Geschäftsmodell
Deutsche Börse hält an Kurs fest

Die Deutsche Börse behält trotz des gewachsenen Drucks der Hedgefonds TCI und Atticus ihr Geschäftsmodell mit den Säulen Kassamarkt, Eurex und Clearstream bei. Das Management der Börse wird nach Angaben vom Dienstag dem Aufsichtsrat in der nächsten Sitzung vorschlagen, die Beibehaltung des integrierten Geschäftsmodells zu beschließen.

HB FRANKFURT. Aus Aufsichtsratskreisen hieß es, dass dieser Vorschlag den Gremiumsmitgliedern in einer außerordentlichen Sitzung am Freitag unterbreitet werden solle. Zuletzt waren Spekulationen über mögliche strategische Änderungen wie den Verkauf von Clearstream oder des Aktienhandels hochgekocht. Zuvor hatten die in der Vergangenheit sehr aggressiven Börsen-Großaktionäre TCI und Atticus angekündigt, gemeinsam alle Optionen für eine Steigerung des Aktionärsnutzen zu prüfen. Das könne auch den Austausch von Aufsichtsratsmitgliedern bedeuten.

"Das Management des Konzerns sieht signifikante Vorteile und Synergien in der engen Verzahnung der Geschäftsbereiche", teilte der Frankfurter Börsenbetreiber der Nachrichtenagentur Reuters in einer Reaktion mit. Die Deutsche Börse sehe "weiteres Wachstumspotential" für ihre Geschäftsbereiche. "Ein Herauslösen einzelner Unternehmensteile würde dagegen erhebliche Dis-Synergien erzeugen und wäre nicht wertsteigernd", hieß es. Strukturellen Änderungen wäre nur dann zuzustimmen, wenn diese "die strategische Position stärkten und für alle Aktionäre Wert schaffen würden."

Bislang haben sich die beiden Hedgefonds, die zusammen 19,3 Prozent am Frankfurter Börsenbetreiber halten, aber noch nicht öffentlich zu ihren Forderungen geäußert. Spekulationen über eine von TCI und Atticus gewollte Abtrennung des Frankfurter Aktiengeschäftes entsprechen nach Informationen aus Finanzkreisen jedenfalls nicht dem Stand der derzeitigen Überlegungen. Das "Handelsblatt" hatte unter Berufung auf Finanzkreise berichtet, TCI-Chef Chris Hohn habe den Verkauf des Aktienhandels an die Londoner Börse LSE ins Gespräch gebracht. Hintergrund sei die Konkurrenz durch außerbörsliche Handelsplattformen wie Turquoise und Chi-X, die die Deutsche Börse zu Gebührensenkungen zwingt und damit die Margen unter Druck setzt.

Nach Aussagen von mit der Situation vertrauten Personen ist dieses Szenario aber nicht wahrscheinlich. "Die Geschichte gibt nicht die derzeitigen Überlegungen bei TCI und Atticus wieder. Das würde nicht an erster Stelle von möglichen Forderungen stehen", sagte eine mit der Situation vertraute Person. "TCI und Atticus denken, dass die Börse eine gute Strategie hat, aber sind unzufrieden, in welchem Tempo sie durchgeführt wird."

In der Vergangenheit hatten die beiden Anteilseigner kein Blatt vor den Mund genommen: auf ihren Druck hin kam die vom damaligen Börsenchef Werner Seifert gewünschte Fusion mit der Londoner Börse nicht zustande, Seifert nahm daraufhin seinen Hut. Momentan machen TCI und Atticus allerdings die wegen der Finanzkrise stark gesunkenen Aktienkurse von Beteiligungen zu schaffen. Allein die Papiere der Deutschen Börse haben seit Jahresbeginn mehr als 50 Prozent an Wert verloren, auch andere Finanzwerte mussten kräftig Federn lassen.

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