Gescheitert – aber geschützt
Nur Protektionismus hält Alitalia in der Luft

Es ist dieser Tage merkwürdig still geworden um Alitalia. Fast unheimlich still. Die Meldung, dass die EU-Kommission ein Prüfverfahren in Sachen Alitalia eingeleitet hat, nahm die Öffentlichkeit kaum wahr.

Das verwundert nach all den Schlagzeilen, die Italiens Fluggesellschaft im Vorjahr produzierte. Dabei ist das EU-Verfahren folgenschwer: Es zeigt, dass die Strategie der Italiener fehlgeschlagen ist, in Brüssel Zweifel über möglicherweise illegale Staatshilfen zu zerstreuen. Und es lässt vermuten, dass die chronisch defizitäre Alitalia einen wichtigen Unterstützer verloren hat, seit der Italiener Romano Prodi das Zepter in der EU-Kommission an den Spanier José Manuel Barroso abgeben musste.

Die europäische Airline-Konkurrenz – auch Spaniens Iberia – läuft Sturm gegen den neuen Rettungsversuch, weil Alitalia in der Vergangenheit schon mehrfach und milliardenschwer subventioniert wurde. Nach dem Grundsatz des europäischen Beihilfe-Rechts („One Time, Last Time“) darf das Unternehmen keine weiteren Staatsmittel mehr erhalten. In der Vergangenheit hat Italien jedoch stets Wege gefunden, den Flugbetrieb seines National-Carriers aufrecht zu erhalten: Etwa über eine „Umstrukturierungshilfe“ in der Krise 1996/1997. Oder über eine „Kapitalerhöhung“ im Jahr 2002.

Diesmal läuft die Rettungsaktion unter den Schlagworten „Teilprivatisierung“ und „Aufspaltung“: Um private Investoren zu locken, sieht der Sanierungsplan eine Aufteilung der Gesellschaft vor. Die Firma AZ Fly soll das Fluggeschäft der Alitalia managen, AZ Service die Bodendienste. Der Einstieg der Staatsholding Fintecna, die 49 Prozent an der hochdefizitären AZ Service übernehmen soll, lässt die Kläger jedoch aufhorchen: Sie fürchten, dass die Alitalia-Verluste zurück zum Staat wandern und neue Subventionen den Wettbewerb weiter verzerren. Lufthansa, British Airways & Co. werden bald aufgerufen, der EU ihre Sichtweise darzustellen.

Alitalia verliert massiv Marktanteile

Damit wächst der Druck auf Alitalia, obwohl nur wenige Marktteilnehmer darauf wetten wollen, dass die Fluglinie noch vor den nächsten Parlamentswahlen 2006 vom Himmel fällt. Spektakuläre Pleiten sind in der Luftfahrt die Ausnahme, ein langer Sinkflug mit diversen politischen Kunstgriffen die Regel: So gesehen liegt Alitalia im Trend – ohne jedoch auf die Wende hoffen zu können. Denn so eng die Verbindung der Alitalia zum Großaktionär Staat ist, so hoffnungslos ist ihre Lage am Markt: Schon in den rosigen Zeiten der Luftfahrt hat sie kein Geld verdient. Jetzt, da Billigflieger die Kontinentalflüge und große Netz-Carrier die Langstrecken angreifen, rennen auch noch die Kunden davon. Eine staatlich kontrollierte Airline, die nie nach betriebswirtschaftlichen Kriterien geführt wurde, braucht in diesem Endstadium kein Sparprogramm mehr, sondern eine neue Plattform, ein komplett anderes Konzept.

Italiens Regierung muss bis Juli 2005 – als Auflage aus einem früheren EU-Verfahren – einen privaten Investor finden, der diesen Neuanfang begleitet. Dass Alitalia nun in ein zweites Prüfverfahren verstrickt ist, dürfte die letzten Interessenten alarmieren. Trotz aller Tricks: Es wird schwer für Alitalia, bis 2006 durchzuhalten.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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