Getränkeindustrie gegen Einzelhändler
Die Macht des Schnapses

Die Marktmacht der vier großen Einzelhändler Aldi, Lidl, Edeka und Rewe ist immens. Manchmal überreizen die Firmen in Preisverhandlungen mit ihren Lieferanten. Die Getränkeindustrie wagt es, kontra zu geben.
  • 1

DüsseldorfDas Hauen und Stechen zwischen Einzelhändlern und Lieferanten gehört zum Alltag: Einzelne Marken verschwinden aus Regalen, wenn der Zank um die Verkaufsbedingungen heftig wird. Vor der Marktmacht der vier großen Einzelhändler fürchten sich Lebensmittelhersteller. Doch es gibt ein Widerstandsnest, das immer wieder den Aufstand probt und sich nicht den Vorgaben der Händler unterwerfen will: Getränkehersteller.

Große Supermarktketten wie Kaufland, Edeka und nicht zuletzt Rewe üben in den Preisverhandlungen einen Druck sondergleichen aus. Bereits Anfang 2014 hat Aldi Nord drei Wochen hintereinander die Preise von verschiedenen Lebensmitteln gesenkt, darunter Eier, Kaffee, Müsli und Wein. Aldi Süd sowie Netto, der Discount-Supermarkt von Edeka, haben nachgezogen und ebenfalls ihre Lebensmittel günstiger gemacht. Weil das offenbar nicht genug war, hat Aldi wiederum im März die Preise für Fleischprodukte gesenkt. Beispielsweise kostete Frühstücksschinken nur noch 89 statt 99 Cent. Eine Preissenkung um mehr als zehn Prozent.

Die großen Vier: Aldi, Lidl, Edeka, Rewe

Die Händler in Deutschland sitzen oft am längeren Hebel. Denn die „großen Vier“ – Aldi, Rewe, Edeka und die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) – vereinen mehr als 80 Prozent des Lebensmittelmarktes auf sich. Und durch ihre Eigenmarken machen sie ihren Lieferanten immer stärkere Konkurrenz: Rewe mit „Ja“, Edeka mit „Gut & Günstig“, Lidl mit Vitakrone oder Milbona, bei Aldi sind Marken ohnehin selten. Damit wächst die Macht der Händler und die meisten Hersteller müssen sich beugen.

Der französische Spirituosen-Konzern Pernod Ricard wagte dennoch ein Kräftemessen mit Rewe. Vor wenigen Wochen stoppte das Unternehmen einfach kurzerhand die Belieferung der Supermarktkette mit Likör der Marke Ramazotti.  Statt einer Flasche Schnaps fanden die Kunden lediglich einen Zettel mit dem Hinweis, dass Pernod Ricard derzeit nicht liefere.

Nicht das erste Mal, dass der Kunde auf dem Trockenen sitzen bleibt: 2013 hat sich das Brauerei-Unternehmen Krombacher geweigert, die beiden Sprudel-Lieblinge Schweppes und Orangina weiterhin an Kaufland zu liefern. Krombacher vertreibt die Marken in Deutschland.

Kommentare zu " Getränkeindustrie gegen Einzelhändler: Die Macht des Schnapses"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wie ich den Artikel las, musste ich schmunzeln.

    Es geht um eine wahre Geschichte vor ca. 20 Jahren. Es war zu der Zeit wo die Großen mit dem Fressen der Kleinen fast fertig waren. Derzeit wurden die Markenhersteller von den großen Ketten aufgefordert, eine Summe zu bezahlen num im Regal zu bleiben. Fast alle bezahlten (ca. 4000 - 8000DM) nur einer nicht.

    Jägermeister

    Promt flog Jägermeister aus den Regalen.
    Dumm war nur, daß viele Schnapsnasen dies Getränk kauften. Soll angeblich ohne große Fahne sein.

    Da kam der Käufer in den Supermarkt und verlangte Jägermeister. Die Verkäufer erklärten, dies sei ausgelistet und wir bekommens auch nicht wieder rein.
    Darauhin entgegneten die Käufer:
    Dann kann ich ja den Rest auch woanders holen.

    RUMMS! Das hatte gesessen.

    Sie glauben nicht, wie schnell J.... wieder im Regal war, auch ohne Erpressergebühr.

    Schönen Abend noch.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%