Geschäft mit Söldnern boomt
Wachstumsbranche Krieg

Mehr als 25 000 private Sicherheitsdienstleister sorgen im Auftrag der US-Regierung und industrieller Auftraggeber im Irak für Sicherheit. Sie bewachen Gebäude, begleiten Transporte und schützen Diplomaten. Den irakischen Behörden allerdings sind die Männer mit Schutzwesten und Maschinengewehren nicht ganz geheuer. Denn sie stehen außerhalb des Gesetzes.

DÜSSELDORF. Ein Zwischenfall mit acht getöteten Zivilisten im Irak hat neues Licht auf eine der wenigen Wachstumsbranchen im Irak gelenkt: das Söldnertum. Nachdem seit Beginn des Irakkrieges nach Angaben des US-Kongresses bereits vier Milliarden Dollar an private Sicherheitsdienste geflossen sind, will das US-Militär allein 2007 mindestens weitere 1,5 Milliarden Dollar für Aufträge zum Schutz von Personen und Gebäuden an Dritte vergeben. Der quasi rechtsfreie Status dieser „Private Military Companies“ hat nun zum Konflikt zwischen der irakischen Regierung und den USA geführt.

Mitarbeiter der Firma Blackwater feuerten am Sonntag in Bagdad offenbar ungezielt ihre Waffen ab, nachdem Unbekannte am Straßenrand Bomben zündeten und einen von Blackwater geschützten Diplomatenkonvoi angriffen. Acht Menschen starben durch Kugeln. Irakische Regierungsvertreter bezeichneten das Verhalten der Blackwater-Mitarbeiter als unverantwortlich und als „schweres Verbrechen“. Der Irak habe deshalb Blackwater die Lizenz zum Arbeiten im Land entzogen. Auch alle anderen Lizenzen würden nun überprüft.

Insider aber halten den Vorstoß für folgenlos. „Die privaten Militärfirmen operieren außerhalb des Gesetzes“, sagte der ehemalige UN-Waffeninspektor im Irak, Scott Ritter, dem Handelsblatt. Diesen Status habe ihnen der US-Zivilverwalter für den Irak, Paul Bremer, 2004 zugesichert. „Der Irak kann Blackwater die Lizenz entziehen, aber das ist für Blackwater irrelevant“, sagte Ritter.

Sicherheitsexperten weisen darauf hin, dass die Zuteilung von Lizenzen auch ohne diesen Sonderstatus extrem kompliziert sei. Wenn eine private Militärfirma vom einem Kunden einen Auftrag erhalte, könne es noch viele Monate dauern, bis die irakische Seite eine Lizenz erteile, sagte der Irak-Kenner Patrick Cullen von der London School of Economics. Deshalb sei es keineswegs klar, ob Blackwater jemals eine solche Lizenz erhalten habe.

Sicher ist nur, dass sowohl die Gewalt gegen als auch von kommerziellen Dienstleistern im Irak steigt. Allein in den ersten drei Monaten 2007 starben rund 150 Firmenvertreter. Insgesamt gab es seit Kriegsbeginn fast 1 000 Tote und 12 000 Verletzte. Hierin eingeschlossen sind jedoch nicht nur die Sicherheitsdienstleister, sondern auch normale Mitarbeiter aus dem Baugewerbe und ähnlichen, meist westlichen Auftragnehmern.

Gleichzeitig häufen sich Berichte über fragwürdiges Verhalten der privaten Militärfirmen. Mitarbeiter der Firma Aegis etwa haben sich dabei gefilmt, wie sie auf der Fahrt durch den Irak offenbar grundlos auf Fahrzeuge feuerten. US-Soldaten sprechen von Befehlen, im Konfliktfall nicht nur auf Waffenträger zu schießen, sondern auf jeden, der sich im Umkreis befindet. Seit Kriegsbeginn sind mindestens 100 000 irakische Zivilisten umgekommen – wie viele von ihnen durch kommerzielle Sicherheitsdienste starben, ist unklar.

Der US-Sicherheitsexperte Peter Singer bezeichnet den aktuellen Zwischenfall in Bagdad als „unvermeidbar“. Die Aushöhlung der US-Militärpräsenz mache die Amerikaner immer abhängiger von kommerziellen Dienstleistern. Deren quasi rechtsfreier Status wiederum verführe zu verantwortungslosem Verhalten. Singer weist darauf hin, dass rund die Hälfte der Verhörspezialisten in dem für die Folter von Gefangenen bekannt gewordenen Gefängnis Abu Ghraib ebenfalls von kommerziellen Militärfirmen stammte.

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