesamt gibt es 475 Einkaufszentren in Deutschland – und es werden immer mehr. Zu den Shooting Stars in den zwölf Shopping Centern, die im vergangenen Jahr neu in Deutschland eröffneten, gehört CCC. Das polnische Unternehmen ist mit gleich vier Läden vertreten. Das Unternehmen, das in Polen mit hunderten Läden unter verschiedenen Marken erfolgreich ist, bietet Schuhe im Discountstil wie Deichmann an, zum Beispiel in Aquis-Plaza in Aachen und im Werk-Statt Limburg.

Quelle: EHI-Shopping-Center-Report

Reserved
2 von 10

Mit insgesamt drei Läden startete „Reserved“ in den neuen deutschen Shopping Malls. Das polnische Unternehmen verkauft junge Mode für junge Frauen, unter anderem die Kollektion von Model und Mick-Jagger-Tochter Georgia May Jagger, und ist in etwa vergleichbar mit dem viel größeren Konzern H&M aus Schweden. Im Einkaufszentrum „Minto“ in Mönchengladbach, das mit einem hochwertigeren Angebot punkten will, belegt „Reserved“ gleich zwei Etagen.

Fynch-Hatton
3 von 10

Die Marke hört sich very british an, kommt aber aus Mönchengladbach. Das Label ist nach dem britischen Abenteurer Denys Finch-Hatton benannt. Bisher verkaufte das Unternehmen seine hochwertige Herrenkleidung für junge Männer ab etwa 30 Jahren vor allem in sogenannten Shop-in-shops bei seinen Handelspartnern. Jetzt wagt sich „Fynch-Hatton“ mit zwei eigenen Läden in große Einkaufsmeilen wie in das „Minto“ in Mönchengladbach.

Quelle: Minto.de

Chisu
4 von 10

Der Textilhändler aus Ransbach-Baumbach in Rheinland-Pfalz importiert Designermode aus Italien und Frankreich. Er will sich mit wöchentlich wechselnden Kollektionen von der Masse im Modemarkt abheben. Das erst 2006 gegründete deutsche Unternehmen setzt auf ein Franchise-Konzept und hat ehrgeizige Ziele: Es will bis 2021 mit etwa 450 Chisu-Boutiquen mehr als 110 Millionen Euro umsetzen, zum Beispiel im Forum Hanau.

Sergent Major
5 von 10

Die französische Kindermodemarke „Sergent Major“ ist im vergangenen Jahr in zwei neuen Einkaufsmeilen gestartet – unter anderem im Einkaufszentrum Neuer Markt in Neumarkt/Oberpfalz. Sie wirbt mit detailreicher und fantasievoller Mode für ganz junge Kunden. Das Unternehmen setzte 2014 nach Angaben des Fachmagazins Textilwirtschaft 2014 mit 550 Verkaufspunkten rund 215 Millionen Euro um.

Superdry
6 von 10

Die britische Marke mit dem japanischen Touch hat große Expansionsziele. CEO Euan Sutherland will vor allem in Deutschland stark wachsen – der zweitwichtigste Markt nach dem Heimatmarkt Großbritannien. Superdry ist eine junge Marke, erst zwölf Jahre alt, und setzt auf ein schnörkelloses Design für Freizeitmode, das stark an den japanischen Purismus erinnert. Sie ist gleich in drei der neuen Shoppingcenter vertreten, zum Beispiel im „Minto“ in Mönchengladbach. Und folgende bekannten Label wachsen weiter...

Orsay
7 von 10

Das Unternehmen, vor 40 Jahren in Baden-Württemberg gegründet, gehört zur französischen Mulliez-Gruppe. Es verkauft Mode für junge Frauen in 26 Ländern Europas und expandiert weiter. Es hat in sechs der neuen Shopping-Center neue Läden eröffnet, wie in der Holsten-Galerie in Neumünster.

Das ostwestfälische Unternehmen leidet wie die gesamte deutsche Modebranche. Zwei milde Winter in Folge haben den Verkauf von Winterware extrem erschwert. So war die Rabattschlacht in diesem Winter besonders extrem und lange.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Gerry Weber - Ralf Weber räumt beim Modekonzern auf

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%