Getränke-Milliardendeal Reimann-Holding kauft Dr Pepper

Die deutsche Milliardärsfamilie Reimann erweitert ihr Kaffee-Imperium um Cola: Ihre JAB Holding wird in einem Milliardendeal neuer Eigentümer des Getränkeherstellers Dr Pepper.
Update: 29.01.2018 - 16:46 Uhr Kommentieren

„Ultimativer Getränkekonzern“ – Deutsche Milliardärsfamilie kauft Dr Pepper

„Ultimativer Getränkekonzern“ – Deutsche Milliardärsfamilie kauft Dr Pepper

New YorkDie von der deutschen Milliardärsfamilie Reimann kontrollierte JAB Holding macht erneut durch einen Milliardendeal auf sich aufmerksam. Sie fusioniert den Kaffeehersteller Keurig Green Mountain mit dem Getränkehersteller Dr Pepper Snapple. Zu Dr Pepper gehören auch bekannte Marken wie 7UP oder Bai. Das fusionierte Unternehmen kommt auf einen Jahresumsatz von rund 11 Milliarden US-Dollar.

Aktionäre von Dr Pepper erhalten eine Sonderdividende von 103,75 Dollar je Aktie sowie 13 Prozent der Anteile des neuen Unternehmens. Die Aktie war am Freitag bei 95,65 Dollar aus dem Handel gegangen. JAB finanziert den Deal, der im zweiten Quartal abgeschlossen werden soll, durch eine Investition von 9 Milliarden Dollar. Danach will JAB 87 Prozent am verschmolzenen Unternehmen Keurig Dr Pepper halten. Aktionäre und Aufseher müssen aber noch zustimmen. Dr-Pepper-Aktien schossen am Montag 32 Prozent auf einen Rekordwert von 126,14 Dollar in die Höhe.

Erst kürzlich hatte die Holding im Handelsblatt-Interview weitere Zukäufe angekündigt. „Unsere Transaktionen werden immer größer, wir brauchen mehr Geld“, sagte JAB-Co-Chef Bart Becht Anfang des Monats. An den von JAB aufgelegten Fonds seien unter anderem Staatsfonds und vermögende europäische Familien beteiligt. Interessant seien für JAB Akquisitionen im Kaffee- und Tee-Geschäft sowie bei Kosmetika.

Seit 2015 ist JAB der weltgrößte Kaffee-Konzern, zu ihm gehören unter anderem die Marken Jacobs, Senseo und Tassimo. Die Holding ist außerdem größter Aktionär des US-Kosmetikriesen Coty mit seiner Shampoo-Marke Wella.

Die Familie Reimann ist das Phantom unter den deutschen Industriellenfamilien: In der Öffentlichkeit tauchen die Erben der Mannheimer Chemiedynastie persönlich kaum auf. Grundstein des Vermögens der Familie, die zu den reichsten Deutschlands zählt, ist der Sagrotan-Anbieter Reckitt Benckiser.

Begonnen haben die Erben des Mannheimer Chemie-Industriellen Albert Reimann vergleichsweise bescheiden. Bei dessen Tod 1984 überraschte das Testament die neun Kinder – fünf eigene und vier adoptierte Nichten und Neffen: Sie sollen zuvor nicht gewusst haben, dass ihrem Vater die Chemiefabrik, die er leitete, auch gehörte. Mit 450 Millionen Mark Umsatz gehörte das Benckiser-Werk zu den Kleineren der Branche. Als studierte Naturwissenschaftler waren die Erben nicht vorbereitet auf eine Führungsaufgabe und legten das Unternehmen wie im Testament vorgesehen in die Hände der Manager.

1992 kaufte Benckiser dem US-Pharmaunternehmen Pfizer für 440 Millionen Dollar dessen Parfümsparte Coty ab, um das eigene Duft-Geschäft darin zu integrieren. 1999 fusionierte Benckiser mit dem britischen Unternehmen Reckitt & Coleman. Becht baute aus dem Konzern um Marken wie Calgonit und Durex einen der profitabelsten Konsumgüterkonzerne der Welt. Coty ist heute an der Börse 14,6 Milliarden Dollar wert, Reckitt Benckiser fast 56 Milliarden Euro.

Das gehört der Familie Reimann
Reckitt Benckiser
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Der britische Reinigungsmittelhersteller ist der wachstumsstärkste und profitabelste Konzern der Branche und die weltweite Nummer eins im Geschäft mit Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln. Die Familie Reimann ist wesentlich an Reckitt beteiligt. Kaum ein Industriellenclan ist verschwiegener. Kaum einer scheffelt derzeit mehr Geld mit seinem Reich, auch wenn man laut eigener Aussage die Hälfte der Dividenden spendet.

Calgon
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Ludwig Reimann gründete im 19. Jahrhundert zusammen mit Johann Adam Benckiser eine Chemiefabrik, die unter dem Namen Reckitt Benckiser zu einem der weltweit führenden Anbieter von Wasch- und Reinigungsmitteln geworden ist. Albert Reimann erfand unter anderem den Wasserenthärter Calgon.

Konkurrenten
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Das Unternehmen setzt vor allem den deutschen Konkurrenten Henkel unter Druck.

Clearasil
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Zu den bekanntesten Marken von Reckitt Benckiser gehört Clearasil, eine Hautpflegeserie gegen Pickel und Akne. Die Marke ist seit 2006 Teil des Reckitt Benckiser-Portfolios durch die Akquisition von Boots Healthcare.

Vanish
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Auch der Fleckentferner Vanish gehört zum Portfolio des Unternehmens. Das Produkt wird sowohl in Simbabwe und Sri Lanka, als auch in Deutschland und den USA verkauft.

Coty
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Coty ist der weltgrößte Dufthersteller und gehört zum größten Teil der Familie Reimann. Das Unternehmen vertreibt hauptsächlich Celebrity-Parfums und Designerdüfte wie Calvin Klein, Davidoff und Joop.

Labelux
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Die Holding Labelux konzentriert sich auf Luxusmarken. Seit 2007 Jahren kauft die Holding einen Luxusgüterkonzern zusammen. Der Schweizer Lederwarenhersteller Bally gehört neben der Schmuckmanufaktur Solange und dem italienischen Lederwarenhersteller Zagliani bereits dazu. Im Juli 2008 wurde das US-amerikanische Modemarke Derek Lam übernommen, im Mai 2011 der US-Schuhhersteller Jimmy Choo.

  • HB
  • cuk
  • rtr
  • dpa
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