Gespräche mit Verdi geplant
Deutsche Post will nur noch Mindestlohn zahlen

Trotz schleppender Liberalisierung und geringem Wettbewerb baut die Deutsche Post DHL ihre Briefsparte stark um und senkt die Kosten. Zu spüren bekommen dies vor allem die Mitarbeiter: Drastisch reduziert werden sollen vor allem die Personalkosten für die knapp 200 000 Beschäftigten der Briefsparte in Deutschland, davon 80 000 Briefzusteller.

DÜSSELDORF. Künftig will die Deutsche Post neuen Mitarbeitern in der Briefsparte nur noch den Mindestlohn bezahlen. Die Einstiegslöhne sollen sich am Mindestlohn von neun Euro (Ost) bzw. 9,80 Euro (West) für Zusteller und acht (Ost) bzw. 8,40 Euro (West) die Stunde für sonstige Beschäftigte orientieren, wie ein Sprecher des Unternehmens bestätigte. Bislang zahlt die Post Einstiegslöhne von bis zu knapp 11 Euro einheitlich für Ost- und Westdeutschland. Gleichzeitig will Post-Chef Frank Appel die wöchentliche Arbeitszeit ohne Lohnausgleich von derzeit 38,5 Stunden auf 40 Stunden erhöhen und die tariflich vereinbarte Lohnerhöhung zum 1. Dezember verschieben.

Gespräche mit der Gewerkschaft Verdi sollen in den nächsten zwei Wochen aufgenommen werden, wie das Handelsblatt aus Branchenkreisen erfuhr. Es hat erste Telefonate gegeben. Verdi droht bereits mit Streik. „Wir werden uns dies als letzte Option offen halten“, sagte eine Sprecherin.

Mittelfristig will Appel auch die Zahl der Mitarbeiter reduzieren. Dazu will er die natürliche Fluktuation nutzen, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Jährlich verlassen zwischen 4 000 und 5 000 Mitarbeiter den Konzern aus eigenen Stücken, zum Beispiel weil sie in Rente gehen. Noch schließt ein Beschäftigungspakt betriebsbedingte Kündigungen aus, der läuft aber Mitte 2011 aus.

Appel muss auf die Bremse treten, da das Ergebnis im Briefgeschäft, dem profitabelsten des Konzerns, stark unter Druck geraten ist. Mehr als neue Wettbewerber setzen dem Konzern die Konkurrenz durch E-Mail & Co. zu. Der klassische Briefmarkt in Deutschland schrumpfe jährlich um etwa zwei Prozent, sagt Post-Briefvorstand Jürgen Gerdes. Dafür sei vor allem die digitale Kommunikation verantwortlich. Dieser Trend sei auf Dauer auch nicht aufzuhalten. Aktuell mache dem Konzern zudem die Wirtschaftskrise zu schaffen. Als Beispiel nannte Gerdes die Werbepost: Letztes Jahr hätten die Unternehmen in Deutschland rund 30 Mrd. Euro für Werbebriefe ausgegeben, fünf Prozent weniger als im Jahr 2007. Die Tendenz weise weiter nach unten. Im ersten Halbjahr 2009 sei die Zahl der Werbesendungen um über acht Prozent gesunken. Die Kosten für Personal, Maschinen und Fahrzeuge dagegen stiegen stetig an. Unter dem Strich sinke daher der Gewinn.

Im ersten Halbjahr gab der Umsatz der Post im Briefbereich um 5,6 Prozent auf 6,7 Mrd. Euro nach. Das operative Ergebnis (Ebit) brach um über 32 Prozent auf 557 Mio. Euro ein. Die Umsatzrendite der Briefsparte ist im ersten Halbjahr von 11,6 auf 8,3 Prozent zurückgegangen. Doch ist die Briefsparte damit nach wie vor der profitabelste Geschäftsbereich.

Das Sparprogramm, das Post-Chef Appel dem Konzern im Briefbereich verordnet hat, ist weitreichend. Eingestellt hat der Konzern bereits das Nachtluftpostnetz. IT-Projekte wurden auf Eis gelegt. Bereits im ersten Halbjahr hat die Briefsparte die Kosten um 180 Mio. Euro reduziert. Im Gesamtjahr sollen insgesamt rund 300 Mio. Euro eingespart werden. In 15 der 82 Briefverteilzentren hat die Post neuerdings montags je eine Schicht gestrichen. Auch werden montags weniger Zusteller rausgeschickt. Branchenkennern gilt dies als Einstieg in die Fünf-Tage-Zustellung, wie sie die EU vorschreibt. Bislang muss die Post als Universaldienstleister in Deutschland noch an sechs Werktagen Briefe ausliefern.

Kostenkontrolle ist aber nur die eine Seite. Gleichzeitig arbeitet der Konzern an „wegweisenden neuen Produkten der Zukunft“, wie Gerdes sagt, wie dem „Brief im Internet“ oder dem „Online-Brief“. Damit will die Post klassische und digitale Kommunikation verbinden sowie eine sichere Zustellung garantieren.

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