Gerüchteküche brodelt
Herz bestreitet Interesse an Tui

Seit Wochen brodelt die Gerüchteküche über eine mögliche Übernahme des Reisekonzerns Tui durch die Tchibo-Erben. Der frühere Chef des Kaffeerösters, Günter Herz, sowie dessen Partner Otto Gellert wiesen die seit mehr als einer Woche kursierenden Gerüchte am Freitag als völlig aus der Luft gegriffen zurück.

HB HANNOVER. „Mir gehen diese Gerüchte langsam auf den Geist. Das ist alles Quatsch. Wir haben damit nichts zu tun“, sagte Herz am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Auf die Frage, ob er damit die Spekulationen über ein angebliches Interesse an der Übernahme von Tui zurückweise, sagte Herz: „Ja. Das ist als Dementi doch wohl eindeutig.“ Mit seinem Namen werde derzeit offenbar versucht, den Aktienkurs von Tui zu bewegen, sagte Herz.

Auch der Wirtschaftsprüfer Gellert, der mit Herz und dessen Schwester Daniela kürzlich das gemeinsame Aktienpaket an Tchibo für angeblich rund vier Milliarden Euro verkauft hatten, dementierte ein Interesse am größten Touristikkonzern in Europa. „An dieser Geschichte ist absolut nichts dran. Ich dementiere knallhart unser vermeintliches Interesse an Tui“, sagte Gellert der Internet-Redaktion des „Manager-Magazin“.

Informierte Finanzkreise hatten dem Handelsblatt bestätigt, dass eine Hamburger Investorengruppe um die Geschwister Günter und Daniela Herz sowie dem Hamburger Wirtschaftsprüfer Otto Gellert ernsthaft an einer Tui-Übernahme interessiert sei. Allerdings sehen dies sowohl bei Tui als auch bei der Mehrheit der Branchenexperten weiterhin skeptisch. Jedoch hatte Herz bislang offiziell geschwiegen.

Aus dem Umfeld der ehemaligen Tchibo-Aktionäre hieß es am Freitag nochmals, der Reisekonzern Tui werde auf Grund seiner insgesamt schwierigen Lage und der unsicheren Situation in der Touristik nicht als interessantes Investment angesehen. Die Ex-Tchibo-Aktionäre hätten sich bisher nicht entschieden, wo sie ihren Milliarden-Erlös langfristig anlegen würden.

Die Tui-Aktie war bereits in den vergangenen Wochen durch die Spekulationen über neue Investoren beflügelt worden. Sie legte auch am Freitag zunächst erneut mehr als acht Prozent auf 16,50 Euro zu, gab die Kursgewinne aber nach dem Dementi größtenteils wieder ab und notierte bei 15,90 Euro.

Mehrere Analysten erklärten, die Spekulationen um die Herz-Gruppe seien vermutlich gezielt gestreut worden, um den Tui-Kurs nach oben zu treiben. Die Aktie hatte im Verlauf der bislang schwersten Krise der Touristik, die seit zwei Jahren andauert, mehr als 80 Prozent an Wert verloren.

Hintergrund der Spekulationen ist die Ankündigung der WestLB, sich mittelfristig von ihren 31 % an Tui trennen zu wollen. Die Bank ist mit Abstand größter Aktionär des größten europäischen Reisekonzerns.

Die Gruppe um Herz war als möglicher neuer Tui-Investor ins Spiel gekommen, weil sie kürzlich zur Beilegung einer langjährigen Familienfehde ihre 39 % an dem Kaffeekonzern verkauft und dafür nach Branchenschätzungen rund vier Mrd. € erlöst hatte. Dies würde derzeit rein rechnerisch genügen, um Tui komplett zu übernehmen.

In der Tui-Konzernzentrale in Hannover wurde das Dementi nach der Verunsicherung in den vergangenen Tagen mit gewisser Genugtuung aufgenommen. Es bleibe dabei, dass die WestLB keine Eile mit dem Verkauf ihres 31-Prozent-Anteils an Tui habe. „In die Suche nach einem Investor ist der Tui-Vorstand einbezogen“, sagte TUI-Sprecher Kay Baden. Tui geht zudem davon aus, dass Vorstandschef Michael Frenzel mit einem neuen Hauptinvestor nicht um seinen Posten fürchten muss. „Die Frage stellt sich nicht“, sagte Baden.

Die WestLB hielt sich am Freitag zurück und bestätigte lediglich ihre Verkaufspläne. Ein Zeitpunkt stehe nicht fest. „Es ist auch eine Frage des Preises“, sagte der WestLB-Sprecher. Die Tui steht mit rund 20 Euro je Aktie - und damit noch immer deutlich höher bewertet als ihr derzeitiger Börsenkurs - in den Büchern der Bank. Unbeantwortet ließ die WestLB die Frage, ob es bereits Anfragen bei der Bank für das TUI-Paket gebe.

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