Gespräche mit Verdi müssen bis Donnerstag beendet sein
Karstadt signalisiert neue Kompromisslinie

Der Karstadt-Quelle-Konzern hat erstmals signalisiert, bei seiner Sanierung im Falle eines weitgehenden Entgegenkommens der Arbeitnehmer auch auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten zu können. Die BayernLB hält den Einstieg von ausländischen Investoren für denkbar.

HB STUTTGART. Konzernsprecher Jörg Howe sagte am Dienstag im Gespräch mit Reuters in Essen, im Falle eines Entgegenkommens der Gewerkschaft könne möglicherweise auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet werden. Dann müsse es aber zu erheblichen Einschnitten bei den Leistungen an die Arbeitnehmer kommen. „Es ist nun an der anderen Seite zu sagen, welchen Weg wir gehen.“ Howe betonte, der Konzern müsse bis 2007 500 Millionen Euro einsparen. Er unterstrich erneut, die Gespräche mit den Arbeitnehmern müssten bis Donnerstag zu einem Ergebnis führen.

BayernLB-Vorstandschef Werner Schmidt hält einen Einstieg ausländischer Kapitalinvestoren bei Karstadt-Quelle nach der Sanierung des angeschlagenen Einzelhandelskonzerns für möglich. „Das gibt die einzigartige Gelegenheit für weltweit tätige Unternehmen, in Deutschland einzusteigen“, sagte der Chef der Bayerischen Landesbank am Montagabend im Stuttgarter Wirtschaftspresseclub.

Vor einem solchen Schritt müssten aber die derzeitigen Kapitaleigner - allen voran die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz - das nötige Kapital nachschießen.

Für die bei Karstadt-Quelle engagierten Gläubigerbanken sei die Teilnahme an einer Kapitalerhöhung dagegen kein Thema, betonte Schmidt. Zu möglichen Investoren und zur Höhe des Kreditengagements der BayernLB beim Einzelhandelskonzern wollte sich Schmidt nicht äußern. Das Risiko sei keine Frage der Höhe des Kredits, sondern der Besicherung, sagte er nur. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuter ist die BayernLB mit 275 Millionen Euro größter Karstadt-Gläubiger.

Als Beitrag der Mitarbeiter von Karstadt-Quelle könnte nach Ansicht Schmidts der Verzicht auf übertarifliche Leistungen ausreichen. Ein Zurückfahren auf die tariflichen Standards würde bereits genügen. „Das ist das Minimum, was die Mitarbeiter beitragen müssen“, sagte der Münchener Landesbank-Chef. Er appellierte an die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die Sanierung nicht zu blockieren. „Es geht hier um 100 000 Arbeitsplätze“, warnte er.

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