Gesundheitsbranche
Kurzzeitige Linderung für Kliniken

Drei Milliarden Euro Staatsmittel verschaffen den Krankenhäusern eine kurze Atempause. Doch bereits im nächsten Jahr könnte erneut eine Inflationswelle über sie hereinbrechen. Eine wissenschaftliche Studie des RWI gibt jetzt erste Anhaltspunkte.

FRANKFURT. Die rund 2 100 Kliniken in Deutschland können aufatmen: Wegen der zusätzlichen drei Mrd. Euro aus dem Krankenhausfinanzierungsgesetz und der Zuweisung von Investitionen aus dem Konjunkturpaket II dürfte dieses Jahr eines der besten für die Krankenhäuser werden. Doch schon ab dem nächsten Jahr soll die Zahl der von Insolvenz bedrohten Häuser wieder deutlich steigen. Das sind zentrale Aussagen des aktuellen Krankenhaus Rating Reports 2009, den das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung gestern in Essen vorstellte.

Dass sich die Kliniken nicht in trügerischer Sicherheit wiegen sollten, signalisieren die Autoren der Studie schon mit dem Titel "Im Auge des Orkans". Der Orkan - die Finanz- und Wirtschaftskrise - sorgt dafür, dass Krankenhäuser schon ab dem nächsten Jahr tendenziell weniger Geld zur Verfügung haben: Den öffentlichen Haushalten werden Steuergelder fehlen, und auch die Mittel der Krankenkassen werden sich verringern, wenn mehr Beitragszahler arbeitslos werden.

"Die Krankenkassen sollten die Verschnaufpause, die sie dieses Jahr haben, nutzen, um so zu investieren, dass sie ihre Betriebskosten dauerhaft senken können", sagt Boris Augurzky, Leiter der RWI-Studie. Beispielsweise durch bauliche Veränderungen, die die Wege verkürzen, oder neue technische Ausrüstung, mit der Kosten gesenkt werden können. Auf absehbare Zeit werden die Kosten der Krankenhäuser stärker steigen als die Erlöse, erwarten die Experten des RWI. Wenn die Krankenhäuser nicht gegensteuern und ihre Produktivität steigern, könnte sich der Anteil der erhöht insolvenzgefährdeten Betriebe von heute 15 auf rund 30 Prozent im Jahr 2020 erhöhen.

Im vergangen Jahr ist die Quote der insolvenzgefährdeten Krankenhäuser nach Schätzungen des RWI sprunghaft von 16 auf 27 Prozent angestiegen. Grund waren die Tariflohnsteigerungen, die von vielen Krankenhäusern durch Erlöse nicht kompensiert werden konnten. Bei den Unikliniken, denen allgemein der höchste Standard in der medizinischen Versorgung zugeschrieben wird, sieht die Situation nicht viel anders aus. Von den 34 deutschen Universitätkliniken schreibt rund ein Drittel rote Zahlen, schätzt die Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner, die sich unter anderem auf den Gesundheitsmarkt spezialisiert hat. Insofern hat die von der Bundesregierung im Herbst beschlossene Finanzspritze die Situation der 65 Mrd. Euro schweren Branche deutlich entschärft.

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