Getränkeindustrie
Campari steht vor einem schwierigen Jahr

Der Wert von Campari hat sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt. Mit langsamerem Wachstum 2012 und Zukäufen von mehr als einer Milliarde Euro verunsichert der Getränkehersteller jedoch die Anleger.
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In dem französischen Gourmet-Restaurant Le Cirque in New York bereitet Barkeeperin Jillkerry Ward einen Negroni zu: zwei Teile Gin, ein Spritzer süßen Wermuts und zwei Shots vom bitteren Apéritif Campari. „Wir schenken wahrscheinlich jeden Abend zehn oder 15 davon aus”, sagt die 37-Jährige, während sie den Cocktail mit einer halben Orangenscheibe garniert. „Das ist ein Klassiker.”

Der Börsenwert von Davide Campari-Milano SpA, dem größten Hersteller alkoholischer Getränke in Italien, hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt und im Oktober – angesichts einer anziehenden Campari-Nachfrage in Italien – einen Rekordwert erreicht. Der Durst auf andere Marken des Unternehmens, wie Skyy Wodka und Wild Turkey Bourbon, legte unterdessen in den USA und Brasilien zu.

Der Anstieg hat die 79-jährige Rosa Anna Magno Garavoglia zur ältesten bekannten Milliardärin Italiens gemacht. Sie hält 31 Prozent an dem Unternehmen und kommt damit auf ein Nettovermögen von mindestens 1,5 Milliarden Dollar (rund 1,2 Mrd. Euro), wie aus dem Bloomberg Billionaires Index hervorgeht. Garavoglia taucht aber auf keiner der gängigen Reichen-Listen auf. Die „versteckte” Milliardärin ist an Campari über die Familienholding Alicros SpA beteiligt. Ihr Anteil an der Holding beläuft sich auf 60 Prozent, wie aus Pflichtmitteilungen hervorgeht. Alicros kontrolliert wiederum 51 Prozent von Davide Campari-Milano. Die Campari-Anteile erbte sie von ihrem verstorbenen Mann, Domenico Garavoglia, der dort angestellt war und sie seinerseits 1982 von der letzten Erbin der Campari-Familie erhielt.

Zwei ihrer drei Kinder – Campari-Chef Luca Garavoglia und Alessandra Garavoglia Forloni – teilen sich ein Vermögen im Wert von mehr als 900 Millionen Dollar. Ihre älteste Tochter, Maddalena Garavoglia, warf ihrer Familie nach dem Börsengang von Campari vor, sie aus dem Unternehmen gezwungen zu haben. Ein Mailänder Zivilgericht gab ihr 2006 Recht, so dass ihre Mutter und Geschwister ihr 100 Millionen Euro zahlen mussten. Campari-Sprecherin Chiara Bressani wollte sich nicht zu dem Nettovermögen der Familie äußern.

Das in Mailand ansässige Unternehmen erzielte in den letzten zwölf Monaten einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro. Das waren 30 Prozent mehr als im Jahr 2009. Es verfügt über 45 Marken in 190 Ländern, darunter auch Herstellungs- und Vertriebsrechte für den Kräuterlikör Jägermeister und Glenfiddich Scotch Whisky. Mehr als drei Viertel des Umsatzes werden durch den Verkauf von Spirituosen erwirtschaftet, wie Daten von Bloomberg zeigen.

Das Unternehmen befindet sich seit Jahren in einem Kaufrausch. Seit 2007 wurden acht Getränkehersteller in den USA, Europa und Schwellenländern wie Brasilien und Jamaika für mehr als eine Milliarde Dollar erworben. Während einige Analysten besorgt sind, dass der Rausch mit einem Kater enden könnte, zeigen sich andere über die Akquisitionen erfreut.

„Campari hat positive Schritte unternommen, um Produkte zu erhalten, die von Kennern anerkannt und von der Masse geschätzt werden”, sagte Josh Harris, Co-Gründer des Beratungsunternehmens für Spirutuosenmarken The Bon Vivants in San Franciso, am 28. Februar in einem Telefoninterview. „Was sie machen, ist phänomenal.”

Campari stieg 1998 bei Skyy Spirits LLC mit Sitz in San Francisco ein. Die ursprüngliche Beteiligung von 8,9 Prozent wurde zwei Jahre später um weitere 50 Prozent und 2005 um zusätzliche 30 Prozent erhöht. Durch den Zukauf der Marke Wild Turkey für 575 Millionen Dollar von Pernod Ricard SA in Paris baute das Unternehmen sein US-Geschäft weiter aus. Im August 2011 erwarb das Unternehmen für 26 Millionen Dollar den Zuckerrohrschnaps-Produzenten Sagatiba Brasil, dessen Cachaca Grundlage des brasilianischen Caipirinha-Cocktails bildet. Im vergangenen September schluckte Campari dann den jamaikanischen Rum-Hersteller Lascelles DeMercado & Co. zum Preis von 414,8 Millionen Dollar.

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Ein Drittel des Konzernumsatzes kommt aus Italien

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