Gespräche zwischen GDL und Bahn geplatzt
Bahnreisenden droht Rekordstreik

Verhärtete Fronten: Die GDL wirft der Bahn Provokation von Arbeitskämpfen vor. Die Bahn sagt, GDL lässt Gespräche kurz vor der Lösung platzen. Es droht ein Rekordstreik – und er kann jederzeit beginnen.
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BerlinBerufspendler und Fernreisende müssen sich auf den längsten Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn einstellen. Weil erneut ein Lösungsversuch im Tarifkonflikt scheiterte, drohte die Lokführergewerkschaft GDL am Montag mit einem neuen Arbeitskampf. Der Beginn werde rechtzeitig bekanntgeben, erklärte sie.

Vor zwei Wochen hatte die GDL für insgesamt 60 Stunden bundesweit den Reise- und Güterverkehr zu großen Teilen lahmgelegt. Ein GDL-Vertreter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Gewerkschaft bleibe bei der Taktik, die Streikdauer zu steigern. Der längste Arbeitskampf fand 2007 mit 62 Stunden statt. Die „Bild“-Zeitung berichtete von Planungen für einen Ausstand über 91 Stunden. Dies wurde in der vergangenen Woche schon über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet.

Die Bahn warf der GDL vor, sie habe nicht nur die Gespräche trotz eines fertigen Vertragsentwurfs in letzter Minute platzen lassen. Jetzt blieben auch noch Millionen Kunden im Ungewissen über den neuen Streik. Dies sei unverantwortlich. „Eine gute Zukunftslösung ist erneut an reinen Machtfragen gescheitert. So verhält sich kein verlässlicher Verhandlungspartner“, sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber.

Er betonte, der Entwurf habe auch einen eigenständigen Vertrag für die Zugbegleiter vorgesehen. Die GDL wiederum hielt dem Staatskonzern vor, der Tarifvertragsentwurf sei ein Diktat. Die Gewerkschaft solle für einen Teil der Mitglieder auf das Streikrecht verzichten.

Die Gewerkschaft verlangt fünf Prozent mehr Lohn im Jahr bei kürzeren Arbeitszeiten. Kern des Konflikts ist aber, dass sie dies nicht mehr allein für die 20.000 Lokführer fordert, sondern auch für rund 17.000 Zugbegleiter und Rangierführer. Die Vertretung dieser Gruppe beansprucht die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) für sich. Die Bahn lehnt konkurrierende Tarifabschlüsse ab.

Die SPD schaltete sich in die Auseinandersetzungen ein und hielt der GDL vor, der Gewerkschaftsbewegung insgesamt zu schaden. „Für mich ist das nicht mehr nachvollziehbar“, sagte Generalsekretärin Yasmin Fahimi. Sie wisse nicht, wie die Gewerkschaft aus der Lage wieder herausfinden wolle

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Mit dem Kopf durch die Wand
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    Jetzt will der Mao von der Bahn (Weselsky) wieder einmal streiken lassen. Diesmal für 91 Stunden. Vorher ließ er einen unterschriftsreifen Vertrag platzen lassen.
    Es geht ihm nicht um die Lohnerhöhung von 5%, auch nicht um die Arbeitszeitverkürzung von 2 Stunden pro Woche, es geht ihm um die Machterweiterung. Er will jetzt auch das Zugpersonal und Rangierführer vertreten, welche bisher von der EVG vertreten werden.

    Und Weselsky gibt der Bahn die Schuld an den Streiks.

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