Gespräche laufen noch
Deutsche Bahn will bei Verspätung Entschädigung zahlen

„Wegen einer technischen Störung wird sich die Weiterfahrt um unbestimmte Zeit verzögern.“ Dieser Satz kann die Bahn künftig eine Menge Geld kosten. Das Unternehmen wird Fahrgästen nach Informationen der „Stuttgarter Zeitung“ Entschädigungen zahlen, wenn die Züge mehr als 30 Minuten Verspätung haben. Ein Fünftel des Fahrpreises wäre nach Informationen der Zeitung bei 30 Minuten Verspätung fällig. Bei viel späterer Ankunft sollen es sogar bis zu 50 Prozent sein.

HB DÜSSELDORF. Bereits seit längerer Zeit laufen zwischen Bahn und Bundesregierung Gespräche über eine Neuregelung. Die Bahn wollte sich zu dem Bericht jedoch nicht näher äußern.

Bislang entschädigt der bundeseigene Verkehrskonzern protestierende Kunden nur auf freiwilliger Basis: Bei Verspätungen von 30 Minuten und mehr gibt es im Fernverkehr einen Gutschein von 10 Euro, bei 90 Minuten und mehr einen Gutschein über 25 Euro. Klarere Regeln gelten für Härtefälle - beispielsweise, wenn die Reise wegen eines verpassten Anschlusszugs in der Nacht nicht mehr fortgesetzt werden kann. Die Bahn übernimmt dann die Kosten der Übernachtung.

Verbraucherschützer und Fahrgastverbände kritisieren dies seit langem als unzureichend. In der vergangenen Woche gab es nun ein Gespräch zwischen dem zuständigen Bahn-Vorstand Karl-Friedrich Rausch und dem Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Darin schlug Rausch nach vzbv-Angaben vor, dass die Entschädigungsregelung vom 1. Oktober 2004 an in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) festgeschrieben wird. Auf diese Weise wäre sie dann notfalls auch einklagbar.

In anderen europäischen Ländern wie Frankreich oder den Niederlanden gibt es solche Regelungen bereits. Die Bahn betonte jedoch, dass es noch keine Einigung gebe. „Es gibt noch keine Entscheidung“, sagte Bahnsprecher Achim Stauß. Zum Stand der Gespräche und den Details einer möglichen Neuregelung wollte er nichts sagen. Auch das Verbraucherministerium hielt sich mit einer Stellungnahme zurück. In Kürze ist auch ein Gespräch zwischen der Bahn und Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) geplant.

Grundlage für alle Streitfälle ist bislang die Eisenbahnverkehrsverordnung aus dem Jahr 1938. Darin heißt es: „Verspätung oder Ausfall eines Zugs begründen keinen Anspruch auf Entschädigung. Die Eisenbahn hat jedoch bei Ausfall oder verhinderter Weiterfahrt eines Zuges, soweit möglich, für Weiterbeförderung zu sorgen.“

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