Gerüchte um Lufthansa-Einstieg
SAS bestätigt Gespräche mit Partnern

Die in Turbulenzen geratene skandinavische Fluggesellschaft SAS hat Gespräche mit mehreren Partnern über Kooperationen bestätigt. Man untersuche "strukturelle Möglichkeiten" für den Konzern, gab die SAS am Wochenende bekannt. Gleichwohl betonte ein SAS-Sprecher, dass bislang keine Entscheidungen getroffen worden seien. Auch wurden keine Namen genannt.

STOCKHOLM. Die Airline reagierte mit ihrer kurzen Stellungnahme auf Gerüchte, nach denen die Lufthansa kurz vor einer Übernahme der SAS stehe. Die SAS-Aktie war daraufhin um rund elf Prozent gestiegen und kurzzeitig vom Handel ausgesetzt worden. Lufthansa und SAS arbeiten seit langem in der Star Alliance zusammen.

Die Lufthansa wollte die Übernahmespekulationen nicht kommentieren. Dagegen sicherte Norwegens Handelsministerin Sylvia Brustad gegenüber Medien zu, ein mögliches Angebot der Deutschen sorgfältig prüfen zu wollen. SAS befindet sich zur Hälfte in dänischem, norwegischem und schwedischem Staatsbesitz. Während Schweden zum Verkauf seiner 21,4 Prozent bereit ist, hatte es aus Norwegen (14,3 Prozent) bislang ein klares Nein gegeben. Auch Dänemark, das ebenfalls 14,3 Prozent an der Airline halt, ist skeptisch.

Analysten in Nordeuropa würden eine SAS-übernahme durch die Lufthansa grundsätzlich begrüßen. So glauben die Experten der dänischen Jyske Bank, dass eine Eheschließung mit Lufthansa für die durch zahlreiche Streiks und das schwere Flugzeugunglück in Madrid vor drei Wochen in schwere Turbulenzen geratene SAS sehr vorteilhaft wäre. Sie sehen die Chancen einer Übernahme angesichts der Eignersituation allerdings nach wie vor eher skeptisch.

Die SAS kämpft seit Jahren mit Gegenwind. Seit 2001 hat die Airline Verluste von rund 630 Mill. Euro eingeflogen. Die komplizierte Eignerstruktur hat dazu geführt, dass die Gesellschaft ihre Tarifverhandlungen mit 39 Gewerkschaften führen muss. In den vergangenen Jahren verursachten zahlreiche Streiks des Boden- und Kabinenpersonals Millionenverluste.

Hinzu kamen Havarien mit drei Turboprop-Maschinen. Die SAS beschloss daraufhin, sämtliche 27 Maschinen dieses Typs auszumustern. Der Hersteller, die kanadische Bombardier, räumte zwar einen Konstruktionsfehler ein und gewährte bei der Bestellung neuer Maschinen einen Rabatt von umgerechnet rund 100 Mill. Euro.Doch der SAS fehlen damit bis heute fast zehn Prozent ihrer Flotte.

Zudem ist die Strategie von SAS-Chef Mats Jansson, in Nordeuropa durch Zukäufe zum dominanten Player zu werden, durchkreuzt worden: In der vergangenen Woche gab die lettische Regierung bekannt, dass sie ihren Anteil von knapp über 50 Prozent an der Air Baltic nicht an den zweiten Aktionär, die SAS, verkaufen werde. Daraufhin will sich die SAS nun von ihrem 49prozentigen Air Baltic-Anteil trennen.

Ohne Erfolg blieb im Frühjahr auch der Versuch der SAS, die 100prozentige Tochter Spanair zu verkaufen. In Zeiten hoher Treibstoffpreise und harter Konkurrenz wollte niemand die zweitgrößte spanische Airline übernehmen. Der tragische Spanair-Absturz in Madrid, bei dem 153 Menschen ums Leben kamen, hat die Verkaufschancen nicht unbedingt erhöht.

Mehr Erfolgsaussichten dürfte dagegen die 20-prozentige Beteiligung dem SAS an der britischen Konkurrenten BMI haben. Diese Fluggesellschaft verfügt über zahlreiche Start- und Lande-Slots auf dem wichtigen Londoner Flughafen Heathrow. hst

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%